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Ostsee, Adria, Schwarzes Meer: Drei-Meere-Initiative plant neuen Wirtschaftskorridor

Beata Daszyńska-Muzyczka und Paweł Nierada
Beata Daszyńska-Muzyczka und Paweł Nierada Copyright  Foto der Veranstalter
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Von Dominika Cosic
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121 Millionen Einwohner, Milliarden Euro Investitionsbedarf und das Ziel eines zentralen Wirtschaftskorridors in Europa: Die Drei-Meere-Initiative will vom politischen Bündnis zur engen Wirtschaftsallianz werden. Sie hat nun ihren Wirtschaftsrat eröffnet.

Die Idee einer Zusammenarbeit der Staaten entlang der Nord-Süd-Achse Europas entstand schon vor dem Zweiten Weltkrieg, blieb aber jahrzehntelang Theorie. Erst 2015 erhielt sie neuen Schwung – durch eine Initiative der Präsidenten Kroatiens und Polens, Kolinda Grabar-Kitarović und Andrzej Duda.

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Das erste Gipfeltreffen der Drei-Meere-Initiative fand ein Jahr später in Dubrovnik statt. Heute umfasst das Bündnis neben Polen und Kroatien 13 Länder: Österreich, Tschechien, Bulgarien, Estland, Griechenland, Litauen, Lettland, Rumänien, die Slowakei, Slowenien und Ungarn. Zehn weitere Staaten sind strategische Partner – darunter Deutschland, die Vereinigten Staaten, die Türkei und Japan. Auch die Europäische Kommission ist Partnerin.

Der jüngste Drei-Meere-Gipfel fand vor einigen Monaten erneut in Kroatien statt. Besonders wichtig für die Entwicklung der Initiative war die Unterstützung der Trump-Regierung in dessen erster Amtszeit. Sie verschaffte dem Projekt einen klaren politischen Schutzschirm aus Washington.

Ausbau von Transportkorridoren

Die Drei-Meere-Initiative hat vor allem eine politische Dimension. Sie vereint Staaten, die ähnliche historische Erfahrungen teilen und aktuelle Herausforderungen und Risiken vergleichbar definieren. Zugleich spielt die wirtschaftliche Dimension eine große Rolle, vor allem beim Ausbau der Infrastruktur. Zu den wichtigsten Bereichen der Zusammenarbeit gehört die Entwicklung von Transportkorridoren – auf der Schiene und auf der Straße –, die den europäischen Norden und Süden verbinden.

Auf dieser wirtschaftlichen Dimension baut die Gründung des Drei-Meere-Wirtschaftsrates, des Three Seas Business Council (TSBC) auf, der seine Arbeit nun offiziell aufgenommen und am Freitag sein Büro in Warschau feierlich eröffnet hat.

Initiiert haben den Rat die ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der polnischen staatlichen Entwicklungsbank, Beata Daszyńska-Muzyczka und Paweł Nierada, die von Beginn an das Vorhaben als geostrategisches Projekt zur Stärkung der Nord-Süd-Zusammenarbeit unterstützten.

"Kurz gesagt ist der TSBC eine unabhängige Geschäftsplattform, die einen Investitions- und Business-Hub für die Entwicklung von Projekten und Wirtschaftsbeziehungen in der Drei-Meere-Region schafft. Unser Ziel ist es, Unternehmen innerhalb der Drei-Meere-Region zu vernetzen – und sie mit Partnern aus strategischen und assoziierten Staaten zusammenzubringen", erläutert Daszyńska-Muzyczka im Gespräch mit Euronews.

Region mit Potenzial zur siebtgrößten Volkswirtschaft der Welt

Daszyńska-Muzyczka betont, dass der wirtschaftliche Potenzial der Region gewaltig sei. In den Staaten der Drei-Meere-Initiative leben insgesamt rund 121 Millionen Menschen. Ihre Volkswirtschaften wachsen doppelt so schnell wie jene Westeuropas.

"Alle diese Staaten befinden sich auf einem guten Wachstumspfad und bieten zugleich attraktive Renditen auf das eingesetzte Kapital, um es im Bankjargon zu sagen", erklärt sie.

Ein Beispiel für die Nutzung dieses Potenzials ist der Drei-Meere-Fonds, den die Gründerinnen und Gründer des TSBC initiiert haben. "Der Fonds hat die Investitionsmöglichkeiten der Region aufgezeigt und Kapitalrenditen zwischen 14 und 17 Prozent erwirtschaftet", rechnet Daszyńska-Muzyczka vor.

Kapitalbedarf: Infrastruktur-Lücke von rund 650 Milliarden Euro

Für ein vollständiges Bild müssen jedoch auch die Herausforderungen berücksichtigt werden. Die Drei-Meere-Staaten brauchen weiterhin erhebliche Investitionen und frisches Kapital. Nach Schätzungen von Expertinnen und Experten liegt allein die Infrastruktur-Lücke in drei Schlüsselbereichen – Energie, digitaler Sektor und Logistik – bei rund 650 Milliarden Euro.

Gleichzeitig bleibt das Potenzial der Region außergewöhnlich. Analysen zufolge würde die Summe des Bruttoinlandsprodukts aller Drei-Meere-Staaten einer Volkswirtschaft entsprechen, die weltweit auf Platz sieben rangiert. Die Mitgliedschaft im Binnenmarkt der Europäischen Union verstärkt zusätzlich die Möglichkeiten, zu wachsen und Investitionen anzuziehen.

"Um dieses Potenzial vollständig zu nutzen, braucht es eine zentrale Anlaufstelle. Der TSBC übernimmt genau diese Funktion. Er bündelt Wissen, Erfahrung und Kompetenz zur Drei-Meere-Initiative und ihrem wirtschaftlichen Potenzial. Als Institution verknüpft er die Zusammenarbeit von Unternehmen, Investorinnen und Investoren, Thinktanks und politischen Entscheidungsträgern", fasst Daszyńska-Muzyczka zusammen.

Die Bedeutung der Initiative zeigte sich auch bei der Eröffnung des Warschauer TSBC-Büros. An der Veranstaltung nahmen unter anderem Vertreter der Botschaften der Vereinigten Staaten und Japans teil, hochrangige Politiker, Medien und Thinktanks. Mit dabei auch Polens Ex-Präsident Andrzej Duda, für den die Drei-Meere-Initiative eines der wichtigsten Projekte seiner beiden Amtszeiten war.

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