Zweitausendachtzehn verließ Musk nach einem Konflikt mit Altman den OpenAI-Verwaltungsrat. Ein Jahr zuvor soll er vergeblich mehr Einfluss auf das Unternehmen gesucht haben.
Ein US-Gericht hat die Klage von Elon Musk gegen OpenAI und dessen Führungsspitze abgewiesen. Musk hatte ihnen vorgeworfen, eine gemeinsame Vision zu verraten: OpenAI solle dauerhaft eine gemeinnützige Organisation bleiben, die die Entwicklung künstlicher Intelligenz zum Wohle der Menschheit lenkt.
Die Jury aus neun Personen kam zu dem Schluss, dass Musk mit seiner Klage zu lange gewartet und eine gesetzliche Frist verpasst hatte. Nach dem dreiwöchigen Prozess beriet sie weniger als zwei Stunden.
Der Milliardär, einer der frühen Geldgeber des KI-Unternehmens, hatte OpenAI-Chef Sam Altman, Präsident Greg Brockman sowie Microsoft verklagt. Er wirft ihnen vor, eine Vereinbarung gebrochen zu haben, nach der OpenAI als gemeinnützige Organisation zum Nutzen der Menschheit erhalten bleiben sollte.
Musk behauptet, Altman habe ihn getäuscht, als er OpenAI von einer gemeinnützigen in eine gewinnorientierte Firma umbaute. Das Unternehmen wird inzwischen mit fast einer Billion Dollar bewertet und gilt als Kandidat für einen Börsengang.
Die Jury hatte nur eine beratende Rolle. Richterin Yvonne Gonzalez Rogers übernahm ihr Votum am Montag jedoch als Urteil des Gerichts und wies Musks Ansprüche zurück.
Musk kündigte auf seiner Plattform X an, in Berufung zu gehen. Richterin und Jury hätten sich nicht mit der Sache selbst beschäftigt, sondern nur mit einer „kalendertechnischen Formalie“, schrieb er.
„Für niemanden, der den Fall genau verfolgt hat, besteht ein Zweifel, dass Altman und Brockman sich bereichert haben, indem sie einer Wohltätigkeitsorganisation etwas weggenommen haben. Die einzige Frage ist, wann sie es getan haben“, so Musk.
Musks Anwalt Steven Molo sagte, der Konflikt mit OpenAI sei damit noch lange nicht beendet. Er verglich das Urteil vom Montag mit Momenten der US-Geschichte wie der Belagerung von Charleston und der Schlacht von Bunker Hill: „Das waren große Verluste für die Amerikaner – aber wer hat den Krieg gewonnen?“
Der Prozess in Oakland im US-Bundesstaat Kalifornien beleuchtete den tiefen Bruch zwischen den zwei Tech-Milliardären und die Anfänge von OpenAI. Das Unternehmen ist heute rund 852 Milliarden Dollar (733 Milliarden Euro) wert und steuert auf einen der größten Börsengänge der Geschichte zu.
Altman und OpenAI erklärten, es habe nie das Versprechen gegeben, OpenAI für immer gemeinnützig zu führen. Musk habe das gewusst und geklagt, weil er keine alleinige Kontrolle über den rasant wachsenden KI-Entwickler erhalten habe.
OpenAI argumentierte, die Klage solle das schnelle Wachstum des Unternehmens bremsen und Musks eigenes KI-Projekt xAI stärken, das er 2023 als Konkurrenz gründete.
Vor dem Gerichtsgebäude sagte OpenAI-Anwalt William Savitt, die Geschworenen hätten die Klage als „nachträgliche Konstruktion“ bewertet. Im Kern gehe es darum, dass Musk einen Wettbewerber sabotieren wolle und „eine lange Geschichte sehr schlechter Prognosen darüber überwinden“ müsse, was OpenAI sei und noch werde.
Was sagt Microsoft?
Microsoft, Großinvestor bei OpenAI und Mitangeklagter in Musks Klage, begrüßte die Entscheidung. Der Konzern bleibe „dem gemeinsamen Ziel verpflichtet, KI für Menschen und Organisationen weltweit voranzubringen und nutzbar zu machen“.
Musk wollte, dass mögliche Schadenersatzzahlungen den gemeinnützigen Projekten des OpenAI-Stiftungszweigs zugutekommen. Außerdem forderte er, Altman aus dem Verwaltungsrat von OpenAI zu entfernen. Musks Entscheidung, seine finanzielle Unterstützung für das Unternehmen einzustellen, trug zu dem Bruch zwischen den einstigen Verbündeten bei. Musk sagt, er habe damit auf Täuschungen reagiert, die der OpenAI-Vorstand erkannt habe, als er Altman 2023 als Vorstandschef entließ – bevor dieser einige Tage später zurückkehrte.
Im Prozess sagten unter anderem Musk, Altman und dessen enger Vertrauter Greg Brockman aus, ebenso Microsoft-Chef Satya Nadella und zahlreiche weitere Personen aus dem Umfeld der Tech-Größen.
Musk sagte an seinem ersten von drei Verhandlungstagen vor der Jury: „Ich glaube, sie werden versuchen, diese Klage sehr kompliziert aussehen zu lassen. Aber in Wahrheit ist es sehr einfach: Es ist nicht in Ordnung, einer Wohltätigkeitsorganisation etwas zu stehlen.“
In der Klageschrift war neben einem „Bruch des Stiftungszwecks“ auch von ungerechtfertigter Bereicherung Altmans und Brockmans die Rede, weil sie vom kometenhaften Anstieg des ChatGPT-Entwicklers profitiert hätten. Brockman gab im Prozess an, sein Anteil an OpenAI sei etwa 30 Milliarden Dollar wert.
„Extrem schmerzhaft“
Altman und Musk hatten in den Anfangsjahren beide Ambitionen auf den Posten des OpenAI-Chefs. In seiner Aussage berichtete Altman von Sorgen über Musks Versuche, sich mehr Einfluss auf OpenAI zu sichern. Das Unternehmen wollte eine sicherere, dem Menschen überlegene Form von KI entwickeln, die sogenannte künstliche allgemeine Intelligenz.
„Ein Teil des Grundes, warum wir OpenAI gegründet haben, war die Überzeugung, dass AGI nicht unter der Kontrolle einer einzelnen Person stehen darf, egal wie gut ihre Absichten sind“, sagte Altman.
Der Prozess warf auch ein Licht auf Altmans Absetzung aus dem OpenAI-Verwaltungsrat im Jahr 2023, bevor er wenige Tage später zurückkehrte. Mehrere Zeugen, darunter die ehemaligen Verwaltungsratsmitglieder Helen Toner und Tasha McCauley, berichteten von Bedenken an Altmans Ehrlichkeit.
Gegen Ende seiner Aussage sagte Altman, er habe Musk früher sehr geschätzt.
„Ich hatte das Gefühl, er hat uns im Stich gelassen, Zusagen nicht eingehalten, das Unternehmen in eine sehr schwierige Lage gebracht, die Mission gefährdet und sich nicht wirklich um das gekümmert, von dem ich dachte, dass es ihm wichtig ist“, sagte Altman.
„Für mich ist es extrem schmerzhaft, dass jemand, den ich so respektiert habe, das nicht anerkennt und uns weiter öffentlich angreift.“