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Hitzewelle in den Alpen: So schlimm ist die Lage für Tiere und Landwirte

Black Angus Kühe in der Hitzewelle in Neu-Anspach bei Frankfurt
Black Angus Kühe in der Hitzewelle in Neu-Anspach bei Frankfurt Copyright  AP Photo
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Von Kirsten Ripper & Euronews mit AP, Tagesanzeiger, BauernZeitung
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Auf den Almen im Alpenraum fehlt es wegen der Trockenheit und Hitze an Wasser und an Futter für die Kühe. Viele Landwirte und Landwirtinnen müssen ihre Tiere wohl so früh wie nie zuvor ins Tal holen und geraten in eine Notlage, weil sie schon im Sommer Heu zukaufen müssen.

Im gesamten Alpenraum leiden Landwirte unter der anhaltenden Trockenheit. "Wir sparen Wasser wie verrückt", sagt Jeanette Jöhl dem Schweizer Tagesanzeiger. Sie muss ihre 120 Kühe demnach so früh wie noch nie zuvor von der Alm zurück ins Tal bringen.

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Andere Landwirte haben einen Teil ihrer Tiere bereits von den Bergen heruntergeholt - vor allem frisch abgekalbte Kühe, die besonders viel Wasser und ausreichend Futter brauchen. Denn nicht nur viele Bäche sind ausgetrocknet, es wächst auch nicht genug.

Dabei leiden die Tiere wie die Menschen unter Hitzestress. Wie der SRF erklärt, wird es für Kühe bereits ab 16 Grad zu warm, für Schweine ab 20 Grad. In vielen Ställen gibt es Ventilatoren oder Sprühanlagen. Und die Kühe kommen erst am Abend auf die Weide.

Früher wurde in trockenen Sommern wie 2015 und 2018 in der Schweiz Wasser mit Hubschraubern auf die Alpen gebracht, aber so früh in der Saison, erklärt Jeanette Jöhl, lohne sich das nicht und Helikopter seien viel zu teuer. "So etwas habe ich noch nie erlebt", sagt sie.

Verfrühte Almabtriebe wegen Wassermangel

Auch in Österreich schlägt die Landwirtschaftskammer Alarm, denn schon der Winter und das Frühjahr waren von deutlich unterdurchschnittlichen Niederschlägen geprägt. Wo es die Infrastruktur erlaubt, wird Wasser dort tatsächlich mit hohem Aufwand vom Tal auf die Alm transportiert, um das Vieh zu tränken.

Doch in mehreren Regionen sind verfrühte Almabtriebe geplant. "Ein späterer Wiederauftrieb wäre zwar grundsätzlich möglich, bedeutet für die Betriebe jedoch einen erheblichen organisatorischen und wirtschaftlichen Mehraufwand“, erläutert der Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, Franz Waldenberger, in der Bauernzeitung.

Im Kanton St. Gallen und in der gesamten Schweiz suchen politisch Verantwortliche nach Wegen für eine dauerhafte Lösung. Einige schlagen vor, Wasserreservoirs ähnlich wie für Schneekanonen in den Bergen einzurichten. Doch um Wasser nach oben zu pumpen, braucht es Strom. Eine wirklich nachhaltige Methode gibt es derzeit offenbar nicht.

"Grundsituation der Landwirtschaft ist katastrophal"

In Frankreich ist die Notlage wegen der viel längeren Hitzewelle noch schlimmer und bringt die Bäuerinnen und Bauern in eine extreme Notlage. Wenn die Kühe, Schafe und anderen Tiere wegen der Trockenheit nicht auf den Wiesen grasen können, weil nichts mehr wächst, müssen die Betriebe auf die Wintervorräte zugreifen und teures Heu zukaufen.

Für viele rechnet sich das nicht. In Frankreich haben sich Bauernverbände an die Regierung in Paris gewandt und Nothilfe-Programme angefordert.

Mitte Juli wurden in der Schweiz innerhalb einer Woche "230 Tiere mehr zur Schlachtung angemeldet als in der Vorjahreswoche" berichtet der Sprecher der Proviande-Fleischerzeuger Philipp Haeberli von den Schlachtviehmärkten, wo die Richtpreise bereits gefallen sind.

Doch in Deutschland sieht es nicht viel anders aus. "Die Grundsituation in der Landwirtschaft ist katastrophal“, erklärt Tobias Häring in der Schwäbischen Zeitung. Er hat wie seine Frau Felicitas Agrarwirtschaft studiert, die beiden haben einen Aussiedlerhof im Schwarzwald mit 710 Schweinen, 1.200 Freilandhühner und acht Galloway-Rindern.

"Auf unserer Grünlandfläche wächst nichts mehr - die ist einfach vertrocknet. Wenn es nächstes Jahr noch mal so trocken ist, dann ist es richtig schlimm“, sagt Häring. "Dann wird es eng mit dem Futter für unsere Tiere, weil der Vorrat dieses Jahr aufgebraucht wird - das Problem haben gerade viele Landwirte."

Kühe auf einer Weide in Neu-Anspach bei Frankfurt am 15. Juli 2026
Kühe auf einer Weide in Neu-Anspach bei Frankfurt am 15. Juli 2026 AP Photo

Extreme Ernteverluste wegen Dürre

Schon Anfang Juli erwarteten laut einer Umfrage 92,7 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Österreich Ernteverluste aufgrund der anhaltenden Trockenheit. Nur 7,3 Prozent gingen davon aus, keine Einbußen zu verzeichnen. Im Durchschnitt rechneten die österreichischen Betriebe mit einem Ernteausfall von 20,4 Prozent der Erntemenge.

Dabei steigen besonders die Preise für Energie und Düngemittel wegen des Iran-Kriegs und der blockierten Straße von Hormus.

Der Klimatologe Alexander Orlik von der GeoSphere Austria erklärt in der BauernZeitung: "Um den seit Jahresbeginn in Österreich fehlenden Niederschlag auszugleichen, müsste es in den kommenden Wochen im Flächenmittel rund 160 Liter pro Quadratmeter zusätzlich regnen. Es fehlt also der Niederschlag von einem gesamten und einem weiteren Drittel eines Sommermonats.“

Zwar könnte es in den kommenden Tagen Gewitter geben. Ausgiebige, flächendeckende Niederschläge, wie sie benötigt würden, werden im Alpenraum den Prognosen zufolge allerdings nicht erwartet.

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