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Geringe Spermienzahl hängt mit 'alarmierenden' Werten von Chemikalien im Urin zusammen

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Von Natalie Huet
Die Qualität von Spermien bei Männern in westlichen Ländern nimmt weiter ab. Ein Grund könnten Schadstoffe sein, die Forscher:innen jetzt in Urinproben nachgewiesen haben.
Die Qualität von Spermien bei Männern in westlichen Ländern nimmt weiter ab. Ein Grund könnten Schadstoffe sein, die Forscher:innen jetzt in Urinproben nachgewiesen haben.   -   Copyright  Canva

Die Forschung zu den Ursachen für sinkende Spermienzahlen hat möglicherweise einen großen Fortschritt gemacht. Dabei spielen vor allem chemische Schadstoffe eine Rolle.

Bei einer Untersuchung von Urinproben von fast 100 männlichen Freiwilligen wurden "alarmierende" Werte von endokrinen Disruptoren festgestellt, die unter anderem die menschliche Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

Ein Cocktail aus Chemikalien wie Bisphenolen und Dioxinen, von denen man annimmt, dass sie die Hormone beeinflussen und die Spermienqualität beeinträchtigen, war in Mengen vorhanden, die bis zu 100 Mal höher waren als die als sicher geltenden.

Die mittlere Exposition gegenüber diesen Chemikalien war 17-mal höher als die als akzeptabel geltenden Werte.

Bisphenol, Phthalate und Paracetamol - Werte viel zu hoch

"Unsere gemischte Risikobewertung von Chemikalien, die sich auf die reproduktive Gesundheit von Männern auswirken, zeigt alarmierende Überschreitungen der zulässigen kombinierten Exposition", schreiben die Autor:innen der Studie, die am Donnerstag in der Zeitschrift Environment International veröffentlicht wurde.

In der Untersuchung wurden neun Chemikalien, darunter Bisphenol, Phthalate und Paracetamol, in Urinproben von 98 dänischen Männern zwischen 18 und 30 Jahren gemessen.

Zusätzlich wurden vorhandene Daten, hauptsächlich von der Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA), verwendet, um die wahrscheinliche Exposition gegenüber 20 anderen Chemikalien abzuschätzen.

Anschließend verglich das Team die Ergebnisse mit akzeptablen Expositionswerten aus der wissenschaftlichen Literatur.

Daraus ergab sich ein Maß für die potenzielle Auswirkung jeder einzelnen Chemikalie, das die Wissenschaftler:innen zu einem Gesamtrisikomaß - oder "Gefahrenindex" - für den Cocktail von Verbindungen kombinierten.

Die Autor:innen der Studie unter der Leitung von Professor Andreas Kortenkamp von der Brunel University London zeigten sich "erstaunt" über das Ausmaß dieses Gefahrenindexes bei den untersuchten Freiwilligen.

Überraschen sei zudem, dass Bisphenol A (BPA) der vorherrschende Risikofaktor war. Die jüngste Forschung hatte sich auf Phthalate konzentriert, die in Kunststoffen verwendet werden.

Auf BPA folgten Dioxine, Paracetamol und Phthalate. Die Entfernung von BPA aus dem Gemisch führte nicht dazu, dass die kombinierte Exposition auf ein akzeptables Niveau gesenkt werden konnte, und Paracetamol wurde als "treibende Kraft für das Gemisch-Risiko bei Probanden, die das Medikament einnehmen" beschrieben.

Einige Einschränkungen

So stammten die verwendeten Daten aus den Jahren 2009-2010, und die BPA-Belastung könnte seitdem zurückgegangen sein, während die Belastung durch andere Chemikalien zugenommen haben könnte.

Eine weitere Ungewissheit besteht darin, ob Frauen im gebärfähigen Alter in gleichem Maße mit Chemikalien belastet sind wie die Männer in der Studie.

Die Forscher betonten jedoch, dass ihre Untersuchung das Risiko, das von der Exposition gegenüber diesen Chemikaliencocktails ausgeht, möglicherweise unterschätzt, da der Mensch einer Vielzahl von Chemikalien ausgesetzt ist" - die in dieser Studie nicht alle gemessen wurden.

Sinkende Spermienzahl

Spermienmenge und Qualität der Spermien haben in den letzten Jahrzehnten in allen westlichen Ländern dramatisch abgenommen. Untersuchungen legen nahe, dass sich die Spermienzahl innerhalb von 40 Jahren mehr als halbiert hat.

Gleichzeitig haben andere Störungen der Fortpflanzungsfähigkeit zugenommen, wie z. B. nicht absteigende Hoden und Hodenkrebs.

Foscher:innen auf der ganzen Welt haben eine Reihe anderer möglicher Ursachen für den Rückgang der Spermienzahl in Betracht gezogen, darunter Lebensstilfaktoren, Tabakkonsum und Luftverschmutzung.

Jüngste Studien haben jedoch zunehmend die Rolle von Chemikalien in den Vordergrund gerückt.

"Unsere Analyse hat den Charakter einer Vorhersage, die in entsprechend konzipierten epidemiologischen Studien zur Spermaqualität überprüft werden könnte", schreiben Kortenkamp und seine Kollegen.

In Erwartung weiterer Studien in der Bevölkerung forderten die Forscher dringende regulatorische Maßnahmen wie ein Verbot von BPA in Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, als Vorsichtsmaßnahme.

Sie fügten hinzu, dass Tierstudien, die die Auswirkungen verschiedener Paracetamol-Dosen auf die Samenqualität untersuchten, "gänzlich fehlen und dringend erforderlich sind".