Seit dem ersten Gipfel 'Choose France' 2018, ein Jahr nach Macrons Amtsantritt, meldet der Élysée mehr als 230 Projekte mit mehreren Tausend neuen Jobs.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron rechnet bei einer internationalen Konferenz am Montag mit ausländischen Rekordinvestitionen von 93 Milliarden Euro, auch in Künstliche Intelligenz und Rechenzentren.
Rund 200 Spitzenmanagerinnen und -manager aus aller Welt werden im Schloss Versailles westlich von Paris zu Macrons jährlicher Investorenkonferenz „Choose France“ erwartet.
Im vergangenen Jahr hatten die dort angekündigten Projekte ein Volumen von 20 Milliarden Euro – ebenfalls ein Rekord.
Die für dieses Jahr bereits zugesagten Mittel sollen laut Macrons Büro jedoch die bislang in acht Jahren eingesammelten 87 Milliarden Euro übertreffen.
„Allein diese Ausgabe von ‚Choose France‘ wird es ermöglichen, Rekordinvestitionen von 93 Milliarden Euro an bestätigten Zusagen zu konkretisieren, verbunden mit mehr als 15.000 Arbeitsplätzen. Es ist mit Abstand eine Rekordausgabe, es ist historisch“, sagte Macron.
Darin enthalten sind nach seinen Angaben 45 Milliarden Euro des japanischen Technologiekonzerns SoftBank.
Dessen Gründer Masayoshi Son kündigte am Wochenende an, SoftBank wolle 75 Milliarden Euro in KI-Infrastruktur investieren, darunter bis 2031 rund 45 Milliarden Euro in Rechenzentren im Norden Frankreichs.
Macron sagte, weitere Mittel flössen ebenfalls in „Künstliche Intelligenz, in Rechenzentren“ sowie in Halbleiter, kritische Rohstoffe, Traktoren und Lastwagen, Stahl und Gesundheitswesen.
„Rechenkapazitäten in Europa“
Macron erklärte, die Projekte würden dazu beitragen, dass Frankreich mit großem Abstand das führende Land für Rechenzentren und Rechenkapazitäten in Europa werde – sowie ein Vorposten für die Produktion von KI-Robotern und für die Industrialisierung mithilfe von KI.
„Wir schließen eindeutig die Lücke bei den Rechenkapazitäten in Europa“, sagte er mit Blick auf die Konkurrenz aus den Vereinigten Staaten und China.
SoftBank-Chef Son nannte die überwiegend aus Kernkraft stammende Stromversorgung Frankreichs als entscheidenden Faktor für die Standortwahl.
Nun könne man „Elektrizität als Rohstoff in höherwertige Intelligenz umwandeln“, auch für den Export, fügte er hinzu.
Der kanadische Vermögensverwalter Brookfield will 10 Milliarden Dollar, umgerechnet 8,5 Milliarden Euro, in ein Rechenzentrum in der Region Escaudain in Nordfrankreich investieren.
Die Investmentgesellschaft Ardian und die nordische Datenplattform Verne planen Investitionen von 5 Milliarden Dollar, rund 4,2 Milliarden Euro, in ein Rechenzentrum in der Region Paris.
Der US-Konzern Salesforce kündigte bis 2030 Investitionen von 2 Milliarden Dollar, etwa 1,7 Milliarden Euro, an – unter anderem für ein KI-Zentrum in Paris.
Der taiwanische Konzern Foxconn will nach Angaben von AFP-Quellen 120 Millionen Euro in der westfranzösischen Stadt Angers investieren. Geplant ist gemeinsam mit dem französischen Supercomputer-Spezialisten Bull eine Fertigungslinie für Hauptplatinen, die speziell für KI ausgelegt sind.
Der Handelsriese Amazon hatte Anfang dieses Monats angekündigt, in den kommenden drei Jahren mehr als 15 Milliarden Euro in Frankreich zu investieren und dabei 7.000 Arbeitsplätze zu schaffen. Nun will das Unternehmen zusätzlich 1.000 Jobs an drei Logistikstandorten schaffen.
„Meiste Auslandsinvestitionen“
Auf der Konferenz könnten zudem Ankündigungen zu seltenen Erden erfolgen.
Seit der ersten „Choose France“-Auflage 2018, ein Jahr nach Macrons Amtsantritt, seien laut Élysée mehr als 230 Projekte angekündigt worden, die mehrere Tausend Arbeitsplätze umfassen.
Frankreich zieht laut der Beratungsgesellschaft EY seit sieben Jahren in Folge die meisten Auslandsinvestitionen in Europa an. Das falle jedoch „nicht vom Himmel“, betonte Macron.
EY zählte im vergangenen Jahr 852 Projekte in Frankreich von insgesamt 5.026 Vorhaben in 47 europäischen Ländern – ein Rückgang um 17 Prozent in einem schwierigen internationalen Umfeld.
Vor allem bei KI-bezogenen Vorhaben hat das Land mehr Projekte angezogen als jeder andere Standort in Europa. Gleichzeitig leidet die Industrie, insbesondere die Automobil-, Chemie- und Metallbranche.
Der Ökonom Sylvain Bersinger warnte, die Ankündigungen in Versailles dürften nicht darüber hinwegtäuschen, „dass die Unternehmensinvestitionen in Frankreich insgesamt schwach sind, dass die Reindustrialisierung eher ein frommer Wunsch als Realität bleibt und dass Frankreich für ausländische Investoren nicht zwingend attraktiver wirkt als seine Nachbarn“.
Macron will Frankreich zu einem weltweit führenden Standort für Künstliche Intelligenz machen und hat 1,55 Milliarden Euro an öffentlichen Investitionen für die Entwicklung von Quantentechnologien und Halbleitern angekündigt.