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Direkt in den Urlaub? Warum Berlin nicht mit Europas Flughäfen mithalten kann

Berlin ist der drittgrößte Flughafenstandort in Deutschland.
Berlin ist der drittgrößte Flughafenstandort in Deutschland. Copyright  (c) Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Von Maja Kunert
Zuerst veröffentlicht am
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Berlin fliegt Europas großen Hauptstadtflughäfen weiter hinterher, doch der BER hat für Urlauber trotzdem einiges zu bieten. Besonders bei Direktflügen innerhalb Europas gibt es weiterhin Ziele, die schnell und vergleichsweise günstig erreichbar sind.

In allen 16 Bundesländern sind derzeit Sommerferien, viele Familien zieht es ins Ausland. Doch der Urlaub beginnt für viele schon beim Flug mit höheren Kosten. Wie das Statistische Bundesamt Mitte Juli mitteilt, verteuerten sich Auslandsflüge im ersten Halbjahr 2026 um 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In der Kategorie "Economy-Class" wurden Flüge in europäische Städte sogar um 11,5 Prozent teurer.

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Auch die aktuelle Untersuchung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zeigt: Günstiges Fliegen bleibt gefragt, doch Deutschland verliert im europäischen Vergleich Marktanteile. Gleichzeitig sind selbst Billigflüge teurer geworden. Einfache Tickets ohne Gepäck kosteten im Frühjahr 2026 je nach Airline im Schnitt zwischen 81 und 141 Euro.

Ein Grund dafür ist laut Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) auch das schrumpfende Angebot. Billigflieger erreichen in Deutschland nur noch 82 Prozent ihres Vor-Corona-Volumens, während sie im übrigen Europa kräftig zulegen.

Der BER als Paradebeispiel

Der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) sollte nach 14 Jahren Bauzeit eigentlich ein globaler Player werden. Stattdessen ist er zum Sinnbild für verschwendetes Potenzial geworden. Im vergangenen Jahr war der BER auch fünf Jahre nach seiner Eröffnung wirtschaftlich noch nicht auf Kurs: Die Flughafengesellschaft schrieb weiter Verluste, die Passagierzahlen lagen hinter den Erwartungen zurück.

Immerhin gibt es auch positive Nachrichten: Zum Sommerflugplan 2026 legte der Flughafen zu. Seit Ende März fliegen rund 80 Airlines zu 155 Zielen in 55 Ländern, darunter eine neue Nonstop-Verbindung nach Montréal sowie Streckenausbauten von Eurowings nach London, Lissabon und Sarajevo.

Im Vergleich mit Frankfurt bleibt die Lücke trotzdem groß. Dort werden rund 280 Ziele in mehr als 90 Ländern nonstop angeflogen, mit über 80 Airlines im Angebot. München folgt mit etwa 220 Verbindungen in 68 Länder.

Damit landet Berlin national nur auf Platz vier, wie das Reisetech-Unternehmen AirHelp in einer Analyse ermittelte. Einen Titel darf sich der BER trotzdem sichern: Mit 89 dort operierenden Fluggesellschaften liegt er sogar vor München und Frankfurt, was allerdings eher die Kleinteiligkeit des Angebots zeigt als echte Drehkreuz-Stärke.

Im Hauptstadt-Vergleich abgehängt

Vergleicht man den BER nicht nur mit deutschen, sondern mit anderen europäischen Hauptstadt-Flughäfen, fällt der Rückstand noch deutlicher aus. London Heathrow bietet 223 Direktziele in 85 Ländern, Paris Charles de Gaulle sogar 285 Ziele in 111 Ländern, zeigen Daten des Portals FlightConnections. Beide Städte profitieren von starken nationalen Fluggesellschaften wie British Airways und Air France, die ihren Heimatflughafen konsequent als Interkontinental-Drehkreuz ausbauen.

Lufthansa investiert dagegen lieber in Frankfurt und München. Der Lufthansa-Vertreter für Berlin, Thrasivoulos Malliaras, nannte gegenüber Abgeordneten des Landesparlaments die im Vergleich zu Brüssel mehr als doppelt so hohen Steuern auf Berlin-Abflüge den "Wachstumskiller Nummer eins", wie The Berliner berichtete.

Warum Airlines abziehen

Der Rückzug der Billigflieger hat eine längere Vorgeschichte. Bereits 2022 reduzierte easyJet seine BER-Flotte von 18 auf 11 Maschinen und strich 275 Stellen, begründet mit hohen Flughafengebühren. Ryanair kündigte 2024 an, sein Angebot um 20 Prozent zu kappen, und hält trotz der jüngsten Steuersenkung am Plan fest, die Basis Berlin zum Winterflugplan 2026 ganz zu schließen. Eurowings und Wizz Air füllen die entstandene Lücke zumindest teilweise. Ob es reicht, bleibt fraglich, zumal ein Bieterkrieg zwischen den Investoren Castlelake und Apollo um easyJet für weitere Unsicherheit sorgt.

Am 15. August 2017 meldete Air Berlin Insolvenz an.
Am 15. August 2017 meldete Air Berlin Insolvenz an. Copyright 2010 AP. All rights reserved.

Sylt in einer Stunde, Peking in neun

Doch es gibt auch Entwicklungen in die andere Richtung. Seit dem 2. Juli 2026 fliegt das Start-up Air Uniqon zweimal wöchentlich in nur 60 Minuten nach Sylt. Das ist laut Flughafenbetreiber die kürzeste planmäßige Direktverbindung des BER überhaupt.

Am anderen Ende des nonstop-Streckennetzes liegt Peking. Hainan Airlines fliegt die Strecke ohne Umstieg in rund neun Stunden, Tickets gibt es teils schon ab 600 Euro. Gerade die kurze Sylt-Route dürfte allerdings für Diskussionen sorgen. Kurzstreckenflüge gelten aus Klimasicht als besonders kritisch, weil Start und Steigflug einen überproportional hohen Anteil der Emissionen verursachen, erklärt das Umweltbundesamt.

Direkt aus Berlin in unter drei Stunden

Wer einen Kurztrip plant, findet ab BER weiterhin einige attraktive und meist günstige Ziele:

  • London (rund 2 Std., mehrere Airports) mit British Airways, easyJet oder Ryanair
  • Kopenhagen und Stockholm (unter 2 Std.) mit Eurowings oder SAS
  • Zagreb (1:25 Std.) mit Eurowings
  • Split, Zadar und Pula (unter 2 Std.) mit diversen Airlines
  • Sofia (2:10 Std.) meist günstig mit Wizz Air
  • Athen, Thessaloniki und Korfu (unter 3 Std.) mit Ryanair oder Aegean
  • Tuzla in Bosnien (1:45 Std.) mit Wizz Air, oft besonders preiswert
  • Bratislava und Timișoara, neu seit 2026, mit Wizz Air
  • Rom, Mailand und Bologna (rund 2 Std.) mit Ryanair, easyJet oder Eurowings
  • Neapel und Bari (rund 2:15 Std.) mit Ryanair oder Eurowings

Besonders bei Wizz Air, Ryanair und Eurowings zahlt sich frühes Buchen aus, denn Last-Minute-Tickets auf diesen Strecken werden schnell deutlich teurer.

Buchungszeitpunkt und Flexibilität zählt

Wer flexibel bei Reisetag und Vorlaufzeit bleibt, findet also durchaus günstige Direktflüge ab Berlin, sei es für den Kurztrip nach Kopenhagen oder den großen Sprung nach Peking. Ob sich die Ticketpreise wieder beruhigen oder Berlin im europäischen Hauptstadt-Vergleich weiter zurückfällt, hängt vor allem an den Standortkosten und daran, ob sich Airlines wie Ryanair und easyJet langfristig wieder stärker am BER engagieren.

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