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Deutsche Auslandshandelskammer: Russland macht Milliarden-Profite mit Hormus-Krise

Russland profitiert vom Stillstand in der Straße von Hormus. Das hat die deutsch-russische Auslandshandelskammer in Moskau berechnet.
Russland profitiert vom Stillstand in der Straße von Hormus. Das hat die deutsch-russische Auslandshandelskammer in Moskau berechnet. Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved
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Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am
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Russland profitiert vom Stillstand in der Straße von Hormus. Das hat die deutsch-russische Auslandshandelskammer in Moskau berechnet. Während Russland gewinnt, muss Deutschland hingegen mit einer höheren Ölimportrechnung rechnen.

Zunächst wurden die Sanktionslockerungen für Russland aufgrund der Ölkrise durch die Sperrung der Straße von Hormus befürchtet, jetzt gibt es Gewissheit: Nach Berechnungen der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer erzielt Russland zusätzliche Einnahmen in Höhe von mehreren Milliarden pro Monat.

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Russland hat bereits vor der großangelegten Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 Öl, Gas und Dünger in großen Mengen exportiert. Als Sanktion für den andauernden Krieg haben immer mehr europäische Länder und schließlich auch die europäische Union den Bezug von russischen Ressourcen verringert oder ganz eingestellt.

Doch rund ein Fünftel der Ölreserven weltweit muss die Straße von Hormus, eine Meerenge in der Golfregion, passieren, um für Deutschland und Europa erreichbar zu sein. Durch den Krieg im Iran und der darausfolgenden Sperrung der Straße von Hormus als Druckmittel profitiert auch Russland indirekt von diesem Krieg.

"Wir erleben gerade die schwerste fossile Energiekrise unserer Zeit", erklärte Claudia Kemfert, Energieökonomin und Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

"Russland ist der große Gewinner" der Hormus-Krise

Nach Angaben der Kammer beliefen sich Russlands Gewinne auf monatlich mehr als zehn Milliarden Euro. Russland exportiert im großen Stil Gas, Öl und Dünger. "Russland ist damit der große Gewinner des neuen Krieges im Nahen Osten", sagt Matthias Schepp, der Vorstandsvorsitzende der Kammer, der Deutschen Presse-Agentur.

Schepp sprach von einem "historischen Ausmaß", was die möglichen Gewinne Russlands angeht. Demnach soll Russland mit einem Plus gegenüber dem Haushaltsplan von 71,8 Milliarden US-Dollar (62,1 Milliarden Euro) rechnen, wenn der Ölpreis bei dem jetzigen Niveau von etwa 100 US-Dollar anhält. Das berichteten mehrere Medien am Dienstag übereinstimmend.

Der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent mit Lieferung im Juni stieg zum Wochenstart auf mehr als 111 US-Dollar je Barrel (159 Liter). Die Preisdifferenz zum Beginn des Krieges beläuft sich auf etwa 40 Dollar.

"Beim aktuellen Preisniveau kann Moskau allein aus Öl und Gas rund 50 Milliarden Dollar Mehreinnahmen pro Jahr generieren", teilte die Kammer weiter mit. Im Haushalt sind bisher 59 Dollar pro Barrel festgelegt, denn der Etat ist vom Verkauf von Öl und Gas abhängig.

Auch Deutschland stark betroffen

Die Sperrung der Straße von Hormus bedeutet nach Berechnungen der Kammer auch einen Preisanstieg für Deutschland. Die deutschen Importe von Öl bei einem Preis von 100 US-Dollar je Barrel könnten auf mehr als 60 Millionen Euro ansteigen.

Beim Gas drohe demnach ein ähnlicher "Kostenschock". Energieexperten der Kammer befürchten Auswirkungen auf die bisher eher angespannte wirtschaftliche Lage Deutschlands. Die in Aussicht gestellte Erholung könnte demnach geringer ausfallen.

"Es handelt sich um einen multiplen Schock aus steigenden Öl-, Gas- und Nahrungsmittelpreisen, der die Verwundbarkeit unseres Systems schonungslos offenlegt", so Kemfert vom DIW Berlin. "Wenn zentrale Lieferwege ausfallen und Fördermengen einbrechen, gerät die Weltwirtschaft ins Wanken."

Da der Gewinn aus dem Verkauf von Rohstoffen in Russland unter anderem auch den Angriffskrieg in der Ukraine refinanziert, haben die EU-Staaten Sanktionen beschlossen. Laut einem Bericht des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) verdiente Russland im vierten Jahr der umfassenden Invasion 193 Milliarden Euro mit dem Export fossiler Brennstoffe. Das sind 27 Prozent weniger als vor dem Krieg.

Export fossiler Brennstoffe für mehr als eine Billion Euro

Vier Jahre nach Kriegsbeginn in der Ukraine hat der Kreml durch die Ausfuhr fossiler Brennstoffe insgesamt mehr als eine Billion Euro eingenommen und damit die russische Kriegsmaschinerie mitfinanziert. Das geschah trotz Europas erklärtem Ziel, die Abhängigkeit von russischer Energie zu beenden, und trotz neuer Sanktionen, die den globalen Ölmarkt verändert haben.

Rohöl ist weiterhin Russlands größte Export-Einnahmequelle. Der CREA-Bericht analysiert, wie Sanktionen die Einnahmen in einzelnen Rohstoffgruppen und auf bestimmten Märkten begrenzen.

"Im vierten Jahr der umfassenden Invasion hatte sich die Rolle Russlands auf dem europäischen Gasmarkt umgekehrt: Die meisten Pipeline-Lieferungen endeten mit der Abschaltung des ukrainischen Transits, wodurch LNG Moskaus Hauptroute in die EU wurde", sagte Petras Katinas, Analyst bei CREA.

Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union bezeichneten die Entscheidung von Präsident Donald Trump, die Sanktionen gegen russisches Öl aufzuheben, als Anheizen der Kriegsmaschinerie gegen die Ukraine, während Washington versucht, die Energiepreise nach einer zweiten Woche des Konflikts im Nahen Osten zu senken.

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