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Zentralasien und Kaukasus: Firmen setzen doppelt so oft KI ein

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KI Copyright  Matt Rourke/AP Photo
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Von Galiya Khassenkhanova
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Unternehmen in der Region setzen KI immer breiter ein und testen viel, haben aber noch keine ausgereifte Strategie und klare Regeln für den Einsatz.

Unternehmen in Zentralasien und im Kaukasus (CAC) bringen Künstliche Intelligenz etwa doppelt so häufig in den Produktivbetrieb wie ihre Wettbewerber weltweit. Das geht aus einem Bericht des Beratungsunternehmens KPMG hervor.

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Nach eigenen Angaben haben 53 Prozent der befragten Unternehmen in der Region KI bereits im industriellen Maßstab eingeführt und erzielen messbare Ergebnisse in mehreren Anwendungsfeldern. Weltweit liegt dieser Anteil bei 24 Prozent.

Für den Bericht befragte KPMG mehr als 2.500 Technologieverantwortliche in 27 Ländern, darunter 40 Teilnehmende aus dem Kaukasus und 32 aus Zentralasien.

Konstantin Aushev, Partner und Leiter des Technologiebereichs bei KPMG Kaukasus und Zentralasien, verweist jedoch auf eine wichtige Einschränkung. Seiner Einschätzung nach könnten einige Befragte den Begriff „Produktivbetrieb“ sehr weit ausgelegt haben.

„Wir vermuten, dass die Befragten in unserer Region auch eher kleinteilige Fälle wie Text- und Sprachbots als Produktivbetrieb gewertet haben“, sagte Aushev gegenüber Euronews.

Trotz dieser Einschränkung ist der Fortschritt in der Region deutlich. Es gibt mehrere Beispiele für echte Großprojekte.

Seit Mitte 2025 setzt Kasachstans nationaler Telekommunikationsanbieter Kazakhtelecom KI in zahlreichen Bereichen ein: im Kundenservice und in Kontaktzentren, im Einkauf, in Personalwesen und Verwaltung, im Finanzbereich, bei regulatorischen Dokumenten, der Arbeitssicherheit und der Personalgewinnung.

„Unser Implementierungsmodell ist gemischt. Ein zentrales Team kümmert sich um Plattformen, Sicherheit, Qualität und komplexe Produkte. Für kleinere Aufgaben nutzen wir eine Plattform zur Erstellung von Agenten“, erklärte Yerzhan Assanov, KI-Verantwortlicher bei Kazakhtelecom, Euronews.

Auf der Plattform können Mitarbeitende ohne Programmierkenntnisse Anweisungen formulieren, Arbeitsunterlagen hochladen und sich einen Agenten für ihre eigenen Aufgaben zusammenstellen.

Business & Technology Services (BTS), die IT-Tochter innerhalb der Eurasian Resources Group (ERG), nutzt Computer Vision, um die Funktionsfähigkeit von Geräten auf Minenstandorten zu prüfen und um Daten in geologischen Gutachten auszuwerten.

ERG betreibt in Kasachstan Förder- und Produktionsstätten für Chrom, Eisen und Aluminium.

Warum die Region beim KI-Einsatz vorprescht

Laut KPMG setzen Unternehmen in der Region auffallend häufig auf ein vorausschauendes Ausprobieren. 44 Prozent wählen diesen Ansatz, weltweit sind es nur 21 Prozent. Das erklärt mit, warum Zentralasien und der Kaukasus in manchen Bereichen der KI-Nutzung schneller vorankommen als reifere Märkte.

Rustem Uvaliyev, Leiter der Digitalisierungsabteilung bei BTS, sagte Euronews, sein Unternehmen lasse KI-Pilotprojekte kontinuierlich laufen. Rund zehn Prozent der Pilotprojekte mit generativer KI schaffen den Sprung in den Produktivbetrieb. Bei „klassischer KI“ wie Machine Learning und Computer Vision liegt die Quote bei etwa 80 Prozent.

Nach Angaben von Kazakhtelecom startet das Unternehmen fast jeden Monat Pilotprojekte mit neuen KI-Lösungen. Für belastbare Aussagen darüber, wie viele davon später im industriellen Betrieb landen, sei es aber noch zu früh.

Assanov erklärte, man prüfe derzeit vor allem, wie zuverlässig die Lösungen mit echten Daten funktionieren, wie die Mitarbeitenden sie nutzen und was vor einer breiten Einführung noch angepasst werden muss.

„Wir testen Szenarien jeweils mit einer klar verantwortlichen Person für den Prozess, die bereit ist, die Lösung im Unternehmen voranzubringen und ihren geschäftlichen Nutzen eindeutig zu bewerten“, fügte er hinzu.

BTS hat zudem eine Self-Service-Plattform namens FAIR entwickelt, über die Mitarbeitende mit Hilfe generativer KI digitale Agenten erstellen können.

„Nach einer kurzen Schulung kann jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter in einer Testumgebung einen digitalen Assistenten bauen. Nach der Erprobung werden die vielversprechendsten Fälle in den Produktivbetrieb überführt“, sagte Uvaliyev.

Beide Unternehmen testen außerdem sogenannte Vibecoding-Plattformen. Dort beschreibt die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter die gewünschte Lösung in Alltagssprache und kann sie schnell zusammenstellen – ohne Server, Domains oder technische Infrastruktur selbst aufzusetzen. Das könnte langfristig den Fachkräftemangel abfedern.

Pilotprojekte: Region agiert selektiv

Im Vergleich zu Unternehmen weltweit wirkt der KI-Ansatz in der Region insgesamt deutlich gezielter.

Konstantin Aushev erinnert daran, dass der Umgang mit KI vor wenigen Jahren noch deutlich chaotischer war. Unternehmen überboten sich damals mit der Zahl angeblich gestarteter KI-Anwendungsfälle. Diese „Brown’sche Bewegung“ lasse inzwischen jedoch nach.

„Ganz verschwunden ist das Chaos nicht. Aber es gibt heute ein viel klareres Verständnis, wo wir Künstliche Intelligenz wirklich brauchen – und wo nicht“, sagte er.

Das deckt sich mit der KPMG-Erhebung: 43 Prozent der Unternehmen in der Region setzen auf eine „schnelle, aber selektive Anpassung“. Weltweit verfolgen nur 36 Prozent diesen Kurs.

Nach Assanovs Worten ist Kazakhtelecom im vergangenen Jahr deutlich mutiger geworden.

„Wir starten Experimente früher und prüfen sie schneller an echten Aufgaben“, sagte er.

Zugleich analysiere man die betroffenen Prozesse inzwischen im Vorfeld und lege strengere Qualitätsmaßstäbe an, fügte er hinzu.

Uvaliyev betonte hingegen, der „Hype und Druck“ rund um KI halte an. Für eine sinnvolle Skalierung sei wichtig zu erkennen, dass KI kein Allheilmittel ist, sondern nur dort ausgebaut werden sollte, wo sie tatsächlich gebraucht wird.

„Ein weiteres Problem ist der Versuch, KI zu skalieren, ohne die Kosten zu prüfen. Viele große internationale Unternehmen haben diese Erfahrung bereits gemacht und beginnen, ihre Initiativen nüchterner zu bewerten“, sagte er.

Aushev führt die schnelle KI-Einführung in der Region auch auf den vergleichsweise hohen Digitalisierungsgrad zurück. Viele Unternehmen verfügen bereits über die nötige Infrastruktur und Erfahrung, um ihre Systeme mit Datenbeständen und externen Quellen zu verbinden. Dadurch lassen sich KI-Funktionen leichter in bestehende Dienste integrieren.

KI-Strategie: Paradox in der Region

Obwohl die Region deutlich experimentierfreudiger ist, wird längst nicht aus jedem Versuch eine unternehmensweite Transformation.

Nur 34 Prozent der CAC-Unternehmen geben an, eine klare, konzernweit gültige KI-Strategie zu haben, die mit den Geschäfts- und Technologiezielen abgestimmt ist. Weltweit sagen das 76 Prozent. Eine bereichsübergreifende Struktur für KI-Governance existiert in der Region erst bei 25 Prozent der Unternehmen; global sind es 69 Prozent.

Für Aushev gehört dies zu den paradoxesten Ergebnissen der Studie: Unternehmen setzen KI deutlich häufiger ein als im globalen Durchschnitt, haben aber viel seltener festgelegt, wie sie den Einsatz steuern und weiterentwickeln wollen.

„Ähnlich sieht es bei den bestehenden Mechanismen zur KI-Steuerung aus. Nur ein Viertel der Unternehmen in unserer Region gibt an, solche Regeln bereits zu haben, und noch weniger können den Return on Investment ihrer KI-Projekte klar beziffern“, ergänzte er.

Der Studienautor weist jedoch darauf hin, dass viele Unternehmen seit Abschluss der Befragung erkannt haben, wie wichtig ein systematischer Ansatz ist. Sie beginnen, Richtlinien, Regeln und Verfahren für den KI-Einsatz zu erarbeiten.

Ein ähnlicher Wandel zeige sich auf staatlicher Ebene, fügte er hinzu: Kasachstan führt schrittweise mehr formelle Vorgaben für Künstliche Intelligenz und die digitale Wirtschaft ein.

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