Frankreich-Gipfel in Paris: Emmanuel Macron und Ursula von der Leyen bekräftigen Europas Engagement für die Raumfahrt.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen haben Europa am Donnerstag aufgerufen, seine Raumfahrtindustrie zu stärken. Anlass war der zweite Tag des internationalen Weltraumgipfels, den Frankreich und Deutschland gemeinsam im Pariser Grand Palais ausrichten.
Macron bezeichnete Europas Raumfahrtsektor auf dem Gipfel als „fragil“ und mahnte eine Stärkung der Fähigkeiten an. Er warb für eine „gemeinsame Governance“ der Branche.
„Der Weltraum ist weiterhin das einzige große globale Gemeingut, für das es noch kein Regelwerk gibt, das seiner Bedeutung und seinen Risiken gerecht wird“, sagte er. „Gemeinsame Governance ist nötig, um diese Herausforderungen anzugehen.“
Macron erinnerte daran, dass im Laufe des Gipfels mehr als 51 Vereinbarungen unterzeichnet werden sollen, verbunden mit Investitionen von rund 20 Milliarden Euro. Zugleich skizzierte er eine Reihe künftiger Etappenziele für Europa.
„In zwei Jahren möchte ich die erste europäische Frachtkapsel Nyx an der Internationalen Raumstation andocken sehen; in fünf Jahren soll der erste europäische Mondlander Argonaut auf der Oberfläche des Mondes landen.“
„Und in zehn Jahren soll die erste europäische bemannte Kapsel vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana starten – mit europäischen Astronautinnen und Astronauten und Kolleginnen und Kollegen aus anderen Staaten an Bord“, fügte er hinzu.
Von der Leyen hob hervor, wie wichtig es ist, dass Europa im All mehr Verantwortung übernimmt. Sie betonte die zentrale Rolle der Raumfahrt für die wissenschaftliche Erforschung, aber auch für Verteidigung und Sicherheit, und verwies auf Russlands Krieg gegen die Ukraine.
„Die Fähigkeit, den Weltraum zu erreichen und dort zu handeln, ist nicht nur Grundlage unseres Wohlstands. Sie entscheidet zunehmend über unsere Sicherheit und Unabhängigkeit. Nirgends ist das deutlicher zu sehen als in der Ukraine.“
„Satellitenkommunikation hält Soldaten in Verbindung, und Satellitenbilder zeigen Bewegungen, die sich Hunderte Kilometer entfernt abspielen.“
Europas Weltraumoffensive: Kontinent will Abhängigkeit von USA verringern
Der Ausbau europäischer militärischer Raumfahrtkapazitäten geht vor allem auf Russlands Krieg gegen die Ukraine zurück. Zugleich will Europa sich von seiner langjährigen Abhängigkeit von den USA im Weltraumbereich lösen.
Historisch hat Europa rund 0,07 % seines Bruttoinlandsprodukts in Raumfahrtprogramme investiert, die USA dagegen etwa 0,24 %. Doch 2025 markiert einen Wendepunkt: Die Europäische Weltraumorganisation ESA billigte im November einen Rekordhaushalt von 22,3 Milliarden Euro für ihren dreijährigen Finanzrahmen 2026 bis 2028, hinzu kommen 35 Milliarden Euro für Raumfahrtprojekte im Bereich Sicherheit und Verteidigung.
„Die Sicherheit auf der Erde hängt immer stärker von unserer Sicherheit im All ab“, sagte von der Leyen und unterstrich die Bedeutung von IRIS², dem kommenden Flaggschiffprogramm der Europäischen Union für eine Satellitenkonstellation.
„Im vergangenen Monat haben wir beschlossen, das System zu beschleunigen und es auf mehr als 350 Satelliten auszuweiten.“
Von der Leyen betonte zudem, dass EU-Kommission, ESA und nationale Regierungen ihre Kräfte bündeln müssen. Sie warb zugleich für Investitionen „in großem Maßstab“.
Macron und ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher, der ebenfalls auf dem Gipfel sprach, schalteten sich in einer Live-Schalte zu Astronautin Sophie Adenot. Sie befindet sich derzeit auf einer neunmonatigen Mission auf der Internationalen Raumstation ISS, der Mission mit dem Namen „εpsilon“.