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"Alptraum": Fahrerin des Fluchtwagens von Stade wandte sich an die Medien

Der mutmaßliche Schütze von Stade ist jetzt in Haft.
Der mutmaßliche Schütze von Stade ist jetzt in Haft. Copyright  (c) Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Von Kirsten Ripper & Euronews mit AP, NDR, BILD, SZ
Zuerst veröffentlicht am
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Das Rätselraten über die tödlichen Schüsse in Stade, durch die 6 Menschen ums Leben kamen, geht weiter. Die Frau, die den Mercedes fuhr, in dem der mutmaßliche Täter flüchten wollte, hatte sich - noch vor der Tat - sich an die Medien gewendet.

Der 45-Jährige, der in einer Mutter-Kind-Einrichtung sechs Menschen offenbar kaltblütig erschoss, hatte es wohl vor allem auf die Personen abgesehen, die er dafür verantwortlich machte, dass ihm das Sorgerecht für die vier Monate alte Tochter entzogen worden war.

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Fünf Frauen und ein Mann, die entweder in der Mutter-Kind-Einrichtung oder für das Jugendamt arbeiteten, mussten sterben.

Der genaue Tathergang ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen, wie die Staatsanwaltschaft bekannt gab. Der Festgenommene, der im Raum Hannover lebt, soll die Tatwaffe in Berlin gekauft haben. Nach Informationen des NDR zahlte er für die Pistole und 21 Schuss Munition rund 4.000 Euro.

Die Rolle der 34-jährigen Mutter und vor allem der 65-jährigen Patentante des Babys, die den mutmaßlichen Todesschützen - offenbar im grauen Mercedes - von Garbsen zum Tatort nach Stade gebracht hatte und ihn danach wieder zurückfahren wollte, sind laut Staatsanwaltschaft bisher nicht genau geklärt.

Die Fahrerin des Fluchtwagens ist die Schwiegermutter des SPD-Politikers Deniz Kurku, wie der ehrenamtliche niedersächsische Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe selbst bekannt gab. Kurkus Anwalt erklärt, dass sein Mandant "selbstverständlich keine Erkenntnisse vor der Tat von der möglichen Tat" hatte. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies wünschte Deniz Kurku und seiner Familie laut NDR die notwendige Kraft für die Bewältigung dieser äußerst schweren Situation.

Fatih Khan G. saß Berichten zufolge in der Türkei im Gefängnis

Auch zum mutmaßlichen Täter selbst gibt es wohl neue Erkenntnisse. Fatih Khan G. wurde in Deutschland geboren, hat aber einen türkischen Pass. Wie BILD jetzt berichtet, soll er in der Türkei mit Vorwürfen von Sexualdelikten konfrontiert und sogar dort aus dem Gefängnis geflohen sein. Laut dem türkischen Justizsystem UYAP werde auch wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs einer älteren Tochter aus einer vorherigen Beziehung gegen den Mann ermittelt. Und Fatih Khan G. sei dem BILD-Bericht zufolge 2021 nach der Verurteilung wegen eines anderen Delikts aus dem Gefängnis geflohen.

In Deutschland liegen polizeiliche Erkenntnisse gegen den Vater vor, unter anderem wegen Bedrohung.

Patentante des Babys hatte sich vor der Tat an die Medien gewandt

Dieses Bild des Mannes deckt sich nicht mit den Schilderungen der Patentante des Babys, die sich an mehrere Medien - darunter die SZ und den NDR - gewandt hatte.

Wenige Tage vor der Bluttat von Stade hatte die 65-jährige eine E-Mail an die Süddeutsche Zeitung geschrieben und der Redaktion eine 20-seitige "Chronologie eines Alptraums" als PDF-Anhang geschickt. "Anbei übersende ich Ihnen den Bericht über die Erfahrungen meiner drei Monate alten Patentochter (…) und ihrer Eltern während der einmonatigen Behandlung im April und Mai 2026 an der Medizinischen Hochschule Hannover. Mit freundlichen Grüßen".

Die Absenderin der E-Mail arbeitet laut SZ in Norddeutschland bei einem Verein, der Familien mit unterschiedlichen Nationalitäten berät und sich als "Schnittstelle von Familien-, Bildungs- und Migrationspolitik versteht".

In ihrer "Chronologie eines Alptraums" geht es vor allem darum, dass Ärzte in Hannover im April davon ausgingen, dass die Eltern das Baby geschüttelt hatten. Im Telefongespräch mit einer SZ-Journalistin wollte die Patentante wohl vor allem diese Vorwürfe zurückweisen. Sie und die Eltern hätten sich "tief eingearbeitet" in die Themen "Schütteltrauma und Notoperationen, Inobhutnahmen und Aufenthaltsbestimmungsrecht".

In den sozialen Medien wird indes intensiv über die mögliche Rolle der 65-Jährigen bei der Bluttat diskutiert. Hintergrund sind Recherchen der "HAZ", wonach sie für den "Verband binationaler Familien und Partnerschaften" tätig sein soll. Der Verein berät Paare unterschiedlicher Nationalitäten und versteht sich als "Schnittstelle von Familien-, Bildungs- und Migrationspolitik".

Eine Sprecherin des Verbands bestätigte der WELT, dass die 65-Jährige für die Organisation arbeitet.

Am Tag der Tat sei sie jedoch ausschließlich privat unterwegs gewesen und nicht im Auftrag der Bremer Geschäftsstelle. Der mutmaßliche Täter und seine Familie seien nach bisherigem Kenntnisstand zu keinem Zeitpunkt Ratsuchende des Verbands gewesen.

Die Frage nach dem gefährlichen Schütteltrauma

Nach dem Befund der Medizinischen Hochschule Hannover hatte die kleine Tochter eindeutig ein Schütteltrauma erlitten. Die Eltern bestritten, das Kind geschüttelt zu haben. Doch die Medizinische Hochschule Hannover leitete ein Verfahren ein, um den Eltern das Sorgerecht zu entziehen, denn ein Schütteltrauma ist das Ergebnis eines gewaltsamen Vorgehens gegen ein Kind.

Beim heftigen, gewaltsamen Schütteln von Säuglingen wird eine Hirnverletzung verursacht. 10 bis 30 Prozent aller Kinder, die ein Schütteltrauma erleiden, versterben daran.

Nur 10 bis 20 Prozent der betroffenen Babys haben keine bleibenden Schäden wie lebenslange Seh- und Sprachstörungen, Lern- und Entwicklungsverzögerungen, Krampfanfälle oder schwerste bleibende körperliche und geistige Beeinträchtigungen, wie das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) erklärt.

In ihrem Schreiben soll die Frau den Sorgerechtsstreit zwischen den Eltern und den Behörden ausführlich und aus Sicht der Familie geschildert haben. Sie führte die Kopfverletzungen des Babys nicht auf ein Schütteltrauma, sondern auf einen unbeabsichtigten Unfall zurück.

Den 45-jährigen mutmaßlichen Täter bezeichnete sie als einen "ruhigen, besonnenen Mann".

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