Eine Woche nach dem WM-Titel Spaniens verbreiten sich im Netz weiter Verschwörungsmythen und Falschbehauptungen. Viele suchen eine Erklärung für die Niederlage des einstigen Weltmeisters Argentinien.
Seit einer Woche ist die Weltmeisterschaft vorbei. Doch irreführende Behauptungen und Verschwörungserzählungen rund um das Turnier kursieren weiter.
Die meisten drehen sich um Spaniens Sieg im Finale gegen Argentinien. La Roja gewann 1:0. Die Debatten werfen bis heute einen Schatten auf das südamerikanische Team – bereits während des Wettbewerbs und auch danach.
Millionen Klicks für nix?
Ein Beitrag in sozialen Netzwerken hat inzwischen fast vier Millionen Aufrufe. Darin wird behauptet, die FIFA habe „einen europäischen Champion gebraucht“.
Dem Post zufolge soll FIFA-Präsident Gianni Infantino mit der UEFA einen Deal geschlossen haben: Spanien sollte den Titel holen, im Gegenzug würde Europa seine Wiederwahl im Jahr 2027 unterstützen.
Infantino kündigte im April an, erneut für das Amt zu kandidieren. Im Falle einer Wiederwahl wäre es seine vierte Amtszeit.
Das zugehörige Video liefert keinerlei Beweise für die Vorwürfe. Eine Community-Notiz unter dem Beitrag weist zudem darauf hin, dass Argentinien das Finale verlor, weil die Mannschaft im gesamten Spiel keinen einzigen Torschuss abgab.
Außerdem haben bereits mehr als 200 Mitgliedsverbände der FIFA Infantino für die Wiederwahl unterstützt. Nur wenige europäische Verbände halten ihre Unterstützung bislang zurück, darunter der Deutsche Fußball-Bund als prominentestes Beispiel.
Die UEFA liegt mit der FIFA in mehreren aktuellen Fragen im Streit, etwa wegen der umstrittenen Entscheidung des Weltverbands, die Sperre von einem Spiel gegen den US-Stürmer Folarin Balogun bei der Weltmeisterschaft zurückzunehmen. Ob die UEFA jedoch aktiv einen Gegenkandidaten zu Infantino unterstützen würde, ist offen.
Gleichwohl gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass einer der Verbände Bestechung eingesetzt hätte, um das Ergebnis des WM-Finales zu manipulieren.
Streit um die Falklandinseln
Online kursiert zudem die Behauptung, die FIFA habe Argentinien gezwungen, das Finale zu verlieren oder eine zehnjährige Sperre für Weltmeisterschaften zu riskieren. Auslöser soll ein Banner gewesen sein, das die Spieler nach dem Halbfinalsieg gegen England zeigten und auf dem stand: „Die Falklandinseln sind argentinisch“.
Die Falklandinseln sind ein britisches Überseegebiet im südwestlichen Atlantik. Seit Langem streiten das Vereinigte Königreich und Argentinien über die Souveränität. Buenos Aires ließ den Archipel 1982 besetzen, doch britische Truppen eroberten ihn nach einem 74-tägigen Krieg zurück.
Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass die FIFA Argentinien wegen des Banners nach dem Spiel gegen England bedroht hätte. Laut Berichten prüft der Verband den Vorfall, doch bislang liegt keine offizielle Strafe vor.
Artikel 34.3 der WM-Regelnverbietet politische Botschaften vor, während und nach Spielen.
Dass Spieler für Verstöße gegen solche Regeln bestraft werden, ist nicht neu: Die UEFA sperrte die Spanier Álvaro Morata und Rodri für ein Spiel, nachdem sie bei den Siegesfeiern nach dem EM-Finale 2024 gegen England „Gibraltar ist spanisch“ skandiert hatten – bezogen auf das britische Überseegebiet an der Südspitze der Iberischen Halbinsel.
Nach heutigem Stand traf eine solche Sanktion weder den argentinischen Verband noch einzelne Spieler.
Behauptungen und Drohungen?
Eine weitere Verschwörungserzählung behauptet, die argentinischen Spieler und ihre Familien seien vor dem WM-Finale bedroht worden. Als angeblichen Beleg wird ein Video gezeigt, in dem Kapitän Lionel Messi seine Teamkollegen vor dem Anpfiff motiviert.
„Bleiben wir ruhig“, sagt Messi in dem Ausschnitt. „Vergessen wir alles, denken wir nur ans Spielen.“
Nutzerinnen und Nutzer in sozialen Netzwerken deuten dies so, dass er seine Mitspieler nach angeblichen Drohungen und Aufforderungen zur Spielmanipulation beruhigen wollte.
Im vollständigen Video sagt Messi jedoch auch Sätze wie „Los Nico, du spielst heute überragend“ und „Heute ist mein Tag, das wird ein Spiel für die Geschichtsbücher“. Das deutet darauf hin, dass er seine Mitspieler vor allem zu einer Top-Leistung anspornen wollte.
Argentiniens Nationaltrainer Lionel Scaloni wies die Verschwörungstheorien zurück. Der Präsident des argentinischen Fußballverbands, Claudio Tapia, rief die Menschen auf, nicht auf die „Lügen“ hereinzufallen und betonte, Spanien habe den Finalsieg verdient.
Auch der Vater von Alexis Mac Allister, Mittelfeldspieler der argentinischen Nationalmannschaft, erklärte in einem Radiointerview, er sei nicht bedroht worden.