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Orbitale Datenzentren: China zieht davon, Europa droht den Anschluss zu verlieren

Ein Satellit umkreist die Erde und zeigt aus dem All den leuchtend blauen Ozean und die Kontinente.
Ein Satellit umkreist die Erde und zeigt aus dem All den tiefblauen Ozean und die Kontinente. Copyright  Zelch Csaba/Pexels
Copyright Zelch Csaba/Pexels
Von Indrabati Lahiri
Zuerst veröffentlicht am
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China treibt Weltraum-Rechenzentren rasant voran. Europa diskutiert das Konzept noch, warnt ein neues Policy-Papier – der Abstand wächst.

China drängt mit großem Tempo in den Markt für Orbit-Rechenzentren und könnte Europa dabei abhängen. Zu diesem Schluss kommt ein neues Policy-Papier des European Space Policy Institute (ESPI).

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Rechenzentren im Orbit gelten zunehmend als strategisch wichtige Infrastruktur. Sie sollen die riesigen Datenmengen verarbeiten, die Künstliche Intelligenz und Satellitensysteme erzeugen.

Das Papier mit dem Titel „Constellating Compute: China's Domestic Policy Towards Orbital Data Centre Leadership“ warnt: Öffnet sich die technologische Schere deutlich weiter, muss Europa womöglich seine eigenen Weltraumdaten über Drittanbieter berechnen lassen und riskiert, den Zugang zu orbitalen Informationen zu verlieren.

In Europa laufen zwar erste Projekte, sie bleiben aber noch überschaubar.

Das von der EU finanzierte Forschungsprojekt ASCEND, seit 2023 im Rahmen von Horizon Europe gefördert, kam zu dem Ergebnis, dass Orbit-Rechenzentren die digitale Souveränität Europas stärken könnten.

Auch die Europäische Weltraumorganisation ESA arbeitet mit dem britischen Unternehmen Open Cosmos am Satelliten Φ-sat-2, der über KI-Funktionen für die Erdbeobachtung verfügt.

Das französische Start-up ALATYR hat zudem angekündigt, robotisch montierte Orbit-Rechenzentren zu bauen. Im Vergleich zu den Entwicklungen in China und den USA beginnt der Abstand Europas jedoch zu wachsen.

China vorn im Rennen um Orbit-Rechenzentren

China behandelt weltraumgestütztes Rechnen als nationale strategische Priorität. Daraus ist eine Welle staatlich unterstützter Initiativen und politischer Programme entstanden.

Im Zentrum steht der staatliche Konzern China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC). Er hat Orbit-Rechenzentren in einer neuen Strategie erstmals fest verankert – gemeinsam mit der Stadtregierung von Peking und dem Wissenschaftspark Zhongguancun.

Laut dem Papier kombiniert China Vorgaben der Zentralregierung, Anpassungen in privaten und staatlichen Unternehmen, Anreize von Kommunen und Provinzen sowie Unterstützung für nichtstaatliche Akteure und Arbeitsgruppen.

Prominente Pilot-Konstellationen treiben die frühe Umsetzung voran. Die „Three-Body Constellation“, die das Start-up ADAspace im Mai 2025 gestartet hat, gilt als erstes funktionsfähiges Beispiel für weltraumgestütztes Rechnen.

In einem gemeinsamen Labor mit der Shanghai Jiao Tong University nutzte ADAspace die Rechenleistung der Konstellation im Orbit, um einen Roboter am Boden zu steuern. Das ist eines von mehreren technischen Experimenten, die das Unternehmen seit dem Erreichen der Umlaufbahn durchgeführt hat.

Weitere Firmen zogen nach. Beijing Orbital Twilight Technology Co., Ltd. (Orbital Chenguang) meldete im April 2026 eine Eigenkapitalrunde in unbekannter Höhe sowie Schuldenfinanzierungen im Wert von sieben Komma vier Milliarden Euro.

Nayuta Space stellte seine Supercomputer-Konstellation ALAYA vor, die aus 12.500 Rechensatelliten bestehen soll. Shanghai Xingshu Tiansuan Space Technology Co. präsentierte auf der World AI Conference im Juli 2026 den „Xingshu Plan“, der langfristig bis zu 1.000 Satelliten umfassen soll.

Auch China Mobile, Zhejiang Lab, Bailing Aerospace, Zhongke Tiansuan Technology und Interstellar Glory Space-Based Computing Technology (iSpace) haben eigene Konstellationen angekündigt.

Die Stadtregierung von Peking will die Branche weiter fördern. Gemeinsam mit dem Zhongguancun Science Park rief sie im Juni 2026 zu Projektvorschlägen für Orbit-Rechenzentren auf und startete ein Innovationszentrum für Weltraum-Computing. Dort arbeiten konkurrierende Unternehmen wie GalaxySpace und Landspace nach einem Modell aus Unternehmen und Allianz zusammen.

Nach Angaben des Staatssenders CGTN liegen die Schwerpunkte des Zentrums auf dem Design weltraumgestützter Rechenchips, leistungsstarken Nutzlasten für das Rechnen im All und integrierten Cloud-Computing-Technologien zwischen Weltraum und Boden.

CASC hat außerdem einen Fünfjahresplan für den Sektor vorgelegt. Er entstand im Januar 2026 gemeinsam mit der Chinese Society of Astronautics unter Anleitung staatlicher Stellen, darunter die China National Space Administration.

Laut der CGTN-Berichterstattung zu dem Plan umfasst er den Aufbau digitaler Weltrauminfrastruktur im Gigawatt-Bereich, die Cloud-, Edge- und Endgeräte-Technologien verbindet. Die zugrunde liegenden politischen Dokumente sind jedoch offenbar nicht offiziell veröffentlicht, und Euronews konnte die Angaben nicht unabhängig überprüfen.

Das Papier empfiehlt, dass die EU eine abgestimmte politische Leitlinie, Investitionsförderung und einen Regulierungsrahmen für Orbit-Rechenzentren entwickelt. Außerdem sollte ein Vorzeigeprojekt in die Horizon-Europe-Moonshot-Projekte im Mehrjährigen Finanzrahmen 2028 bis 2034 aufgenommen werden. Europäische Raumfahrtakteure sollten zudem gemeinsam mit internationalen Partnern Arbeitsgruppen zu Standards und Datensouveränität einrichten.

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