Eine internationale Szene von digitalen Nomadinnen und Nomaden zieht es nach Bansko: Co-Working-Spaces, gehobene Lokale und ein sportliches Leben locken.
Der Klimawandel setzt den berühmten Skipisten von Bansko zu. Doch der bulgarische Ferienort hat eine Ganzjahreslösung gefunden, die die lokale Wirtschaft ankurbelt – und eine kosmopolitische Gemeinschaft digitaler Nomadinnen und Nomaden anzieht.
In den vergangenen Jahren sind in der Stadt drei Zentren mit Hunderten von Coworking-Arbeitsplätzen für Online-Beschäftigte entstanden. Möglich machen das schnelles Internet und eine deutlich verbesserte Infrastruktur.
„Ich habe gelesen, dass dies der beste Ort ist, um als Digitalnomade zu starten“, sagt der fünfundzwanzigjährige Däne Oscar Train, der seit 2021 etwa sechs Monate im Jahr von Bansko aus arbeitet. „Ich bin hergekommen, um zu lernen, wie das funktioniert, und um Menschen mit ähnlichen Interessen zu treffen“, erzählt er. „Hier sind Leute aus aller Welt, mit ganz unterschiedlichen Berufen.“
Train ist in Großbritannien aufgewachsen und arbeitet dort für eine Versicherung. In Bansko zahlt er rund fünfzehn Prozent Steuern, inklusive Sozialabgaben. In Großbritannien wären es nach seinen Angaben fünfundvierzig Prozent – ohne Sozialbeiträge.
Am meisten zählt für ihn jedoch der Lebensstil.
Im Winter beginnt er seinen Tag dank des Zeitunterschieds von einer Stunde zu London mit zwei Stunden Skifahren. Bansko verfügt über rund fünfundsiebzig Pistenkilometer, auf denen bereits Weltcup-Rennen stattgefunden haben. Danach klopft er den Schnee von der Jacke und setzt sich an den Schreibtisch.
Auch im Sommer kommt er auf seine Kosten. Dann steht ein dichter Kulturkalender an, inklusive Veranstaltungen speziell für Menschen wie ihn – etwa das einwöchige Nomad Fest, das den „Remote Lifestyle“ mit gemeinschaftlichen Aktivitäten und Networking feiert.
„Erhebliche“ wirtschaftliche Auswirkungen
Bansko liegt inmitten der Karstgipfel des Pirin-Gebirges. Wer vom Bildschirm aufblickt, sieht den fast dreitausend Meter hohen Berg Wichren, der über der Stadt aufragt.
Rund um die Stadt mit etwa zehntausend Einwohnerinnen und Einwohnern liegen Thermalquellen. Bis zur Hauptstadt Sofia sind es gut zwei Stunden mit dem Auto, zur griechischen Küste rund zweieinhalb.
Neben den noch relativ neuen Coworking-Spaces haben sich schicke Restaurants und Cafés zwischen den Steinhäusern und Kopfsteinpflastergassen angesiedelt. Ein Radweg ist im Bau.
Banskos Bürgermeister Stojtscho Banenski kann nicht genau sagen, wie viele Ausländerinnen und Ausländer inzwischen hier leben. Ihr wirtschaftlicher Beitrag sei aber „erheblich“, betont er – zumal der Klimawandel den Wintersport zunehmend erschwere.
Der Tourismus habe der lokalen Wirtschaft nach dem Stillstand in der Covid-Pandemie zu einem kräftigen Comeback verholfen, heißt es in einem Bericht vom Februar des in Sofia ansässigen Thinktanks Institut für Marktwirtschaft. Die Ankunft vieler ausländischer Gäste und Neuankömmlinge habe zudem die starken saisonalen Schwankungen bei den Einnahmen abgefedert.
„Doch vielleicht am wichtigsten ist der Wandel, den sie bringen“, sagt Banenski, der hauptberuflich als Bergretter arbeitet. „Es ist enorm wichtig, dass Menschen aus aller Welt hier leben und wir Ideen, Meinungen und unterschiedliche Blickwinkel auf die Welt austauschen können.“
„Die Stadt ist international geworden“
Viele Menschen, die Bansko zunächst nur als Reisende entdeckten, sind geblieben. Heute leben Hunderte von Familien aus aller Welt in der Stadt.
Das französische Paar Anne Dupal (47) und Christian Rudnicki (53), beide ehemalige Grafikdesigner, hat Anfang 2022 nach dem Umzug nach Bansko eine Mikro-Bäckerei eröffnet.
Bansko habe sich seit ihrer Ankunft deutlich gewandelt, erzählt Dupal: „Früher gab es grelle Lichter wie vor einem Sexclub, Techno-Musik und Anwerber vor den Restaurants.“
Heute schätzt Rudnicki das starke Gemeinschaftsgefühl im Ort. „Es ist wunderbar, wenn die Großmutter von nebenan vorbeikommt und mir Tomaten oder Kräuter bringt – und ich kurz darauf eine indonesische Familie in der Bäckerei treffe“, sagt er.
Die Kehrseite: Die Lebenshaltungskosten sind gestiegen, ebenso die Immobilienpreise.
„Es gibt eine Gentrifizierung, die leider, glaube ich, auch mit Menschen wie uns zu tun hat – aber ebenso mit vielen Bulgarinnen und Bulgaren, die die Großstädte verlassen“, meint Dupal.
Manche Einheimische freuen sich allerdings über die bessere Infrastruktur und die lebendige Atmosphäre.
„Die Stadt hat sich verändert – sie ist international geworden“, sagt der neunundzwanzigjährige Skibergsteiger Nikola Kalistrin, der in Bansko geboren und aufgewachsen ist. „Die jungen Leute profitieren davon.“
So wird man Digitalnomade in Bulgarien
Neben der guten Lage als Basis für Reisen durch Europa ist Bulgarien auch gut auf die Laptop-Gemeinde vorbereitet. Seit Dezember 2025 gibt es ein Digitalnomaden-Programm. Es richtet sich an Bürgerinnen und Bürger aus Staaten außerhalb der EU, des EWR und der Schweiz, die in Bulgarien leben möchten, aber aus der Ferne für Arbeitgebende oder Kundschaft mit Sitz im Ausland arbeiten.
Bewerberinnen und Bewerber müssen in eine von drei Gruppen fallen: Remote-Beschäftigte von Unternehmen mit Sitz außerhalb der EU, des EWR und der Schweiz; Eigentümerinnen, Eigentümer oder Anteilseignerinnen und -eigner, die mindestens fünfundzwanzig Prozent einer im Ausland registrierten Firma halten; oder Freiberuflerinnen, Freiberufler und selbständige Fachkräfte, die seit mindestens einem Jahr vor der Antragstellung Dienstleistungen für nichtbulgarische Kundschaft erbringen.
Sie müssen zudem ausreichende finanzielle Mittel nachweisen. Die Einkommensgrenze liegt beim fünfzigfachen bulgarischen monatlichen Mindestlohn. Dieser beträgt derzeit 620 Euro im Monat, erforderlich ist also ein Jahreseinkommen von rund 31.000 Euro. Zusätzlich müssen Antragstellende zeigen, dass dieses Einkommen aus Quellen außerhalb Bulgariens stammt.
So läuft die Bewerbung für das Digitalnomaden-Programm
Das Antragsverfahren besteht aus zwei Schritten. Zunächst müssen Interessierte bei der bulgarischen Botschaft oder dem Konsulat im Wohnsitzstaat ein nationales Visum vom Typ D beantragen. Die Bearbeitung dauert in der Regel zwischen vier und acht Wochen. Mit diesem Visum können sie nach Bulgarien einreisen, um dort einen Antrag auf langfristigen Aufenthalt zu stellen.
Nach der Einreise müssen sie in der Regel innerhalb von vierzehn Tagen bei den örtlichen Migrationsbehörden eine Aufenthaltserlaubnis als Digitalnomade beantragen. Dafür sind in der Regel folgende Unterlagen nötig: ein Nachweis über eine Unterkunft in Bulgarien (Mietvertrag, Hotelbuchung oder Eigentumsnachweis), Belege über ein Einkommen oberhalb der Mindestgrenze, eine gültige Krankenversicherung für Bulgarien, ein Führungszeugnis aus dem Wohnsitzstaat sowie beglaubigte Übersetzungen ausländischer Dokumente ins Bulgarische, gegebenenfalls mit Apostille.
Die Aufenthaltserlaubnis wird üblicherweise für ein Jahr erteilt und kann verlängert werden, wenn die Voraussetzungen weiterhin erfüllt sind.