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Studie: Fast jede zweite Stelle in London durch KI bedroht – Frauen besonders betroffen

KI gefährdet jeden fünften Job in London, neuer Bericht warnt
Bericht: KI gefährdet ein Fünftel der Jobs in London Copyright  Credit: Canva Images
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Von Theo Farrant
Zuerst veröffentlicht am
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Einem neuen Bericht des Londoner Bürgermeisteramts zufolge könnte fast die Hälfte der Beschäftigten in der britischen Hauptstadt durch generative KI völlig neue Aufgaben bekommen.

Fast die Hälfte der Beschäftigten in London arbeitet in Jobs, in denen generative künstliche Intelligenz bereits Teile ihrer Aufgaben verändern könnte – und die Hauptstadt, vor allem aber Frauen, sind stärker exponiert als jede andere Region im Vereinigten Königreich. Das zeigt ein neuer Bericht (Quelle auf Englisch) aus dem Büro des Bürgermeisters von London.

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Rund 2,4 Millionen Menschen in London arbeiten in Berufen, die der Bericht als „durch generative KI exponiert“ einstuft. Das entspricht 46 Prozent der Erwerbstätigen der Stadt; im Landesdurchschnitt sind es 38 Prozent.

„In vielen Fällen wird KI Rollen eher verändern als sie komplett ersetzen und damit die Mischung aus Aufgaben, Fähigkeiten und nötigem Urteilsvermögen im Arbeitsalltag verschieben“, sagte Londons Bürgermeister Sadiq Khan.

„In anderen Fällen, in denen KI tatsächlich Arbeitsplätze bedroht, müssen wir wachsam sein und schnell auf negative Folgen für den Londoner Arbeitsmarkt reagieren“, fügte er hinzu.

Ungleich verteilte Risiken im Arbeitsmarkt

Die Auswirkungen von KI auf Jobs treffen die Beschäftigten nicht gleichermaßen. Der Bericht identifiziert mehrere Gruppen, die überdurchschnittlich stark exponiert sind.

Frauen stellen knapp 60 Prozent der Beschäftigten in den am stärksten exponierten Tätigkeiten. Grund ist ihre starke Präsenz in Verwaltungs- und Kundenserviceberufen, in denen KI besonders weit entwickelt ist. Etwa acht Prozent der erwerbstätigen Frauen in London arbeiten in der höchst exponierten Kategorie, bei Männern sind es vier Prozent.

Auch jüngere Beschäftigte sind stärker betroffen. Rund 52 Prozent der 16- bis 29-Jährigen arbeiten in stark KI-exponierten Jobs, bei den Über-50-Jährigen sind es 39 Prozent.

Der Bericht äußert zudem Sorge um Einstiegsjobs, die als Sprungbrett in berufliche Laufbahnen dienen.

„Wenn die Zahl dieser Einstiegspositionen infolge von KI-Automatisierung zurückgeht, könnten Aufstiegspfade brüchiger werden und auf Dauer weniger Nachwuchskräfte in die weniger exponierten Positionen auf mittlerer und höherer Ebene nachrücken“, heißt es in dem Bericht.

Auch nach ethnischer Zugehörigkeit gibt es Unterschiede. Beschäftigte asiatischer Herkunft sind im Schnitt stärker exponiert als alle anderen Gruppen, hingegen weisen schwarze Beschäftigte mit rund 34 Prozent die geringste Exposition auf.

Welche Jobs KI am stärksten trifft

Der Bericht teilt Berufe in vier Expositionsstufen ein. Entscheidend ist, wie groß der Anteil der Tätigkeiten ist, den KI-Tools heute schon übernehmen können.

In der höchsten Risikostufe liegen etwa 313.000 Beschäftigte – rund sechs Prozent der gesamten Erwerbsbevölkerung Londons. Ihre Jobs bestehen fast vollständig aus Aufgaben, die KI schon heute übernehmen könnte. Dazu gehören Verwaltungs- und Büroberufe wie Buchhalterinnen und Buchhalter, Lohn- und Gehaltsmanager, Datenerfasserinnen und Datenerfasser sowie Rezeptionistinnen und Rezeptionisten.

Laut Bericht fallen 61 Prozent aller Beschäftigten in Verwaltungs- und Sekretariatsberufen in diese höchste Risikogruppe.

Weitere 748.000 Personen – 14 Prozent der Londoner Erwerbsbevölkerung – arbeiten in Berufen mit deutlicher, aber ungleich verteilter Exposition. Dazu zählen etwa Softwareentwicklerinnen und -entwickler, Steuerberaterinnen und Steuerberater sowie Finanzanalystinnen und -analysten.

Am wenigsten exponiert sind meist Beschäftigte in Pflegeberufen, im Baugewerbe und in Tätigkeiten, die zwingend körperliche Anwesenheit erfordern.

Wie Unternehmen KI nutzen

Der Bericht stellt zudem fest, dass Unternehmen KI deutlich häufiger einsetzen. Der Anteil der britischen Firmen, die KI nutzen, stieg von rund sieben bis neun Prozent Ende 2023 auf 26 bis 35 Prozent im März 2026.

Bisher verändert KI vor allem Aufgaben innerhalb von Jobs, statt Personal zu ersetzen. Im März 2026 berichteten britische Unternehmen, dass vor allem Verwaltungs-, Kreativ-, Daten- und IT-Rollen betroffen sind. Rund 28 Prozent der Firmen, die KI einsetzen, geben an, sie setzten auf Weiterbildung ihrer Beschäftigten statt auf Stellenabbau.

Gleichzeitig mehren sich die Warnsignale für eine ungewisse Zukunft. Etwa fünf Prozent der britischen Unternehmen mit KI-Einsatz berichten, sie hätten ihren Personalbestand bereits direkt wegen KI reduziert; bei größeren Firmen sind es sieben Prozent.

Mit Blick nach vorn sagen elf Prozent der KI nutzenden Unternehmen, der Ersatz von Stellen sei Teil ihrer Strategie, und 17 Prozent erwarten, dass KI ihren Personalbestand im Laufe des Jahres 2026 verringern wird.

Als Reaktion auf die wachsenden Sorgen rund um KI am Arbeitsplatz hat Sadiq Khan Anfang dieses Jahres die „London AI and Jobs Taskforce“ gegründet. Dort kommen Beschäftigte, Arbeitgeber, Forschende sowie Vertreterinnen und Vertreter des öffentlichen Lebens zusammen, um zu untersuchen, wie KI die Arbeitswelt in der Hauptstadt bereits verändert und welche Unterstützung Beschäftigte brauchen, um sich anzupassen.

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