Bei seinem Treffen mit Selenskyj will der britische Premier Burnham bekanntgeben, dass Großbritannien das Know-how seiner elektronischen Störsender "Stone Cloak" teilen wird. Damit könnte die russische Luftabwehr behindert werden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird am Montag als erster ausländischer Gast des neuen britischen Premierministers Andy Burnham im Vereinigten Königreich erwartet.
Burnham, der sein Amt erst vergangene Woche übernommen hat, will bei dem Treffen eine "unerschütterliche Unterstützung" für die Ukraine zusagen – "im Krieg und darüber hinaus", teilte sein Büro mit.
Vor dem eigentlichen Gespräch wollen beide zunächst einen Marinestützpunkt besuchen. Anschließend treffen sie mehr als 200 ukrainische Soldaten und Seeleute, die seit drei Wochen im Vereinigten Königreich an einer Ausbildungsübung zur maritimen Sicherheit und Minenabwehr teilnehmen. Das Manöver mit dem Namen "Sea Breeze" soll die Kräfte auf mögliche Einsätze im Schwarzen Meer vorbereiten.
Britische Störtechnik soll an Ukraine weitergegeben werden
Beim Treffen mit Selenskyj will Burnham außerdem bekannt geben, dass das Vereinigte Königreich die Schutzrechte an seinen elektronischen Störsendern "Stone Cloak" weitergeben wird. Die Geräte können russische Luftabwehrsysteme stören.
Der Schritt ermöglicht es Kyjiw, die Geräte in großer Stückzahl für den Einsatz an der Front im Krieg gegen Russland zu fertigen. Moskau hat im Februar 2022 einen großangelegten Angriffskrieg gegen die Ukraine gestartet. Nach Angaben Londons hat Großbritannien bereits Tausende der tabletgroßen Geräte an die Ukraine geliefert.
"Stone Cloak steht für das Beste britischer Eigenentwicklung, hat sich an der Front bewährt und wird entscheidend sein, um die Sicherheit in beiden Ländern zu schützen", erklärte Burnham in einer Mitteilung.
"Großbritannien steht Schulter an Schulter an der Seite der Ukraine, unsere Unterstützung bleibt unerschütterlich", fügte er hinzu.
Der Premierminister richtete auch eine Warnung an Russland. Moskau solle "keinen Zweifel an unserer Entschlossenheit" haben, Großbritannien werde "nicht nachgeben, bis wir einen dauerhaften und gerechten Frieden für die Ukraine erreicht haben".
Selenskyj erwartet "produktives" Treffen
Selenskyj erklärte am Montag, er hoffe auf ein "produktives" Treffen. Man werde "über vieles sprechen".
"Zum Beispiel über den 'Drone Deal'. Ich möchte in Großbritannien eine große Fabrik auf Basis neuer Technologien aufbauen und diese mit unseren Partnern teilen", sagte er. "Wir sind bereit, unsere gesamte Erfahrung mit dem Vereinigten Königreich zu teilen. Ich hoffe, dass das Vereinigte Königreich das Gleiche tun wird."
Burnham ist bereits der siebte Premierminister des Vereinigten Königreichs innerhalb eines Jahrzehnts. Er hat deutlich gemacht, dass er sich weniger mit Außenpolitik beschäftigen will als sein Vorgänger Keir Starmer und stattdessen tiefgreifende Reformen im Inland anstrebt.
Sein Außenminister, der frühere Labour-Vorsitzende Ed Miliband, dürfte deshalb künftig eine zentrale Rolle in den Beziehungen zur Ukraine spielen.
Seit Februar 2022 hat das Vereinigte Königreich Unterstützung für die Ukraine in Höhe von 25 Milliarden Pfund (rund 29 Milliarden Euro) zugesagt. Davon entfallen 16 Milliarden Pfund (18,7 Milliarden Euro) auf militärische Hilfe und 5,6 Milliarden Pfund (6,5 Milliarden Euro) auf nichtmilitärische Unterstützung.