Die Revolutionsgarden kündigten den USA eine "unvergessliche Lektion" an und bekräftigten ihre Kriegsbereitschaft. Gleichzeitig hält Präsident Peseschkian an diplomatischen Kontakten fest und signalisiert Offenheit für Verhandlungen unter Bedingungen.
Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) hat am Montag angekündigt, den USA eine "unvergessliche Lektion" zu erteilen. In einer offiziellen Erklärung an Ayatollah Mojtaba Khamenei erklärten sie, sie betrachteten seine Botschaft als "bindenden Befehl, göttlichen Bund und klaren Fahrplan". Zugleich signalisierte Teheran, dass eine Rückkehr an den Verhandlungstisch möglich bleibt, sofern die nationalen Interessen gewahrt werden.
"Jetzt, da das kriminelle Amerika erneut den Weg des Irrtums, der Aggression und der Abenteuerpolitik gewählt hat, halten wir an diesem Versprechen fest: Wir werden mit Stärke, Entschlossenheit, Weisheit und Autorität die 'unvergessliche Lektion' erteilen, die Sie angekündigt haben", erklärten die IRGC.
"Eine Lektion, die jeden Angreifer davon abhalten soll, seine Fehler zu wiederholen, die die Ambitionen jedes Aggressors bricht und in der Geschichte die Wahrheit vom unbeugsamen Willen der iranischen Nation festhält."
Die Revolutionsgarden versicherten zudem, sie würden "das Schicksal dieses Landes niemals an die Versprechen eines Feindes knüpfen, dessen Bilanz aus gebrochenen Zusagen, Täuschung und Feindseligkeit gegenüber dem iranischen Volk besteht".
Die Erklärung erfolgte am neunten Tag in Folge gegenseitiger Angriffe iranischer und US-Truppen. Die USA bestätigten den Tod von mindestens drei Angehörigen ihrer Streitkräfte.
Das iranische Gesundheitsministerium erklärte, seit Anfang Juli seien bei US-Angriffen auf südliche Provinzen des Landes mindestens 50 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt worden.
Erstmals trafen die Angriffe auch Städte im Nordwesten Irans, Tabriz und Urmia. Nach Angaben staatlicher Stellen starb dort mindestens ein Mensch, mehrere weitere wurden verletzt.
Ein maltesisch beflaggtes Schiff geriet nach Angaben der Behörde UK Maritime Trade Operations in omanischen Gewässern in Brand, rund 15 Kilometer nordwestlich von Kumzar.
Medien mit Nähe zu den Revolutionsgarden berichteten, das Schiff habe saudisches Öl in Richtung Vereinigte Staaten transportiert und dabei die südliche Zufahrt zur Straße von Hormus genutzt. Das Feuer sei noch nicht gelöscht, das Schiff treibe ohne Antrieb, hieß es zum Zeitpunkt der Meldung.
Diplomatische Signale trotz anhaltender Angriffe
Trotz der militärischen Auseinandersetzungen sieht Iran demnach weiterhin Raum für Diplomatie. Der Sprecher des Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, erklärte, der diplomatische Kanal bleibe offen.
Er sagte, Vermittler hätten in den vergangenen Tagen Botschaften mit Teheran ausgetauscht. Der Besuch von Innenminister Eskandar Momeni in Islamabad sei Teil der Antwort Irans auf diese Kontakte.
Momeni, der früher für die Revolutionsgarden tätig war, könnte nach Berichten iranischer Medien eine Botschaft von Präsident Masoud Peseschkian zu möglichen Verhandlungen überbringen.
Vermittler sollen demnach eine 10-tägige Feuerpause vorgeschlagen haben, um das Rahmenabkommen wiederzubeleben. Dieses liegt seit vergangener Woche auf Eis, nachdem die umfassenden Kampfhandlungen offenbar wieder aufgeflammt waren.
Baghaei nannte Diplomatie und militärische Verteidigung "zwei starke Säulen" zum Schutz der nationalen Interessen Irans. Artikel 5 des Zwischenabkommens sehe demnach vor, dass Teheran künftig an Gesprächen über die Verwaltung der Straße von Hormus mit Oman und anderen Staaten der Region beteiligt wird. Eine Klausel, die den USA auf Basis ihrer eigenen Auslegung militärisches Handeln erlaubt, enthalte das Abkommen nicht.
US-Außenminister Marco Rubio warf Iran "oder zumindest einigen Akteuren im Land" vor, die Straße kontrollieren und als Druckmittel einsetzen zu wollen.
"Wir sind für Diplomatie immer offen. Sie muss aber real sein. Es muss eine Vereinbarung sein, mit der sie bereit sind zu leben", sagte Rubio vor seiner Abreise auf die Philippinen.
Iranische Militärs vertreten die Auffassung, die Kämpfe müssten weitergehen, bis ein neues Abschreckungsgleichgewicht erreicht sei.
"Vernunft gebietet, dass der Krieg weitergeführt wird, bis er einen Zustand vollständiger Abschreckung für die iranische Nation schafft", erklärte Brigadegeneral Akrami-Nia.
Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf warf Washington fehlenden guten Willen vor.
"Die Amerikaner bringen ständig neues militärisches Gerät in die Region und behaupten zugleich, sie wollten den Krieg beenden", sagte er.
Peseschkian betonte, Iran habe sich aus keiner Bestimmung des Rahmenabkommens zurückgezogen und werde "bis zum letzten Atemzug" für die Verteidigung des Landes einstehen.
Mojtaba Khamenei, der seit Beginn des Krieges nicht öffentlich aufgetreten ist, bezeichnete die Unterschrift von Donald Trump unter das vorläufige Waffenstillstandsabkommen in einer über das Staatsfernsehen verlesenen Botschaft als "wertlos und ungültig".
Die lange Abwesenheit des Ayatollah verstärkt die Unsicherheit in einer ohnehin schwer durchschaubaren Befehlskette. Zugleich treten die Revolutionsgarden im laufenden Krieg immer deutlicher als zentrales Entscheidungsorgan hervor.