Brennende Wälder in Südeuropa, ein Großbrand nahe der deutschen Grenze und eine neue Hitzewelle: Die Sorge vor Waldbränden wächst. Wie hoch ist die Gefahr in Deutschland wirklich – und welche Regionen sind besonders gefährdet?
Brennende Wälder in den Urlaubsregionen Spanien, Portugal oder Griechenland sorgen für dramatische Bilder. Jetzt rückt die Gefahr näher: In den Niederlanden ist ein großer Waldbrand nahe der deutschen Grenze außer Kontrolle geraten. Gleichzeitig steigt mit der neuen Hitzewelle auch in Deutschland die Waldbrandgefahr.
Wie real ist die Gefahr bei uns? Die Antwort ist kompliziert, denn allein Hitze entzündet noch kein Gehölz. Außerdem ist die Waldbrandgefahr in Deutschland sehr unterschiedlich verteilt.
Großbrand in den Niederlanden: Rauch zieht bis nach Deutschland
Nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt kämpfen Einsatzkräfte gegen einen Waldbrand in einem Naturschutzgebiet bei Oostrum in der niederländischen Provinz Limburg.
Das Feuer breitete sich innerhalb kurzer Zeit stark aus. Nach Behördenangaben vergrößerte sich die betroffene Fläche von zunächst rund 21 Hektar auf etwa 100 Hektar. Besonders problematisch sind die trockenen Böden und wechselnde Winde, die die Flammen immer wieder in neue Richtungen treiben.
Rund 300 Feuerwehrleute waren im Einsatz, unterstützt wurden die Löscharbeiten auch aus der Luft. Wegen der starken Rauchentwicklung mussten Menschen in der Umgebung gewarnt werden. Der Rauch zog über die Grenze nach Deutschland, im Kreis Kleve wurden Anwohner aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten.
Auch der Verkehr war betroffen: Eine Bahnstrecke zwischen Nijmegen und Venray wurde zeitweise gesperrt, weil Einsatzkräfte direkt an den Gleisen arbeiteten.
Hitzewelle erhöht Risiko – aber Hitze allein entzündet keinen Wald
Mit steigenden Temperaturen steigt auch die Gefahr. Hitze trocknet Böden, Pflanzen und Totholz aus. Gleichzeitig kann warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen und entzieht der Vegetation zusätzlich Wasser.
Der Deutsche Wetterdienst bewertet die aktuelle Situation mit dem Waldbrandgefahrenindex (WBI). Der Index berücksichtigt unter anderem Temperatur, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit und Wind und zeigt die Gefahr in fünf Stufen: "Stufe 1: sehr geringe Gefahr" bis "Stufe 5: sehr hohe Gefahr".
Ein hoher Wert bedeutet nicht, dass ein Wald automatisch brennt. Er zeigt aber: Entsteht ein Feuer, kann es sich deutlich schneller ausbreiten. Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes
Besonders hohe Gefahr in Brandenburg
Die Waldbrandgefahr ist in Deutschland sehr unterschiedlich verteilt. Besonders anfällig sind Regionen mit sandigen Böden, etwa Brandenburg und Teile Mecklenburg-Vorpommerns. Dort trocknen Wälder schneller aus.
Aber auch andere Bundesländer können betroffen sein. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder hohe Gefahrenstufen unter anderem in Rheinland-Pfalz, Bayern oder Sachsen erreicht.
Entscheidend ist nicht nur das Wetter. Auch die Art des Waldes spielt eine Rolle: Kiefernwälder auf trockenen Sandböden reagieren anders als feuchtere Mischwälder in Mittelgebirgen.
Besonders aufmerksam verfolgen die Behörden die Lage in Brandenburg. Das Bundesland gilt wegen seiner ausgedehnten Kiefernwälder und sandigen Böden seit Jahren als Waldbrand-Hotspot Deutschlands. Dort kommen inzwischen moderne Kamerasysteme und eine engmaschige Überwachung zum Einsatz, um Brände möglichst früh zu entdecken. Experten betonen aber, dass selbst dort Großbrände wie im Mittelmeerraum bislang eher die Ausnahme bleiben.
Mehr Waldbrände als im Vorjahr – langfristige Entwicklung komplex
Die Waldbrandstatistik zeigt: 2025 war in Deutschland ein auffälliges Jahr. Nach Angaben der Bundesstatistik wurden 1.175 Waldbrände registriert, die rund 2.626 Hektar Wald zerstörten. Damit lag die verbrannte Fläche deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von rund 844 Hektar (1991 bis 2024).
Auch der Deutsche Wetterdienst zeigt langfristige Veränderungen: Die Zahl der Tage mit hoher Waldbrandgefahr (Stufe 4 von 5) hat sich seit den 1960er-Jahren ungefähr verdoppelt – von durchschnittlich etwa sechs auf mehr als elf Tage pro Jahr.
Trotzdem bleibt die Entwicklung komplex. Einzelne extreme Jahre bedeuten nicht automatisch, dass jedes Jahr mehr Wald abbrennt. Wetter, Waldstruktur, Schutzmaßnahmen und menschliches Verhalten spielen eine entscheidende Rolle.
Der Mensch ist meistens der Auslöser
So trocken ein Wald auch ist: Von allein fängt er normalerweise nicht einfach Feuer. Der häufigste Auslöser bleibt der Mensch. Dazu gehören weggeworfene Zigaretten, offenes Feuer, Grillen, Funkenflug durch Maschinen oder vorsätzliche Brandstiftung.
Fachleute gehen davon aus, dass ein sehr großer Anteil der Waldbrände auf menschliche Ursachen zurückgeht. Das bedeutet auch, dass viele Brände verhindert werden könnten.
Besonders in Zeiten hoher Waldbrandgefahr gelten deshalb einfache Regeln: keine Zigaretten im Wald wegwerfen, kein offenes Feuer außerhalb erlaubter Plätze, Zufahrten für Feuerwehrfahrzeuge freihalten und Rauchentwicklung oder Feuer sofort melden.
Während in Griechenland derzeit Zehntausende Hektar von Wald- und Buschbränden betroffen sind, bleibt die Lage in Deutschland deutlich überschaubarer. Aber längere Trockenphasen und Hitzewellen können die Bedingungen für Waldbrände auch hierzulande verschärfen.