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Warum immer weniger Frauen in Europas Techbranche arbeiten

In der Techbranche ist nicht einmal jede fünfte Stelle mit einer Frau besetzt; ein neuer Bericht warnt, ohne Gegenmaßnahmen könnte der Anteil weiter sinken.
In der Techbranche ist weniger als eine von fünf Stellen mit einer Frau besetzt; ein neuer Bericht warnt, dass der Anteil ohne Gegenmaßnahmen weiter sinkt. Copyright  Canva
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Von Anna Desmarais
Zuerst veröffentlicht am
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Eine neue Studie zeigt: Vor allem das Klima am Arbeitsplatz treibt Frauen aus Tech-Berufen; andere Faktoren spielen eine deutlich geringere Rolle.

Frauen stellen in Europas Techbranche weniger als ein Fünftel der Beschäftigten. Davor warnt ein neuer Bericht, der ohne Gegenmaßnahmen eine wachsende Kluft zwischen den Geschlechtern prognostiziert – vor allem im Zeitalter der künstlichen Intelligenz (KI).

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Im Jahr 2025 kamen Frauen in zentralen Tech-Rollen in Europa auf 19 Prozent der Beschäftigten – drei Prozentpunkte weniger als im Jahr davor, so eine neue Analyse der Unternehmensberatung McKinsey & Company.

Der Rückgang zeigt, dass viele Initiativen gegen die anhaltende Unterrepräsentanz bislang kaum Wirkung entfaltet haben, heißt es in dem Bericht.

„Wenn KI Aufgabenprofile und Wertschöpfung in der Techbranche verändert, könnten sich bestehende Ungleichheiten ohne gezielte Eingriffe weiter vergrößern“, warnt die Studie.

Die Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Unternehmen in den USA und in Europa ihre Programme für Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion (DEI) zurückfahren. Diese Initiativen hatten in den 2010er-Jahren viele Frauen ermutigt, in traditionell männlich dominierte Bereiche wie Naturwissenschaften, Technik, Ingenieurwesen und Mathematik (STEM) einzusteigen.

Wo die Kluft zwischen den Geschlechtern beginnt

Für die Untersuchung werteten die Autorinnen und Autoren vier Millionen LinkedIn-Profile von Tech-Beschäftigten in der EU aus und kombinierten sie mit Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie mit Arbeitsmarktdaten der KI-basierten Recruiting-Plattform Findem.

Laut Bericht steigen Frauen schon kurz nach dem Schulabschluss aus technahen Laufbahnen aus. Mädchen schneiden in Fächern aus dem STEM-Bereich in der Grund- und Sekundarschule leicht besser ab als Jungen, doch nur 32 Prozent aller Studentinnen entscheiden sich für ein techniknahes Bachelorstudium.

Unter denjenigen, die weiterstudieren, machen Frauen etwas häufiger als Männer einen Doktortitel in einem STEM-Fach. Trotzdem sind nur 19 Prozent aller Tech-Beschäftigten weiblich.

Ein weiteres großes Hindernis ist der Aufstieg im Beruf. Der Frauenanteil in der Tech-Belegschaft sinkt um bis zu 18 Prozentpunkte, bevor die erste Managementebene erreicht ist. Am Ende halten Frauen nur 13 Prozent der Leitungspositionen in Tech-Unternehmen.

Diese frühen Verluste „vergrößern die Kluft auf der Leitungsebene“, heißt es weiter. In Vorstands- und sonstigen Spitzenfunktionen liegt der Frauenanteil demnach nur bei acht Prozent.

In einigen Bereichen der Techbranche ist der Abstand noch größer. In Softwareunternehmen beträgt die Differenz zwischen dem Anteil von Frauen in Einstiegspositionen und jenem in der Unternehmensspitze 15 Prozentpunkte.

Konzentriert auf wenige Berufsprofile

Hinzu kommt: Frauen arbeiten überdurchschnittlich oft in wenigen, eng umrissenen Tech-Jobs – und genau dort kommt es derzeit vermehrt zu Entlassungen.

Sie stellen 39 Prozent der Beschäftigten im Produktmanagement und 54 Prozent im Bereich Design. Diese Funktionen führen jedoch selten in die Unternehmensspitze und machen nur einen kleinen Teil der gesamten Tech-Belegschaft Europas aus, betont der Bericht.

Selbst dort, wo Frauen stärker vertreten sind, haben sie demnach oft nur begrenzten Einfluss auf die strategische Ausrichtung, die Regulierung und die Gestaltung des Technologiesektors insgesamt.

Auch in der KI sind Frauen deutlich unterrepräsentiert, so die Analyse. Männer besetzen einen wachsenden Anteil der Einstiegspositionen in den Bereichen KI, Daten und Analytics.

Angesichts des aktuellen KI-Booms sei diese Entwicklung problematisch, heißt es. Sie berge das Risiko einer „Verengung von Perspektiven – ausgerechnet auf den Ebenen, auf denen es um den Umgang mit Vorurteilen, Verantwortung und gesellschaftlichen Folgen geht“.

Der Bericht zeigt zudem, dass Frauen selbst in Ländern mit insgesamt hoher Gleichstellung im Techsektor kämpfen – etwa in Finnland und Schweden. Dort kommen Frauen auf 36 beziehungsweise 23 Prozent der Tech-Beschäftigten.

Warum Frauen der Techbranche den Rücken kehren

Der wichtigste Grund, warum Frauen ihre Tech-Jobs aufgeben, ist laut Studie die Unternehmenskultur.

In einer McKinsey-Umfrage berichtete knapp die Hälfte der befragten Frauen von Sexismus oder Voreingenommenheit im vergangenen Jahr. 82 Prozent hatten das Gefühl, sich stärker beweisen zu müssen als ihre männlichen Kollegen.

Viele Frauen fühlen sich demnach isoliert, weil sie im Team oder in Meetings oft die einzige Frau im Raum sind.

Zudem übernehmen Frauen häufiger als Männer zusätzliche, nicht vergütete Aufgaben, etwa das Schlichten von Teamkonflikten oder die Organisation von Veranstaltungen – Rollen, in die sie als „soziales Bindemittel“ ihrer Teams gedrängt werden.

Im Durchschnitt leisten Frauen so rund 200 Stunden pro Jahr dieser Form von „Büro-Hausarbeit“, heißt es in dem Bericht.

Auch gut gemeinte Maßnahmen zur Unterstützung von Eltern – etwa flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice-Regelungen – können für manche Frauen das berufliche Fortkommen bremsen.

Was Unternehmen gegen die Kluft tun können

Der wirksamste Hebel gegen die Geschlechterkluft ist eine bessere Unternehmenskultur, so die Autorinnen und Autoren. Sie sei der entscheidende Faktor dafür, ob Frauen langfristig in Tech-Berufen verbleiben.

Unternehmen sollten sich deshalb klare Ziele für den Frauenanteil setzen und deren Fortschritt quartalsweise überprüfen, empfiehlt der Bericht.

Zudem sollten Beförderungen stärker an messbare Leistungen geknüpft werden. Das könne „die Wettbewerbsbedingungen für Frauen angleichen“.

Mentoring-Programme sollten ebenfalls eine größere Rolle spielen. Wenn Firmen Frauen im mittleren Karriereabschnitt gezielt mit Personen aus der oberen Leitungsebene zusammenbringen, entstehen Vorbilder und klarere Wege nach oben, heißt es weiter. Europa müsse außerdem verstärkt in KI-gestützte Weiterqualifizierung investieren – als „neue Einstiegsspur“ für Frauen in die Techbranche.

Mit gezielter Weiterbildung und klar definierten Entwicklungspfaden könnten Frauen viele der mittleren und höheren Positionen übernehmen, die durch die Umstrukturierung der Arbeitswelt infolge von KI neu entstehen.

Organisationen können dazu beitragen, indem sie Frauen im mittleren Karriereabschnitt beim Wechsel in angrenzende KI-Funktionen auf mittlerer oder hoher Ebene unterstützen oder indem sie mehr Übergänge von Produkt- und Designbereichen in die Unternehmensspitze schaffen.

„Frauen schneller in diese zukunftskritischen Rollen zu bringen, ist keine Nebenagenda“, heißt es abschließend. „Es ist eines der wirkungsvollsten Instrumente Europas, um die Führungskompetenzen aufzubauen, die KI jetzt verlangt, und um Innovation, gute Unternehmensführung und Wettbewerbsfähigkeit in der ganzen Region zu stärken.“

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