Echte Bilder der Massenübertritte nach Ceuta machten im Netz die Runde. Gleichzeitig verbreiteten Nutzer KI-Fotos und altes Material mit irreführenden Bildunterschriften.
Bilder und Videos von einer Massenankunft in Ceuta, der spanischen Exklave an der Grenze zu Marokko, haben sich in der vergangenen Woche rasant in den sozialen Netzwerken verbreitet. Zuvor waren Zehntausende Migranten in das spanische Gebiet geströmt.
Zwischen verlässlichen Berichten über die Krise, bei der nach Schätzungen rund 72.000 Menschen aus Marokko nach Ceuta gelangten, kursierte auch eine Flut irreführender Aufnahmen. Dazu gehörten mit Hilfe künstlicher Intelligenz erzeugte Bilder, die als echte Nachrichtenfotos ausgegeben wurden, sowie alte Videos, die fälschlich mit den aktuellen Grenzübertritten verknüpft wurden.
Welche Bilder der Ceuta-Krise sind echt?
Ein Beispiel ist dieses dramatische Bild, das angeblich einen "Soldaten" zeigt, der einen großen Stein über einem Migranten schwingt, der einen Damm hinaufklettert. Die Aufnahme verbreitete sich auf YouTube, X und Reddit.
Auch auf Instagram tauchte das Foto auf, versehen mit dem Hinweis, es stamme von der Nachrichtenagentur Reuters.
Dafür gibt es jedoch keinen Beleg. Wir haben das Bild mit dem Verifikationswerkzeug des KI-Forschungsunternehmens OpenAI überprüft. Das Tool zeigte an, dass die Aufnahme mit OpenAI-Software generiert wurde.
Trotzdem hielten viele Instagram-Nutzer das Foto offenbar für echt. In den Kommentaren war etwa zu lesen: "Wo sind unsere Liebe, unsere Menschlichkeit und unser Mitgefühl?"
Das Bild ist zwar nicht authentisch. Mehrere aus verschiedenen Winkeln aufgenommene Videos scheinen jedoch einen Vorfall zu zeigen, welcher der Szene auf dem KI-Bild entspricht. Die Aufnahmen entstanden nahe der marokkanischen Stadt Fnideq, direkt neben Ceuta.
Die Nachrichtenagentur AFP berichtete von Zusammenstößen mit marokkanischen Sicherheitskräften in dem Gebiet. Sie veröffentlichte Videomaterial, das marokkanische Beamte in ähnlicher Schutzausrüstung zeigt wie jene auf dem KI-Foto.
Tausende Schuhe durch KI generiert
Ein weiteres Bild, das Dutzende Schuhe im Meer treiben zeigen soll, wurde ebenfalls auf X, Instagram, Facebook und Threads verbreitet.
Das Bild, das marokkanische Medien zur Illustration ihrer Berichte nutzten, wurde ebenfalls mit dem Verifikationswerkzeug von OpenAI analysiert. Auch hier ergab die Prüfung, dass es mit OpenAI-Software erzeugt wurde.
Ein echtes Foto veröffentlichte dagegen Reuters: Es zeigt eine Schwimmhilfe und Schuhe von Migranten, die am Ufer nahe dem Strand El Tarajal in Ceuta im Wasser treiben.
Ein anderes Video, das im Zusammenhang mit der Krise in Ceuta massenhaft geteilt wird, soll nach Darstellung verschiedener Nutzer zeigen, wie Migranten mit Booten Andalusien im Süden Spaniens erreichen.
Eine Rückwärtssuche des Videomaterials zeigt: Die Aufnahmen scheinen zwar tatsächlich Migranten bei der Ankunft per Boot zu zeigen, sie sind jedoch falsch beschriftet. Der Clip hat keinen Bezug zur aktuellen Krise in Ceuta. Er ist mindestens drei Jahre alt und wurde seitdem mehrfach neu hochgeladen, wobei Accounts immer wieder den Eindruck erweckten, es handle sich um aktuelles Material.
Ceuta gehört zwar zu Spanien. Wer von dort auf das spanische Festland weiterreisen will, muss jedoch Schengen-Grenzkontrollen passieren. Für viele der Menschen, die nach dem jüngsten Ansturm in Ceuta geblieben sind, ist der weitere rechtliche Weg unklar. Berichten zufolge haben sie keine Möglichkeit zur Weiterreise, auch wenn mehrere von ihnen erklärten, sie wollten das spanische Festland erreichen.
Die spanischen Behörden erklärten zudem, die große Mehrheit der Menschen, die nach Ceuta gelangt sind, sei inzwischen nach Marokko zurückgebracht worden – freiwillig oder unter Zwang.