Ein neuer Bericht warnt: Irans staatliche Medienkanäle verbreiten zunehmend Desinformation und beeinflussen damit die öffentliche Meinung im In- und Ausland.
Irans staatliche Medien haben ihre Desinformationskampagnen deutlich verstärkt. Sie melden angebliche Erfolge auf dem Schlachtfeld und stützen sich dabei auf alte oder manipulierte Bilder, wie ein Bericht zeigt.
Seit die Vereinigten Staaten und Israel am 28. Februar Angriffe auf Iran gestartet haben, hat die Bewertungsplattform NewsGuard 18 kriegsbezogene Behauptungen aus Teheran als falsch eingestuft.
In den zwei Wochen vor dem US-israelischen Angriff identifizierte NewsGuard hingegen nur fünf andere Falschmeldungen aus iranischen Quellen.
NewsGuard stellte außerdem fest, dass iranische Medien immer häufiger auf mit KI bearbeitete Bilder zurückgreifen, um Falschmeldungen zu verbreiten. Viele dieser Aufnahmen entstehen nicht einmal im Iran.
Falsche Behauptungen und manipulierte KI-Bilder
Der staatlich kontrollierte Nachrichtendienst Tehran Times veröffentlichte am 28. Februar auf der Plattform X ein Satellitenbild, das angeblich die Zerstörung eines US-Radars auf der Al-Udeid Air Base in Katar zeigen sollte. Das Bild zeigte den Ort vor und nach dem vermeintlichen Angriff.
In dem Beitrag hieß es: „Ein amerikanisches Radar in Katar wurde heute bei einem iranischen Drohnenangriff vollständig zerstört.“
Der Analyst für Informationskriegführung Tal Hagin widerlegte die Behauptung später. Er zeigte, dass es sich ursprünglich um ein Google-Earth-Bild vom zweiten Februar 2025 handelte, das nachträglich mithilfe von KI verändert worden war.
„Eines der Anzeichen ist, dass alle Autos exakt an derselben Stelle stehen“, schrieb Hagin auf X.
Von staatlich nahestehenden Quellen wurde zudem ein Video verbreitet, das angeblich den Abschuss eines Kampfjets über Teheran am vierten März zeigte. Mehrere mit den Revolutionsgarden (IRGC) verbundene Telegram-Kanäle feierten die Aufnahme zunächst als Beleg dafür, dass Iran eine US-F-15 abgeschossen habe.
Die israelische Luftwaffe erklärte später jedoch, das Video zeige eine F-35, die eine iranische Yak-130 über Teheran abgeschossen habe.
Die halboffizielle Nachrichtenagentur Mehr meldete außerdem, vier iranische ballistische Raketen hätten den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln getroffen und berief sich dabei auf eine Erklärung der Revolutionsgarden.
Das US Central Command stellte am ersten März klar, dass die Lincoln weder getroffen wurde noch die Raketen in ihre Nähe kamen.
Ein Sprecher der Revolutionsgarden erklärte zudem laut dem militärnahen Portal Tasnim, in den ersten beiden Tagen des Konflikts seien 650 US-Soldaten getötet oder verletzt worden. CENTCOM wies dies zurück und sprach von insgesamt sechs getöteten US-Soldatinnen und -Soldaten im Krieg gegen Iran.
Nach Angaben von Factnameh, einer persischsprachigen Faktencheck-Seite, stammten in einigen Fällen Kriegsbilder sogar aus Videospielen wie Arma drei.
Desinformation in den sozialen Medien
Eine aktuelle Recherche des Magazins Wired (Quelle auf Englisch) fand unterdessen Hunderte Beiträge auf Elon Musks Plattform X, die irreführende oder falsche Inhalte zum Konflikt verbreiteten. Darunter waren KI-manipulierte Bilder und übertriebene Angaben zum Ausmaß der Angriffe; viele Posts erschienen bereits wenige Minuten nach den Raketeneinschlägen.
Ein Beitrag mit mehr als vier Millionen Aufrufen schien ballistische Raketen über Dubai zu zeigen, zeigte in Wirklichkeit jedoch Aufnahmen eines iranischen Angriffs auf Tel Aviv im Oktober 2024. Ein weiterer Post mit über 375.000 Aufrufen verbreitete ein erfundenes Vorher-nachher-Bild des Anwesens des verstorbenen Oberhaupts der Islamischen Republik, Ali Hosseini Khamenei.
Wie Iran Desinformation verbreitet
Ein zentraler Grund, warum staatliche und staatsnahe Medien Desinformation so wirksam verbreiten können, liegt in der nahezu vollständigen Abschottung der Bevölkerung vom offenen Internet durch die iranische Führung.
Der Internetdienstleister Cloudflare sprach am 28. Februar von einer „fast vollständigen Abschaltung“. Der Datenverkehr sei im Vergleich zur Vorwoche um 98 Prozent eingebrochen.
Weil der Zugang zu ausländischen Medien stark eingeschränkt ist, bleiben vielen Iranerinnen und Iranern nur die staatlichen Radio- und Fernsehsender als Nachrichtenquelle. Alternativen sind das Nationale Informationsnetzwerk, ein von der Regierung kontrolliertes Intranet, sowie der staatlich unterstützte Messenger Bale.
Laut NewsGuard verbreiten aber gerade diese Kanäle weiterhin eine große Zahl falscher Meldungen über angebliche militärische Erfolge Irans.
NewsGuard berichtete außerdem, Russland greife Irans Falschmeldungen auf, um die Ukraine und ihre Verbündeten zu diskreditieren. Demnach wird behauptet, iranische Raketen hätten ukrainische Militärstützpunkte in Dubai zerstört.