Einen Tag vor den Sommerferien liegt an der PaRK International School in Lissabon Spannung in der Luft.
In einer Grundschulklasse zieht eine letzte Unterrichtsstunde die volle Aufmerksamkeit der Kinder auf sich. Mit Tablets in der Hand steuern sie bunte Spiele, lösen Rätsel oder erkunden die Internationale Raumstation. Sie lernen Programmieren mit Ubbu, einer portugiesischen Plattform für Kinder von sechs bis 14 Jahren.
„Es sieht so aus, als würden sie nur spielen, aber in Wirklichkeit arbeiten sie an ganz vielen Dingen“, sagt Lehrerin Teresa Cary. „Sie müssen verstehen, wie man einen Computer benutzt und wie man einen Roboter etwas tun lässt. Sie brauchen logisches Denken – im Grunde ist das Mathematik.“
Das Start-up Code for All, 2015 von João Magalhães und einer Gruppe von Freunden gegründet, hat Ubbu entwickelt.
„Wir waren überzeugt, dass niemand auf die Geschwindigkeit vorbereitet war, mit der Technologie in unser Leben dringt“, sagt er. „Wir haben eine Lösung gebaut, mit der jede Lehrkraft, jede Schule und jede Regierung digitale Bildung, computergestütztes Denken, Kreativität und inzwischen auch KI und Cybersicherheit einführen kann.“
Die Plattform gibt es in vier Sprachen; sie erreicht inzwischen rund eine halbe Million Kinder über mehr als 8.000 Lehrkräfte in 20 Ländern.
Die Kinder lernen, indem sie visuelle Programmierbausteine zusammensetzen, statt Code zu schreiben. „Alle Geschichten knüpfen an die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen an“, erklärt der pädagogische Inhaltsersteller André Ribeiro. „Sie erstellen Inhalte mit ethischem Anspruch und lernen, Technologie für das Gute einzusetzen.“
Projektmanagerin Joana Miranda zeigt ein Projekt eines Kindes, in dem Roboter gemeinsam einen Waldbrand stoppen. „Zu wissen, wie man Technologie sicher, verantwortungsvoll und ethisch nutzt, ist enorm wichtig“, sagt sie. Ubbu will außerdem die Kluft zwischen den Geschlechtern in der Technologie verringern. „In den Schulen erreichen wir ein Publikum, das je zur Hälfte aus Mädchen und Jungen besteht. Mädchen sehen Vorbilder und erkennen, dass es Frauen in den Naturwissenschaften, in der Technologie und im Ingenieurwesen gibt.“
Im Zentrum der Mission des Unternehmens steht das Ziel, diese Fähigkeiten allen Kindern zugänglich zu machen. Durch Kooperationen mit Unternehmen und Stiftungen können öffentliche Schulen in benachteiligten Regionen Portugals Ubbu kostenlos nutzen.
An der Grundschule des Amadora Oeste Agrupamento de Escolas am Stadtrand von Lissabon hat die Plattform den Unterricht von Lehrerin Isabel Cunha verändert. „Sie hat die Aufmerksamkeit meiner Schülerinnen und Schüler gewonnen, und von dort aus konnten wir viele verschiedene Themen erschließen“, sagt sie. „Schon nach einem Jahr wissen sie, wie sie Computer und Tablets sicher benutzen und wie sie im Netz navigieren. Ich sehe jetzt schon große Fortschritte.“
Für die neunjährige Arwa, der wir nach der Schule nach Hause folgen, ist Programmieren einfach nur Spaß. Für ihren Vater steht mehr auf dem Spiel. „In zehn oder 20 Jahren wird man nichts mehr tun können, ohne Kenntnisse in Programmierung oder Robotik“, sagt er. „Die Menschen, die das beherrschen, werden die künftigen Führungspersönlichkeiten sein.“