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Studie: Deutsche wollen mehr Verteidigung, aber nur 34 Prozent selbst kämpfen

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Rekruten nehmen am 20. Juli 2026 im Verteidigungsministerium in Berlin an einer Vereidigungszeremonie teil
Rekruten nehmen am 20. Juli 2026 im Verteidigungsministerium in Berlin an einer Vereidigungszeremonie teil Copyright  AP Photo/Ebrahim Noroozi
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Von Johanna Urbancik
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Eine neue repräsentative Umfrage zeigt: Die Mehrheit der Deutschen steht hinter einer stärkeren Bundeswehr und höheren Verteidigungsausgaben. Bei der persönlichen Bereitschaft, Deutschland selbst mit der Waffe zu verteidigen, fällt die Zustimmung jedoch deutlich geringer aus.

Die Mehrheit der Deutschen unterstützt höhere Verteidigungsausgaben, mehr Personal bei der Bundeswehr und den Neuen Wehrdienst. Doch wenn es um den eigenen Einsatz im Verteidigungsfall geht, fällt die Bereitschaft deutlich geringer aus.

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Das zeigt der Forschungsbericht "Wie wehrbereit ist die deutsche Bevölkerung?" von Dr. Timo Graf, wissenschaftlicher Oberrat am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) in Potsdam.

Die Untersuchung ist Teil einer Studienreihe, die seit 1996 jährlich durchgeführt wird und langfristige Veränderungen in den sicherheits- und verteidigungspolitischen Einstellungen der Bevölkerung erfasst.

Für die aktuelle Befragung wurden zwischen dem 20. April und dem 24. Mai 2026 insgesamt 2.232 Menschen ab 16 Jahren befragt. Die Ergebnisse stehen dabei laut dem ZMSBw stellvertretend für die deutschsprachige Bevölkerung ab 16 Jahren, die in Privathaushalten lebt.

Besonders deutlich zeigt sich die Zustimmung bei den Verteidigungsausgaben und beim Personalumfang. 58 Prozent sprechen sich dafür aus, die Verteidigungsausgaben weiter zu erhöhen. 64 Prozent befürworten einen weiteren personellen Aufwuchs der Bundeswehr. Im Vergleich zu 2025 ist die Zustimmung damit zwar leicht zurückgegangen, bleibt aber auf hohem Niveau.

Nur neun Prozent wollen die Verteidigungsausgaben verringern, sieben Prozent sprechen sich für weniger Soldaten aus.

Russland wird weiterhin als Bedrohung wahrgenommen

Russland bleibt für eine deutliche Mehrheit der Befragten eine sicherheitspolitische Bedrohung.

70 Prozent sehen russische Cyberangriffe als Gefahr für Deutschlands Sicherheit. 66 Prozent betrachten den militärischen Aufbau Russlands als Bedrohung, 63 Prozent die russische Außen- und Sicherheitspolitik. 60 Prozent sehen auch das russische militärische Vorgehen in der Ukraine als Bedrohung. 58 Prozent sprechen sich dafür aus, die wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland einzuschränken. Nur elf Prozent sehen Russland als verlässlichen Partner.

Dabei ist die wahrgenommene Bedrohung durch Russland gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen. Im Interview mit Euronews zur Befragung von 2025 hatte Studienleiter Graf noch von einer seit 2022 deutlich veränderten Wahrnehmung gesprochen. Der russische Angriff auf die Ukraine habe dazu geführt, dass Fragen der Landes- und Bündnisverteidigung für die Bevölkerung wieder unmittelbarer geworden seien.

Mehr Geld und Personal für die Bundeswehr

In der Studie zeigt sich genau diese veränderte sicherheitspolitische Wahrnehmung auch bei der Bundeswehr: 58 Prozent der Befragten befürworten höhere Verteidigungsausgaben, 64 Prozent sprechen sich für mehr Personal bei der Bundeswehr aus.

Schon die Befragung von 2025 hatte laut Graf gezeigt, dass sich seit 2022 eine stärkere Bereitschaft entwickelt hat, in die eigene Verteidigungsfähigkeit zu investieren. m Euronews-Interview bezeichnete Graf die damals gemessenen 65 Prozent Zustimmung zu höheren Verteidigungsausgaben als Höchstwert der seit 1996 laufenden Studienreihe.

Auch die Bundeswehr genießt weiterhin eine breite gesellschaftliche Unterstützung. 84 Prozent der Befragten haben eine positive Einstellung zu ihr. 78 Prozent halten sie für wichtig für Deutschland. 60 Prozent sprechen den Soldaten ein "hohes" oder "eher hohes" Ansehen aus.

Im Euronews-Interview zu den Ergebnissen vom vergangenen Jahr hat Graf jedoch darauf hingewiesen, dass die positive Einstellung nicht erst mit dem russischen Angriff auf die Ukraine entstanden ist. In der Langzeitreihe hätten seit dem Jahr 2000 in der Regel mindestens drei Viertel der Befragten eine positive Meinung von der Bundeswehr geäußert. Die eigentliche Veränderung seit 2022 sieht er deshalb weniger in der grundsätzlichen Haltung zur Bundeswehr als in der Frage, welchen Auftrag die Streitkräfte erfüllen sollen.

Landes- und Bündnisverteidigung statt Auslandseinsätze

Einsätze zur Landes- und Bündnisverteidigung finden laut der ZMSBw-Studie mehr Unterstützung als viele Auslandseinsätze der Bundeswehr. Beim konkreten militärischen Engagement an der NATO-Ostflanke fällt die Zustimmung allerdings geringer aus.

40 Prozent befürworten eine stärkere militärische Präsenz der NATO in Osteuropa. 38 Prozent unterstützen ein stärkeres deutsches militärisches Engagement zur Sicherung der NATO-Ostflanke. 43 Prozent sprechen sich für die Beteiligung der Bundeswehr an der Enhanced Forward Presence (eFP) in Litauen aus, 42 Prozent für Baltic Air Policing.

Bundeswehrsoldaten auf dem Truppenübungsplatz in Pabrade, 30. Mai 2023
Bundeswehrsoldaten auf dem Truppenübungsplatz in Pabrade, 30. Mai 2023 AP Photo/Mindaugas Kulbis

Deutlich größer ist die Zustimmung zu Baltic Sentry: 72 Prozent befürworten den Einsatz in der Ostsee, um Sabotage an kritischer Unterwasserinfrastruktur zu verhindern.

Die aktuelle Studie zeigt jedoch auch, dass die Menschen, die sich besser mit den Bundeswehreinsätzen auskennen, sie auch deutlich häufiger unterstützen. Bei der eFP-Mission in Litauen etwa liegt die Zustimmung unter den Befragten mit vorhandenem Wissen über den Einsatz bei 72 Prozent. Bei denjenigen, die wenig oder gar nichts über die Mission wissen, sind es 36 Prozent.

Neuer Wehrdienst stößt auf "mehrheitliche Zustimmung"

Auch der seit Anfang 2026 geltende Neue Wehrdienst findet laut Grafs Studie mehrheitlich Zustimmung. 59 Prozent halten ihn für notwendig, 68 Prozent glauben, dass er dabei helfen kann, mehr Personal für die Bundeswehr zu gewinnen. 62 Prozent sagen außerdem, dass der neue Wehrdienst die nationale beziehungsweise kollektive Verteidigungsfähigkeit stärkt. 52 Prozent finden, dass er für junge Männer und Frauen gleichermaßen gelten sollte. Nur 13 Prozent halten ihn für nicht notwendig, 23 Prozent sind noch unentschieden.

Bei jungen Menschen ist das Interesse allerdings deutlich geringer. Von den jungen Männern können sich 34 Prozent vorstellen, am neuen Wehrdienst teilzunehmen. Bei den jungen Frauen sind es 17 Prozent. Für den Soldatenberuf interessieren sich 20 Prozent der jungen Männer und nur fünf Prozent der jungen Frauen.

Rekruten rufen während einer Vereidigungszeremonie der Bundeswehrin Berlin am Montag, dem 20. Juli 2026
Rekruten rufen während einer Vereidigungszeremonie der Bundeswehrin Berlin am Montag, dem 20. Juli 2026 AP Photo/Ebrahim Noroozi

Dass sich jüngere Menschen bei Fragen rund um Verteidigung eher zurückhalten, hatte Graf bereits in seiner Befragung von 2025 festgestellt. Als einen Grund nannte er, dass die Bundeswehr für viele junge Menschen lange kaum im Alltag präsent gewesen sei. Nach der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 wurden Standorte geschlossen und die Bundeswehr verkleinert. Viele junge Menschen hatten dadurch weniger Berührungspunkte mit den Streitkräften.

Mehrheit unterstützt Bundeswehr, aber nicht unbedingt militärische Gewalt

Eine positive Einstellung zu den Streitkräften bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Menschen selbst mit einer Waffe kämpfen würden. Zwar haben 84 Prozent eine positive Einstellung zur Bundeswehr, würde Deutschland jedoch militärisch angegriffen werden, würden von den unter 50-Jährigen allerdings nur 34 Prozent selbst zur Waffe greifen.

60 Prozent sagen, dass sie das nicht tun würden. Besonders deutlich sind die Unterschiede bei den 20- bis 40-Jährigen: 50 Prozent der Männer würden Deutschland im Falle eines Angriffs mit einer Waffe verteidigen. Bei den Frauen sind es 16 Prozent.

Die aktuelle Studie zeigt zudem, dass Wehrbereitschaft mehr bedeutet als die Bereitschaft, selbst zu kämpfen. 49 Prozent der unter 50-Jährigen könnten sich im Verteidigungsfall beispielsweise vorstellen, im zivilen Bevölkerungsschutz zu helfen.

44 Prozent würden sich im medizinischen Bereich oder im Rettungsdienst engagieren. In der ZMSBw-Studie heißt es allerdings auch, dass solche Angaben mit Vorsicht zu betrachten sind, da es um eine hypothetische Situation geht. Wie Menschen im Ernstfall tatsächlich reagieren würden, kann davon abweichen.

Wie sieht das Vertrauen der Deutschen in die USA aus?

42 Prozent der Befragten sehen die USA weiterhin als verlässlichen Partner, 44 Prozent sagen zudem, Deutschland und die USA teilten gemeinsame Werte. 75 Prozent der Befragten sind jedoch der Ansicht, Deutschland sollte seine Interessen gegenüber den USA selbstbewusster vertreten. 37 Prozent finden, Deutschland sollte seine Außenpolitik an der der USA ausrichten.

Trotz des Vertrauensverlusts gibt es weiterhin eine Mehrheit von 58 Prozent dafür, dass die USA in die Verteidigung Europas eingebunden bleiben. Dieser scheinbare Widerspruch war bereits ein zentrales Ergebnis der Befragung von 2025. Graf beschrieb die Haltung der Deutschen gegenüber den USA damals als differenziert: Viele Menschen wollten die USA weiterhin als sicherheitspolitischen Partner behalten, obwohl das Vertrauen in die USA als NATO-Bündnispartner deutlich gesunken war.

Auch die Unterstützung für die Ukraine bleibt geteilt

Auch bei der Unterstützung der Ukraine zeigt sich kein einheitliches Meinungsbild. Die aktuelle Studie kommt je nach konkreter Frage auf Zustimmungswerte zwischen etwa 40 und 60 Prozent. Dabei hängt die Haltung stark davon ab, ob Russland als Bedrohung wahrgenommen wird. Unter denjenigen, die Russland als Bedrohung sehen, unterstützen 51 Prozent eine militärische Unterstützung der Ukraine.

Bei denjenigen, die Russland nicht als Bedrohung sehen, sind es 20 Prozent. Auch die Unterstützung für die Ausbildung ukrainischer Soldaten unterscheidet sich deutlich: 69 Prozent derjenigen, die Russland als Bedrohung betrachten, befürworten sie, gegenüber 32 Prozent unter denjenigen, die keine Bedrohung durch Russland sehen.

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