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Nach schweren Unwettern: Neue Warnung vor Starkregen

Eine Gewitterwolke zieht am Mittwoch, den 19. August 2026, über Lich im Landkreis Gießen in Mittelhessen, Deutschland.
Eine Gewitterwolke zieht am Mittwoch, den 19. August 2026, über Lich im Landkreis Gießen in Mittelhessen, Deutschland. Copyright  AP Photo
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Von Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am
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Deutschland kommt nach heftigen Unwettern nicht zur Ruhe. Schwere Gewitter haben in mehreren Regionen für Verwüstungen gesorgt, mindestens zwei Menschen kamen ums Leben. In Hessen und Brandenburg wurden zudem Tornados bestätigt.

Die nächste Unwetterlage ist im Anmarsch: Vor allem im Südosten Deutschlands können am Freitag erneut schwere Gewitter mit Starkregen, Hagel und stürmischen bis orkanartigen Böen auftreten. Örtlich können innerhalb kurzer Zeit große Mengen zusammenkommen – mit der Gefahr von Überflutungen und vollgelaufenen Kellern.

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Nach den schweren Unwettern der vergangenen Tage bleibt die Situation damit vorerst angespannt – insbesondere dort, wo Gewitter erneut sehr langsam ziehen und in kurzer Zeit große Regenmengen abladen können.

Wir sprachen mit dem Diplom-Meteorologen Dominik Jung.

Euronews: Wie gefährlich ist die aktuelle Wetterlage tatsächlich – und wo drohen die stärksten Unwetter?

Dominik Jung: Der Schwerpunkt liegt heute klar im Süden. Der DWD hat amtliche Warnungen ausgegeben, besonders an den Alpen und im Alpenvorland sind Unwetter möglich – mit heftigem Starkregen von 25 bis 40 l/m², Hagel um drei Zentimeter und schweren Sturm- bis Orkanböen von 100 bis 120 km/h.

Im südlichen Baden-Württemberg und im Allgäu können gebietsweise 20 bis 40 l/m² in sechs bis neun Stunden fallen, unwetterartig auch über 40 l/m². Im Raum Ravensburg galt zwischenzeitlich eine akute Unwetterwarnung. Für den Südosten (u. a. Niederlausitz/Brandenburg) lief am Nachmittag eine Vorabinformation vor schwerem Gewitter.

Euronews: Warum gerade jetzt so heftige Gewitter?

Dominik Jung: Auslöser ist eine Südwestlage: Am Rand eines umfangreichen Tiefdrucksystems über Nordeuropa strömt mäßig warme bis warme Atlantikluft ein, der wechselhafte Charakter setzt sich fort. Dazu kommt als Feuchtequelle das rekordwarme Mittelmeer – viel Wasserdampf, viel latente Energie. Genau diese Konstellation kann zeitweise eine sogenannte Vb-ähnliche Wetterlage begünstigen – mit lokal sehr hohen Regensummen.

Euronews: Überflutungen und Hochwasser stehen also bevor – in welchen Regionen?

Dominik Jung: Lokale Überflutungen ja, flächiges Flusshochwasser eher nein. Gefährdet sind heute vor allem der Alpenrand, Oberschwaben/Allgäu und Teile Bayerns, punktuell der Südosten. Es geht um Sturzfluten und vollgelaufene Unterführungen/Keller, nicht um eine großräumige Ahr-artige Lage.

Euronews: Zum Glück. Welche Rolle spielt die Hitze der vergangenen Tage bei der aktuellen Unwetterlage?

Dominik Jung: Eine doppelte Rolle. Die warme Luftmasse und das heiße Mittelmeer liefern den Wasserdampf-Nachschub für kräftige Zellen. Die ausgetrockneten Böden können nach Wochen der Trockenheit den Starkregen kaum aufnehmen – ein Teil des Wassers fließt oberflächlich ab, statt zu versickern, was Sturzfluten begünstigt.

Euronews: Wie ungewöhnlich ist die aktuelle Wetterlage für Ende August?

Dominik Jung: Nicht wirklich ungewöhnlich – Südwestlagen mit eingelagerten Gewittern sind Ende August klassisch. Das eigentlich Bemerkenswerte 2026 ist der Kontext dahinter: ein extrem warmer, trockener Sommer (die Augustanomalie lag zeitweise mehrere Grad über dem Mittel) plus ein rekordwarmes Mittelmeer, was die Intensität und das Starkregen-Risiko der einzelnen Zellen anhebt.

Euronews: Ist nach den Gewittern und dem Starkregen in den kommenden Tagen eine weitere Unwetterwelle zu erwarten?

Ab Mittwoch steht wieder eine deutlich zunehmende Gewitterneigung bevor
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe

Dominik Jung: Kurzfristig rechnen wir mit einer Beruhigung: Am Samstag werden vor allem in der Mitte noch einzelne Gewitter mit Starkregen erwartet, am Sonntag an der nordfriesischen Küste anfangs stürmische Böen. Am Montag voraussichtlich kein signifikantes Wetter. Dann aber die nächste Runde: ab Mittwoch steht wieder eine deutlich zunehmende Gewitterneigung bevor, am Mittwoch im Westen, ab Donnerstag im ganzen Land – eine schwere Gewitterlage zum Ende der Woche ist nicht ausgeschlossen.

Euronews: Und darüber hinaus, steht uns eventuell noch eine neue Hitzewelle bevor?

Dominik Jung: Eine echte Hitzewelle (35 Grad+) zeichnet sich nicht ab, eher spätsommerlich-warmes Wetter. Nach der Abkühlung steigen die Höchstwerte laut dem DWD-10-Tage-Trend von 22 bis 28 Grad am Dienstag auf 25 bis 33 Grad am Donnerstag. Danach beruhigt sich das Wetter zwischenzeitlich, die Temperaturen können wieder über 30 Grad klettern – die Frage ist, wie lange das Sommerwetter bleibt.

Euronews: Kann man schon etwas für September hervorsagen?

Dominik Jung: Nur die Grobtendenz, keine Tagesdetails. Die Langfristmodelle (ECMWF wie NOAA) sehen einen Temperaturüberschuss von rund 1 Grad, im Süden/Südwesten teils mehr, dazu eine durchschnittliche bis unterdurchschnittliche Regenverteilung – die Dürre entspannt sich zunächst also nicht. Ob ein goldener Spätsommer mit 28 bis 30 Grad kommt oder die atlantische Frontalzone wechselhaft-kühleres Wetter durchsetzt, hängt an einem Blockadehoch über den nördlichen Breiten – kippt es, übernimmt der Atlantik. Belastbar ist derzeit nur die Wärmetendenz, nicht der Ablauf.

Euronews: Was ist bei einer plötzlich aufziehenden Gewitterzelle die wichtigste Verhaltensregel für Menschen im Freien?

Dominik Jung: Sofort ein geschlossenes Gebäude oder ein Auto aufsuchen. Freie Flächen, Anhöhen, einzelne Bäume und Gewässer meiden – dort ist das Blitzschlagrisiko am größten. Und nicht unter den nächstbesten Einzelbaum flüchten!

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