Euronews durfte seltene Einblicke in Xiaomis nahezu vollautomatisierte Fabrik in Peking gewinnen. Sie zeigt, wie der Konzern Apple und Samsung im Premium-Smartphonemarkt angreifen will.
Wer sich dem Xiaomi-Campus in Peking nähert, spürt sofort die Dimension. Weitläufige Gebäude, verbunden durch begrünte Innenhöfe: eine Installation mit Kaninchenmaskottchen in verschiedenen Größen, eine fliegende Schweinskulptur als Symbol erfüllter Träume und ein riesiges Firmenlogo, das sich in einem flachen Wasserbecken spiegelt.
Die Xiaomi Group baut Autos, Haushaltsgeräte und Smartphones. Die Smartphones, die in Europa immer beliebter werden, entstehen allerdings in einer eigenen Fabrik: der Xiaomi Smart Factory. Der Komplex umfasst rund 81.000 Quadratmeter und soll weiter wachsen.
Am Band läuft etwa alle sechs Sekunden ein neues Smartphone vom Fließband, die Jahresproduktion liegt damit bei mehr als zehn Millionen Geräten. Doch die Montage ist nur der letzte Schritt. Der Prozess beginnt in Labors, die eher wie ein belebtes Stadtviertel wirken als wie eine Testanlage.
In einem fünfzig Meter langen Korridor liegen ein Restaurant im China-Stil, eine Starbucks-Ecke, ein arrangiertes Wohnzimmer, ein Indoor-Freizeitbereich und ein kleines Museum mit Vitrinen. Diese Kulissen bilden echte Alltagsumgebungen nach, damit sich die Kamerasysteme auf verschiedene Lichtverhältnisse einstellen lassen – von hartem Sonnenlicht bis zu schummrigen Innenräumen.
Die starke Ausrichtung auf Praxistests fließt direkt in Xiaomis Bildverarbeitung ein. Das Flaggschiff der 17er-Serie, im Februar in Barcelona vorgestellt und gemeinsam mit Leica entwickelt, durchlief all diese Szenarien, um die Detailtreue zu verbessern, Flimmern zu verringern und optische Störungen zu minimieren.
Unternehmensvertreter betonen, diese Tests würden dafür sorgen, dass der Sensor „sauberes“ Licht erhält und auch unter schwierigen Bedingungen gleichmäßigere Ergebnisse liefert.
Verlässt man die kreativen Testbereiche, wirken die Montagehallen im Vergleich fast klinisch: hell, weiß und geometrisch exakt. Automatisierte Wagen, von den Mitarbeitenden „delivery boys“ genannt, gleiten über Schienen und transportieren Bauteile wie große Roboterarme, die monotone Arbeiten mit Maschinenpräzision erledigen.
Xiaomi gibt eine Gesamtautomatisierungsquote von 81 Prozent an und spricht bei mehreren kritischen Abläufen von Vollautomatisierung. Dennoch bleibt der Mensch unverzichtbar: Rund 220 Beschäftigte überwachen eine 310 Meter lange Produktionslinie, prüfen die Geräte, greifen bei Unregelmäßigkeiten ein und sichern am Ende die Qualität. Das Werk montiert derzeit etwa 600 Telefone pro Stunde.
Die Fertigung gleicht einer genau getakteten Choreografie. SMT-Linien (Surface-Mount-Technologie) setzen Bauteile auf Leiterplatten, Hauptplatinen durchlaufen Dutzende gleichzeitiger Funktionstests, um Fehler aufzuspüren, und zusätzliche Verstärkungen aus Schaumstoff, Stahlplatten und Polsterpads schützen empfindliche Komponenten.
Nach der Montage der Rückseite folgen Prüfungen auf Wasserdichtigkeit und eine optische Kontrolle. Fertige Geräte müssen danach umfangreiche Leistungstests bestehen – Stromverbrauch, Antennenverhalten, Audio, Kamera, Display und Sensoren – sowie eine längere „Alterung“ in Prüfkabinen, in denen jeweils mehr als 2.400 Smartphones gleichzeitig laufen. Erst wenn alle Tests bestanden sind, kommen die Telefone in die Verpackung und gehen auf den Weg zum Handel.
Nach Angaben der Marktforscher von Omdia stieg Xiaomis Anteil am chinesischen Smartphonemarkt im Jahr 2025 auf 15 Prozent, ein Plus von vier Prozentpunkten. Weltweit sank der Anteil dagegen auf 13 Prozent, ein Minus von zwei Punkten. In Europa kehrte sich der Trend um: Der Marktanteil legte um einen Punkt auf 20 Prozent zu und festigte damit Xiaomis Rang drei.
Xiaomis Smartphone-Portfolio reicht von Einsteiger- und Mittelklassegeräten bis hin zu Premium-Modellen. An der Spitze steht das Leica Leitzphone powered by Xiaomi, das rund 2.000 Euro kostet.