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"Erschütternd": Hintergründe der tödlichen Schüsse in einer Mutter & Kind-Wohngruppe in Stade

Polizeibeamte sichern am Montag, dem 29. Juni 2026, nach einer Schießerei in Stade den Tatort.
Polizeibeamte sichern am Montag, dem 29. Juni 2026, nach einer Schießerei in Stade den Tatort. Copyright  AP Photo
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Von Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am
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Eine Bluttat hat Stade in Niedersachsen erschüttert: In einer Mutter-Kind-Wohngruppe erschießt ein Mann sechs Menschen. Nach Angaben der Ermittler steht die Tat im Zusammenhang mit einem Sorgerechtsstreit. Der mutmaßliche Täter war den Behörden bereits als auffällig bekannt.

Vier Frauen und zwei Männer, allesamt Sozialarbeiter bzw. Mitarbeiter einer Mutter & Kind-Einrichtung, sind am Montag in Stade, einer Hansestadt in Niedersachsen mit knapp 50.000Einwohnern, erschossen worden. Drei der Opfer waren für einen Termin in der Mutter-Kind-Einrichtung extra aus Hannover angereist. Stade liegt etwa 45 Kilometer westlich von Hamburg am Unterlauf der Elbe und gehört zur Metropolregion Hamburg.

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Nach Angaben der Polizei steht die Tat vermutlich im Zusammenhang mit einem Sorgerechtsstreit. Der Tatverdächtige, ein 45-jähriger türkischer Staatsangehöriger, hatte in der Einrichtung einen Termin, bei dem es um seine drei Monate alte Tochter ging. Nach Informationen des WDR handelte es sich dabei um ein sogenanntes Hilfeplangespräch.

Ein Hilfeplangespräch ist ein zentrales Verfahren der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland. Es dient dazu, gemeinsam zu besprechen, welche Unterstützung ein Kindoder eine Familie benötigtund wie diese Hilfe gestaltet werden soll.

Im Zusammenhang mit einem Sorgerechtsstreit kann ein Hilfeplangespräch dazu dienen, den Unterstützungsbedarf der Familie zu besprechen oder Entscheidungen über das Wohl des Kindes vorzubereiten.

Kriminaltechniker sichern am Montag, dem 29. Juni 2026, nach dem Angriff auf Mitarbeiter eines Mutter & Kind Heimes in Stade Spuren auf einer Straße .
Kriminaltechniker sichern am Montag, dem 29. Juni 2026, nach dem Angriff auf Mitarbeiter eines Mutter & Kind Heimes in Stade Spuren auf einer Straße . AP Photo

Der Vater galt als auffällig, weshalb das Gespräch in größerer Runde stattfinden sollte. Zwar war der Tatverdächtige den Behörden bereits wegen Bedrohungsdelikten bekannt, nach Angaben der Polizei wurde er im polizeilichen System jedoch nicht als gewalttätig eingestuft.

Das Baby war zuvor aus der Familie genommen worden. Unter bestimmten Auflagen durfte es zur Mutter zurückkehren – allerdings nicht an ihren Wohnort in Hannover, sondern in eine Jugendhilfeeinrichtung in Stade.

Die Mutter des Kindes, eine 34-Jährige, sowie das Kind blieben bei dem tödlichen Angriff unverletzt – offenbar hatte der Vater gezielt auf die Mitarbeiter geschossen, die versucht hatten, zu vermitteln.

Nach der Tat stoppten Polizeischüsse dann ein fliehendes Fahrzeug mit dem mutmaßlichen Schützen und einer 65-jährigen Frau, die den Wagen gesteuert hatte. Nach aktuellem Ermittlungsstand besteht zwischen der Frau und der Familie des Tatverdächtigen eine enge Verbindung. Sie wurde laut Behörden ebenfalls von der Polizei vernommen. Ob die 65-Jährige weiterhin in Gewahrsam ist, teilte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf Nachfrage der Medien nicht mit.

Mutmaßlicher Täter hatte das Baby offenbar "geschüttelt"

Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich um Fatih Khan G. aus Garbsen bei Hannover, einen Mann, der in Deutschland geboren wurde und die türkische Staatsangehörigkeit besitzt. Der Mann soll nach Recherchen des Spiegel sein drei Monate altes Kind geschüttelt haben. Das Kind sei von einem Arzt behandelt worden, der entsprechende Verletzungen des Kindes festgestellt haben soll.

Die Mutter soll von dem Mann bereits getrennt gewesen sein. Auch sie wurde von der Polizei in Gewahrsam genommen und befragt. Das Baby wurde in die Obhut des Jugendamtes übergeben.

Nach Informationen des WDR soll der mutmaßliche Täter einem größeren Clan aus Hannover angehören. Auf einer Pressekonferenz erklärten Polizei und Innenministerium jedoch, dass ihnen keine Hinweise auf eine Clan-Zugehörigkeit bekannt seien.

Die Tat hat deutschlandweit große Bestürzung ausgelöst. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schrieb auf X: "Die Nachricht aus Stade erschüttert bis ins Mark." Viele derjenigen, die helfen und schützen wollten, hätten ihr Leben verloren oder seien verletzt worden.

Am Dienstag äußerte sich auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) zu der Tat und drückte sein Bedauern und Mitgefühl aus. Das können einen Menschen „nur sprachlos“ zurücklassen, hob Dobrindt hervor. Die Tat habe ihn „stark betroffen gemacht“, seine Gebete seien mit den Opfern der Gewalttat.

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äußerte seine Anteilnahme und dankte den Einsatzkräften sowie den Ärzten.

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) bezeichnete den Schusswaffenangriff als "erschütternd" und erklärte, die gesamte Landesregierung sei tief betroffen. Zugleich bat er darum, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen und den Ermittlungen Raum zu geben. Jetzt sei "Zeit für Trauer, Anteilnahme und sachliche Ermittlungsarbeit – nicht für Spekulationen und Verunsicherung".

Innenministerin Daniela Behrens (SPD) sprach von einem „entsetzlichen Tag für Stade und ganz Niedersachsen“. Sechs Menschen seien "auf brutale Weise aus dem Leben gerissen" worden. Das Leid sei schwer zu begreifen und kaum in Worte zu fassen. Die Tat werde die Stadt lange beschäftigen und Spuren hinterlassen. Sie sprach allen Betroffenen ihre Anteilnahme aus.

Nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft wurde bislang kein Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Täter erlassen. Ob und wann ein entsprechender Antrag noch am Dienstag gestellt wird, sei noch offen und hänge von den weiteren Ermittlungsergebnissen der Polizei ab.

Unterdessen dauern die Spurensicherungsarbeiten am Tatort mit hoher Intensität an. Die Schüsse fielen in einem Backsteinhaus in einer ansonsten ruhigen Wohngegend. Die Polizei hat die Straße über eine Länge von rund 200 Metern abgesperrt.

Das Geschehen sorgt auch in internationalen Medien für hohe Aufmerksamkeit.

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