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Supermarkt-Belieferung: Lidl testet autonomen E-Lkw

Der Discounter Lidl setzt nun einen autonom fahrenden E-LKW ein.
Der Discounter Lidl setzt nun einen autonom fahrenden E-LKW ein. Copyright  Lidl
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Von Maja Kunert
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Lidl schickt in Hessen erstmals einen fahrerlosen E-Lkw auf öffentliche Straßen. Was die Technik kann und wie andere europäische Länder bereits vorlegen.

Seit dieser Woche ist im hessischen Edermünde bei Kassel ein Lastwagen ohne Fahrerhaus und ohne Fahrer im Straßenverkehr unterwegs. Lidl setzt dort nach eigenen Angaben als erster Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland einen kabinenlosen Elektro-Lkw mit autonomer Fahrfunktion im Realbetrieb ein. Partner ist das schwedische Technologieunternehmen Einride.

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Was der Lkw kann

Das Fahrzeug fährt auf SAE-Level 4, der zweithöchsten von insgesamt sechs Automatisierungsstufen (0 bis 5). Laut Definition des Kraftfahrt-Bundesamts übernimmt das System dabei dauerhaft und innerhalb eines klar definierten Einsatzbereichs die komplette Steuerung. Ein Mensch muss weder eingreifen noch das Geschehen überwachen.

Erkennt das Fahrzeug die Grenzen seines Einsatzbereichs oder eine Störung, bringt es sich selbstständig in einen sicheren Zustand. Anders als bei Level 5 gilt das aber nur auf festgelegten Strecken, nicht überall und unter allen Bedingungen. Für den Einsatz in Edermünde hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) laut Lidl eine offizielle Genehmigung erteilt.

Gesteuert wird über Sensorik, Kameras und ein Leitsystem statt über ein klassisches Führerhaus, das gar nicht existiert. Auf der Ladefläche des Solofahrzeugs finden 15 Europaletten Platz. Bis zu dreimal täglich verkehrt der E-Lkw zwischen dem Verwaltungs- und Warenverteilzentrum Edermünde und einer nahegelegenen Filiale und deckt dort die komplette Trockensortiment-Belieferung ab. Im viermonatigen Testzeitraum sollen über 3.000 Paletten transportiert werden.

Lidl erzielte im Jahr 2025 einen Umsatz von rund 140 Milliarden Euro.
Lidl erzielte im Jahr 2025 einen Umsatz von rund 140 Milliarden Euro. Copyright 2007 AP. All rights reserved.

Einride-CEO Roozbeh Charli erklärt in der Pressemitteilung von Lidl: "Das deutsche Zulassungsverfahren gehört zu den strengsten der Welt. Dort diese Hürde zu nehmen, stellt die Weichen, um entschlossen zu skalieren“.

Einride führe bereits heute autonome Lieferungen mit realen Volumina für Kunden in den USA und Europa durch, so Charli. Deutschland sei als "größter europäischer Markt für den Straßengüterverkehr" strategisch bedeutsam.

Welche Vorteile Lidl sich erhofft

Für Lidl (gehört zur Schwarz Gruppe) geht es um ein Logistikproblem: enorme Warenmengen zuverlässig bewegen, während Fahrpersonal knapp wird. Laut Pressemitteilung soll das Projekt gezielt hochkomplexe Lieferketten und den Fachkräftemangel adressieren. Thomas Dangelmayer, Leiter der operativen Logistik bei Lidl in Deutschland, sagt: "Intelligenz schafft Effizienz, und das ist das Rückgrat für eine dauerhaft verlässliche Warenverfügbarkeit. Wir sorgen dafür, dass die Produkte für unsere Kunden immer zur richtigen Zeit in der richtigen Qualität am richtigen Ort sind.“

Mit 39 Verteilzentren und über 3.250 Filialen verfügt Lidl in Deutschland über ein dicht getaktetes Netzwerk. Bewährt sich die erste Route, soll als nächster Schritt ein "Milkrun"-Modell mit mehreren Stopps an einem weiteren Standort folgen.

Auch aus Berlin gibt es Rückenwind. Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister, wertete den Start als Signal für den Innovationsstandort Deutschland: "Autonomes und emissionsfreies Fahren ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern wird auf unseren Straßen Realität.“ Das Projekt wurde unter anderem vom Mobility Data Space unterstützt.

Kein Einzelfall in Europa

Autonome Lkw-Lieferungen in Europa sind allerdings nicht neu. Einride hat bereits 2019 in Schweden mit dem Fahrzeug "T-Pod" einen ersten kabinenlosen Elektro-Lkw im Testbetrieb zwischen zwei Lagerhäusern des Logistikers DB Schenker bewegt.

Inzwischen betreibt das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 250 Lastwagen für über 30 Kunden in sieben Ländern, darunter Amazon, Heineken und PepsiCo. In Antwerpen-Brügge testete Einride im September 2025 erstmals einen vollautonomen Lkw im Hafenbetrieb, meldete das Fachportal Electrive.

International wächst die Konkurrenz. Der chinesische Anbieter Pony.ai hat laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters bereits mehrere Hundert Level-4-Lkw in China im Einsatz und sucht nun den Einstieg in den europäischen Markt, mit ersten Tests unter anderem in Kroatien.

Regulierung könnte bremsen

Wie schnell sich autonome Lkw über Testrouten hinaus durchsetzen, hängt stark von Regulierung ab. Deutschland und 16 weitere EU-Staaten wollen die Entwicklung automatisierter Fahrzeuge künftig enger koordinieren, damit sie nicht mehr an Landesgrenzen stoppen müssen, berichtet das Fachportal Eurotransport.de. Ziel sind gemeinsame Standards, sodass ein in Deutschland zugelassener autonomer Lkw künftig auch in Frankreich oder den Niederlanden fahren kann.

Das wirtschaftliche Potenzial ist erheblich. Laut einer McKinsey-Analyse zur Fachmesse IAA Transportation könnte bis 2035 allein in Europa ein Umsatzpotenzial von 80 bis 120 Milliarden Euro im autonomen Straßengüterverkehr entstehen.

Zugleich stehen europäische Nutzfahrzeughersteller laut der Studie unter Druck durch chinesische Konkurrenten mit 30 bis 40 Prozent Kostenvorteil und kürzeren Entwicklungsabständen.

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