Vierundfünfzig Prozent der Befragten nutzen mindestens einmal pro Woche soziale Netzwerke als Nachrichtenquelle, etwas mehr als die 51 % für klassische Medien.
Soziale Medien sind weltweit zur wichtigsten Nachrichtenquelle für alle Bevölkerungsgruppen geworden und haben klassische Angebote erstmals überholt. Das geht aus einem umfangreichen Bericht der Universität Oxford im Vereinigten Königreich hervor.
Der Digital News Report (Quelle auf Englisch), der am Dienstag veröffentlicht wurde, befragt 100.000 Nachrichtenkonsumentinnen und -konsumenten in 48 Ländern zu ihren Informationsquellen. Soziale Medien gewinnen bei jungen Menschen schon seit Jahren an Bedeutung. Nun stellen die Autorinnen und Autoren fest: Erstmals sind sie in allen Märkten und für alle Altersgruppen eine zentrale Nachrichtenquelle.
54 Prozent der Befragten gaben an, in der vergangenen Woche soziale Medien genutzt zu haben, um Nachrichten zu verfolgen. 51 Prozent nutzten klassische Medien wie Fernsehen, Radio oder Nachrichtenwebseiten.
Weltweit sagten 30 Prozent der Befragten, dass soziale Netzwerke und Videoplattformen ihre wichtigste Nachrichtenquelle sind – nach 22 Prozent im Jahr 2020.
Unter den 18- bis 24-Jährigen steigt dieser Anteil auf 52 Prozent, so die Studie. Das sind 32 Punkte mehr als bei der nächstbeliebten Hauptnachrichtenquelle.
Seit 2020 haben traditionelle Angebote wie Fernsehnachrichten und Apps um 13 beziehungsweise zwölf Punkte verloren. Gleichzeitig nahm die Nutzung sozialer Medien in 22 der 48 untersuchten Märkte zu, heißt es in dem Bericht.
Die Gründe für diesen Wechsel sind unterschiedlich, so der Bericht. Manche Nutzerinnen und Nutzer finden, soziale Medien seien einfach der bessere Ort für Nachrichten. Andere sagen, sie sähen heute weniger fern als früher.
Der Bericht beschreibt den Aufstieg der sozialen Medien als „eher ein allmähliches Abdriften als ein abrupter Bruch, aber dennoch ein wichtiger Moment“.
In Ländern wie dem Vereinigten Königreich, Deutschland, Schweden, Finnland, Tschechien, Österreich, Belgien, den Niederlanden, Irland und Kroatien sowie in einigen asiatischen Staaten liegen traditionelle Medienangebote laut Studie weiter vor den sozialen Netzwerken.
In diesen Ländern genießen etablierte Medienhäuser mehr Vertrauen als anderswo. Im Durchschnitt verlassen sich Social-Media-Nutzende dort weniger stark auf einzelne Creatorinnen und Creator als Nachrichtenquelle, heißt es.
Auch wer soziale Medien nutzt, greift oft auf etablierte Sender und Medienmarken zurück. Dennoch müssten diese Anbieter „hart um ihren Anteil kämpfen“, heißt es in dem Bericht.
In Ländern, in denen soziale Medien dominieren, gibt es Kritik an der Berichterstattung klassischer Medien über Konflikte, etwa über den Krieg im Iran oder den Israel-Hamas-Krieg im Gazastreifen.
Fast 40 Prozent der Menschen unter 35 halten soziale Medien für den besten Weg, um Nachrichten über den Krieg im Iran zu verfolgen. Bei den über 35-Jährigen bevorzugt die Mehrheit Fernsehen oder Nachrichtenwebseiten.
Der Bericht vermerkt außerdem, dass in der vergangenen Woche rund zehn Prozent der Befragten künstliche Intelligenz (KI) als Nachrichtenquelle genutzt haben. Von einem Durchbruch könne man also noch nicht sprechen.
Aber die Studie weist darauf hin, dass Googles jüngste Umstellung der Suche auf einen bevorzugten „KI-Modus“ das Nutzungsverhalten deutlich verändern könnte.