Als die USA in der vergangenen Woche den Zugang zu Anthropics neuesten KI-Modellen stoppten, wurde Europa klar: Regeln kippen über Nacht. Auf der VivaTech in Paris betonen Frankreich und Deutschland, dass digitale Souveränität jetzt entstehen muss.
Die französischen und deutschen Wirtschafts- und Digitalminister haben am Mittwoch zur Eröffnung der Technologiemesse VivaTech in Paris zu gemeinsamer Aktion aufgerufen. Europa müsse jetzt rasch echte technologische Souveränität aufbauen, sonst drohe dem Kontinent die Rolle des Zuschauers beim prägenden Technologieschub dieses Jahrzehnts.
Frankreichs Minister für Wirtschaft, Finanzen, Industrie und Energiesouveränität, Roland Lescure, griff zu Beginn die Stimmung im Saal offen auf.
"Ich sehe, dass sich einige von uns Sorgen machen [wegen der Risiken Künstlicher Intelligenz], und das ist gut so. Sorge ist gut", sagte er, warnte aber davor, sich von Angst leiten zu lassen. "Keiner von uns wird das allein schaffen."
Mit Verweis auf die historische Rolle der deutsch-französischen Beziehungen sagte er, immer wenn sich beide Länder einig seien, komme Europa in Bewegung.
"Ich bin überzeugt, dass Frankreich und Deutschland das schaffen und im Zentrum dessen stehen können, was als Nächstes kommt. Die nächsten zehn Jahre werden wichtig sein", sagte er.
Deutschlands Bundesminister für digitale Transformation und Regierungsmodernisierung, Karsten Wildberger, ging anschließend auf die Entscheidung der USA von vergangener Woche ein, den Zugang zu den neuesten KI-Modellen von Anthropic für ausländische Staatsangehörige zu untersagen, darunter auch Beschäftigte des Unternehmens.
Die Aussetzung des Zugangs zu den fortschrittlichsten Modellen mache eines allen klar, sagte er. "Es geht nicht mehr nur um die Frage des Zugangs. Regeln können sich über Nacht ändern, und Souveränität bedeutet, dass wir handlungsfähig bleiben, wenn so etwas passiert", sagte er.
Wildberger stellte klar, dass KI-Souveränität kein Protektionismus sei, sondern Voraussetzung für eigene Handlungsmacht. "Souveränität ist keine Abschottung. Sie bedeutet Offenheit aus einer Position der Stärke heraus", fügte er hinzu.
Für Deutschland kündigte er an, dass die Regierung eine nationale Rechenzentrumsstrategie umsetzt. Bis 2030 solle die KI-Kapazität vervierfacht werden. Zudem arbeite das Land an einer souveränen Cloud-Infrastruktur.
Allein könne der Staat diese Aufgabe aber nicht schultern, betonte er. "Die wahren Heldinnen und Helden hier sind die starken Start-ups", sagte er. "Europa kann Innovation. Wir können groß werden. Und wir sind relevant."
Beide Minister verwiesen auf neue bilaterale Initiativen zwischen Frankreich und Deutschland als praktischen Startpunkt.
"Wenn wir unsere Technologien bündeln, gestalten wir, was als Nächstes kommt", sagte der deutsche Minister. "Wir werden in den kommenden Jahren nicht nur zuschauen."
Europa mangele es weder an Ideen noch an Talenten noch an Unternehmen, die etwas aufbauen wollen, fügte er hinzu.
"Es geht nicht darum, ob Europa bereit ist. Europa braucht jetzt Mut, Ehrgeiz und die Disziplin, Pläne umzusetzen und sie in die Breite zu tragen."