Fast die Hälfte des Benzinpreises für Europas Autofahrer fließt an den Staat: Diese zehn EU-Länder erheben die höchsten Benzinsteuern.
Tanken ist in der Europäischen Union so teuer wie noch nie.
Am 14. September lag der gewichtete EU-Durchschnittspreis für Superbenzin mit 95 Oktan bei 2,063 Euro je Liter. Das ist der höchste Wert in der Statistik der EU-Kommission seit 2005.
Die Krise begann Ende Februar, als der Krieg mit Iran ausbrach und die Energieversorgung durch die Straße von Hormus ins Stocken geriet.
Vor Kriegsbeginn kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent rund 72 Dollar. Am Montag wurden Lieferungen für den Folgemonat bereits zu Preisen von über 100 Dollar gehandelt.
Zusätzlichen Druck übten die Raffinerien aus.
Die sogenannten Raffineriemargen zeigen den Abstand zwischen dem Preis für Rohöl und den Erlösen aus dem Verkauf von Benzin und Diesel.
Fachleute der Europäischen Zentralbank schätzen, dass diese Margen in der dritten Septemberwoche den Benzinpreis im Euroraum um 0,17 Euro je Liter und den Dieselpreis um 0,41 Euro je Liter nach oben getrieben haben.
Fast die Hälfte dessen, was Autofahrer an der Zapfsäule bezahlen, landet jedoch als Steuern bei den Staaten.
Steuern auf Benzin: So setzt sich der Preis zusammen
Auf Benzin fallen im Wesentlichen zwei Steuerarten an. Zunächst gibt es die Verbrauchsteuer, eine feste Abgabe je Liter, die nicht automatisch mit dem Ölpreis steigt. Manche Länder erheben zusätzlich eine CO2-Abgabe oder andere Zuschläge.
Hinzu kommt die Mehrwertsteuer, die auf den Preis nach Einrechnung dieser Abgaben fällig wird. Autofahrer zahlen damit Mehrwertsteuer auch auf die Verbrauchsteuer – eine Steuer auf die Steuer.
Im EU-Durchschnitt lagen die Steuern bei 0,976 Euro je Liter. Sie machten 47,3 Prozent des Endpreises aus. In sieben Mitgliedstaaten überschritten sie die Marke von 1 Euro je Liter.
Im Folgenden die zehn Länder mit den höchsten Steuerbelastungen pro Liter Benzin.
Platz zehn: Lettland – 0,960 Euro je Liter
Lettland hat die Verbrauchsteuer auf bleifreies Benzin im Januar von 532 auf 555 Euro je 1.000 Liter erhöht, also auf 0,555 Euro je Liter.
Eine zweite Abgabe finanziert die staatlichen Ölreserven, die jeder EU-Staat für Krisenfälle vorhalten muss. Sie beträgt 91,26 Euro je Tonne der in Lettland verkauften Mineralölprodukte, knapp sieben Cent pro Liter Benzin.
Die Mehrwertsteuer von 21 Prozent schlägt mit weiteren 0,343 Euro zu Buche.
Insgesamt zahlten Autofahrer in Lettland laut den jüngsten Meldungen 0,96 Euro Steuern je Liter.
Platz neun: Estland – 0,963 Euro je Liter
Estland erhebt eine Verbrauchsteuer von 0,593 Euro je Liter, nachdem die Abgaben im Mai 2025 angehoben wurden. Als die Preise im Frühjahr sprunghaft stiegen, verzichtete die Regierung in Tallinn auf eine für Mai 2026 vorgesehene weitere Erhöhung.
Weitere Aufschläge auf Kraftstoff gibt es nicht. Die Mehrwertsteuer von 24 Prozent erhöht den Literpreis um 0,370 Euro.
Damit summieren sich die Steuern in Estland auf 0,963 Euro je Liter – fast genau die Hälfte des Endpreises von 1,914 Euro.
Platz acht: Portugal – 0,978 Euro je Liter
Portugals wichtigste Kraftstoffsteuer, der sogenannte ISP, lag in der Woche um den 14. September bei 0,432 Euro je Liter. Darin enthalten ist der frühere Straßeninfrastrukturbeitrag, der weiterhin 8,7 Cent pro Liter Benzin ausmacht.
Der ISP wird durch einen befristeten Rabatt verringert. Er greift, sobald die Preise um mehr als zehn Cent über das Niveau von Anfang März steigen, und gibt den Autofahrern die zusätzliche vom Staat vereinnahmte Mehrwertsteuer teilweise zurück.
Eine CO2-Abgabe erhöht den Preis im Jahr 2026 um 0,159 Euro je Liter. Die Mehrwertsteuer von 23 Prozent kommt mit 0,387 Euro hinzu.
In Summe beliefen sich diese drei Posten laut dem jüngsten Bericht der EU-Kommission auf 0,978 Euro je Liter.
Platz sieben: Italien – 1,049 Euro je Liter
Italien erhebt eine Verbrauchsteuer von 0,673 Euro je Liter. Benzin und Diesel werden seit Januar mit demselben Satz besteuert, nachdem die Regierung die Abgabe auf Benzin um 4,05 Cent gesenkt und jene auf Diesel um denselben Betrag angehoben hat.
Rom hat den Dieselsatz seit Ende Juli mehrfach gesenkt, um den Preissprung abzufedern.
Für Benzin gab es keine Entlastung.
Die Mehrwertsteuer von 22 Prozent erhöht den Preis um weitere 0,376 Euro je Liter.
Der italienische Staat nimmt damit 1,049 Euro pro verkauftem Liter ein, etwas mehr als die Hälfte des Endpreises von 2,084 Euro.
Platz sechs: Frankreich – 1,052 Euro je Liter
Die französische Verbrauchsteuer auf Benzin, früher TICPE genannt, liegt seit dem 1. März bei 0,690 Euro je Liter.
Die Mehrwertsteuer von 20 Prozent schlägt mit 0,362 Euro je Liter zu.
Damit zahlen Autofahrer in Frankreich insgesamt 1,052 Euro Steuern für jeden Liter Benzin.
Platz fünf: Griechenland – 1,133 Euro je Liter
Griechenland erhebt auf bleifreies Benzin eine Verbrauchsteuer von 0,70 Euro je Liter.
Zwei kleinere Abgaben, beide als Prozentsatz des Preises berechnet, kommen mit rund 1,5 Cent hinzu: eine Gebühr für Zollabwicklung und ein Beitrag zu einem Sonderfonds für Erdölprodukte.
Die Mehrwertsteuer von 24 Prozent erhöht den Literpreis um 0,418 Euro.
Insgesamt steigt die Steuerlast damit auf 1,133 Euro je Liter, was 52,5 Prozent des Endpreises entspricht – dem höchsten Anteil unter den zehn Ländern.
Platz vier: Deutschland – 1,179 Euro je Liter
Die Energiesteuer auf Benzin in Deutschland beträgt fest 65,45 Cent je Liter. Berlin hatte sie wegen des Kriegs vom 1. Mai bis 30. Juni um 14,04 Cent gesenkt, inzwischen gilt wieder der volle Satz.
Ein CO2-Preis erhöht den Literpreis um etwa 0,148 Euro. Seit Januar versteigert der Staat Zertifikate für fossile Brennstoffe in einem Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne CO2.
Die Mehrwertsteuer von 19 Prozent, einem der niedrigsten Sätze in der EU, kommt mit 0,376 Euro je Liter hinzu.
Energiesteuer, CO2-Preis und Mehrwertsteuer summierten sich auf 1,179 Euro je Liter – rund die Hälfte dessen, was deutsche Autofahrer an der Zapfsäule zahlten.
Platz drei: Finnland – 1,193 Euro je Liter
Finnlands Kraftstoffabgabe von 0,722 Euro je Liter setzt sich aus drei Teilen zusammen: einer Steuer auf den Energiegehalt des Treibstoffs, einer CO2-Steuer und einer kleinen Gebühr zur Sicherung der Versorgung.
Im Januar hat die Regierung in Helsinki den CO2-Referenzwert, der zur Berechnung dieser Steuer dient, von 62 auf 56,8 Euro je Tonne gesenkt.
Auffällig ist jedoch die finnische Mehrwertsteuer. Mit 25,5 Prozent ist sie die zweithöchste in der EU nach Ungarn mit 27 Prozent und erhöht den Literpreis um 0,471 Euro.
Insgesamt summierten sich die finnischen Steuern laut aktuellen Daten der EU-Kommission auf 1,193 Euro je Liter.
Platz zwei: Dänemark – 1,230 Euro je Liter
Dänemark hat mit 2,564 Euro je Liter das teuerste Benzin in der EU, gehört aber nicht zu den Staaten mit den höchsten Steuern.
Vor Mehrwertsteuer summieren sich die dänischen Kraftstoffabgaben auf 5,36 Kronen je Liter, rund 0,717 Euro.
Sie bestehen aus einer Energiesteuer, einer CO2-Steuer und einer Abgabe auf Stickoxide. Allein der CO2-Anteil liegt bei 1,86 Kronen.
Die Mehrwertsteuer von 25 Prozent wird auf einen hohen Netto-Preis von 1,334 Euro erhoben. Sie erhöht den Literpreis um 0,513 Euro – das ist der höchste Mehrwertsteuerbetrag in der EU.
Damit beträgt die Steuerlast in Dänemark 1,230 Euro je Liter und wird nur noch von den Niederlanden übertroffen.
Platz eins: Niederlande – 1,270 Euro je Liter
Kein EU-Land schöpft aus einem Liter Benzin mehr Steuern ab als die Niederlande.
Die niederländische Verbrauchsteuer auf Benzin liegt im Jahr 2026 bei 844,69 Euro je 1.000 Liter und ist damit die höchste im gesamten Block. Eine zusätzliche Abgabe zur Finanzierung der nationalen Ölreserve erhöht den Preis um 0,8 Cent je Liter.
Die Mehrwertsteuer von 21 Prozent kommt mit 0,422 Euro je Liter hinzu.
Jeder in den Niederlanden verkaufte Liter Benzin war in der vergangenen Woche mit 1,270 Euro besteuert. Das entsprach 52 Prozent des Endpreises von 2,434 Euro je Liter.