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Kreuzfahrtbuchungen bleiben trotz Krankheitsausbrüchen an Bord hoch

Das Kreuzfahrtschiff MV Hondius
Das Kreuzfahrtschiff MV Hondius Copyright  AP Photo/Misper Apawu
Copyright AP Photo/Misper Apawu
Von Michael Starling & AP
Zuerst veröffentlicht am
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Branchenexperten rechnen trotz der Vorfälle nicht mit einem Rückgang der Nachfrage; Reedereien erwarten weltweit weiterhin Rekordzahlen in diesem Jahr.

Kreuzfahrten bleiben auch 2026 eine gefragte Urlaubsform. Millionen Menschen wollen in diesem Jahr in See stechen. Daran ändern auch eine Reihe von Krankheitsfällen an Bord nichts, obwohl sie weltweit Schlagzeilen machen.

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Jüngste Ausbrüche des Hantavirus und des Norovirus auf Kreuzfahrtschiffen haben viele Passagiere verunsichert. Auf der MV Hondius starben nach einem Stopp in Argentinien drei Reisende, zudem kam es zu einem Norovirus-Ausbruch auf einem britischen Kreuzfahrtschiff im Hafen von Bordeaux in Frankreich.

Branchenvertreter und Reiseexperten rechnen dennoch nicht mit einem Einbruch der Nachfrage. Die Reedereien sagen für dieses Jahr weltweit erneut Rekordzahlen voraus.

Rob Kwortnik, außerordentlicher Professor an der Nolan School of Hotel Administration der Cornell University, der die Kreuzfahrt-Branche seit Langem beobachtet, sagt, der typische Kreuzfahrtgast scheine gegenüber solchen Meldungen „ein Stück weit teflonbeschichtet“ zu sein.

In ihrem im April veröffentlichten Bericht „State of the Cruise Industry Report 2026“ schätzt der Branchenverband Cruise Lines International Association (CLIA), dass in diesem Jahr 38,3 Millionen Menschen mit Hochseeschiffen unterwegs sein werden. Das wären vier Prozent mehr als der bisherige Rekord von 37,2 Millionen Passagieren im vergangenen Jahr.

Genaue Branchenumsätze halten die Unternehmen weitgehend unter Verschluss. Auf mögliche Folgen der Ereignisse an Bord der MV Hondius wollte CLIA auf Anfrage nicht eingehen und weder zu Buchungen noch zu Stornierungen Stellung nehmen. Mehrere große Reedereien wie Royal Caribbean, Norwegian und Carnival beantworteten Fragen der Nachrichtenagentur Associated Press zur Kundennachfrage gar nicht.

Oceanwide Expeditions, das niederländische Unternehmen, dem die MV Hondius gehört, sieht keinen Anlass, seine Abläufe zu ändern. Am 29. Mai soll von Keflavík in Island eine weitere Kreuzfahrt starten.

Erfahrene Kreuzfahrtgäste lassen sich von dem Ausbruch nicht beirren.

„Ich habe acht Kreuzfahrten gebucht und werde ganz sicher noch eine weitere buchen“, sagt Jenni Fielding, die unter dem Namen Cruise Mummy bloggt und in sozialen Medien Videos über Kreuzfahrtreisen veröffentlicht. „Kreuzfahrten sind so sicher wie jede andere Urlaubsform, solange Reisende vernünftige Gesundheitsempfehlungen beachten und die offiziellen Hinweise verfolgen.“

Der Hospitality-Influencer Scott Eddy ist derzeit selbst auf einer Kreuzfahrt und liegt mit dem Schiff in Monaco. Mitreisende hätten den Hantavirus-Ausbruch bislang nicht angesprochen, sagt er. „Der durchschnittliche Urlauber versteht, dass dies eine isolierte gesundheitliche Situation ist und nichts, was speziell für Kreuzfahrten gilt“, sagt Eddy.

Die Buchungsplattform CruiseCompete.com, auf der Reisende Angebote von Reisebüros für ihre Urlaubsplanung vergleichen können, verzeichnete in der ersten Hälfte des Mai 31,7 Prozent mehr gebuchte Kabinen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie Geschäftsführer Bob Levinstein sagt.

„Ich kann mit Sicherheit sagen, dass wir keinen Rückgang der Nachfrage festgestellt haben“, so Levinstein. Noroviren, ein äußerst ansteckender Magen-Darm-Erreger, der in dicht gedrängten Umgebungen besonders gute Bedingungen findet, werden seiner Meinung nach in den Köpfen vieler US-Amerikaner stark mit Kreuzfahrten verknüpft, weil die Gesundheitsbehörde CDC vorschreibt, dass Schiffe einen Ausbruch melden müssen, sobald drei Prozent oder mehr der Passagiere Symptome angeben.

Auf einem Schiff mit 5 000 Passagieren fällt eine Erkrankung, von der drei Prozent betroffen sind, „der großen Mehrheit der Urlauber völlig nicht auf – und erfahrene Kreuzfahrer wissen das“, sagt er.

Das Kreuzfahrtschiff Ambition
Das Kreuzfahrtschiff Ambition AP PhotoAP Photo/Caroline Blumberg

Aktuelle Nachrichten beeinflussen die Entscheidung von Gästen für oder gegen eine Kreuzfahrt nur selten, sagt Kwortnik. Die meisten Reisen buchen sie mindestens sechs Monate, oft sogar ein Jahr im Voraus. „Wer heute eine Kreuzfahrt bucht, denkt bereits an den nächsten Urlaub“, sagt er.

In einer Telefonkonferenz mit Investoren erklärte die in der Schweiz ansässige Reederei Viking, die Nachfrage nach ihren Flusskreuzfahrten habe in den ersten drei Monaten dieses Jahres kurz nach Beginn des Kriegs im Iran leicht nachgelassen, sich dann aber schnell wieder erholt.

Viking zufolge sind bereits 92 Prozent der Kreuzfahrten für 2026 und 38 Prozent der Reisen für 2027 gebucht. Hantavirus oder Norovirus erwähnte das Unternehmen nicht.

Andrew Coggins, Kreuzfahrtanalyst und Professor an der Lubin School of Business der Pace University in New York, sagt, selbst wenn manche Reisende, die demnächst an Bord gehen, durch die jüngsten Meldungen verunsichert seien, bekämen sie ihr Geld in der Regel nicht zurück.

„Ich denke, wenn es überhaupt Auswirkungen auf die Nachfrage gibt, dann eher langfristig“, sagt er. „Wer in den nächsten paar Monaten auf Kreuzfahrt geht, ist längst über den Zeitpunkt hinaus, an dem er sein Geld zurückerhält.“

Coggins ist der Ansicht, dass die Hantavirus-Geschichte deshalb so viel Aufmerksamkeit auf sich zog, weil sie viele an die Diamond Princess erinnerte. Das Schiff lag Anfang 2020 zwei Wochen lang vor Japan in Quarantäne, nachdem an Bord das Coronavirus entdeckt worden war, das sich später zu einer weltweiten Pandemie entwickelte.

Die COVID-19-Pandemie traf die Kreuzfahrtbranche mit voller Wucht und zwang viele kleinere Anbieter zur Aufgabe. Erst 2022 nahmen die Passagierzahlen wieder Fahrt auf, sagt Coggins.

Laut CLIA kommen aus China und Japan bis heute weniger Kreuzfahrtpassagiere als vor COVID. In anderen Regionen hingegen boomt die Nachfrage, so Coggins.

„Bis 2037 sind neue Schiffe bestellt“, sagt er. „Die Reedereien sind optimistisch. Sie rechnen mit weiter wachsender Nachfrage und wollen mit neuen Attraktionen, neuen Häfen und neuen Zielen punkten.“

Ein Grund für das Wachstum ist die breite Anziehungskraft von Kreuzfahrten über Generationen und Einkommensgruppen hinweg. In einer aktuellen US-Umfrage stellte die Bank of America fest, dass Befragte der Generation Z und Millennials am ehesten angaben, in den nächsten zwölf Monaten eine Kreuzfahrt zu planen.

Die Umfrage ergab zudem, dass Haushalte mit niedrigerem Einkommen mehr Geld für Kreuzfahrten ausgaben, obwohl sie gleichzeitig weniger für Flugtickets und Unterkünfte ausgaben. Reedereien werben seit einigen Jahren gezielt um diese Gäste mit kürzeren und günstigeren Routen.

Kwortnik sagt, Kreuzfahrten böten Reisenden viel Gegenwert für ihr Urlaubsgeld. „Im Durchschnitt kostet es mehr, nur in einem Hotel in Miami zu übernachten, als auf einem Schiff ab Miami in See zu stechen, und in der Kreuzfahrt sind Unterkunft, mehrere Ziele, Essen, Unterhaltung und Transport bereits im Preis enthalten.“

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