Der Tourismus in Südostasien erholt sich gerade erst von der Pandemie. Doch hohe Treibstoffpreise, Flugchaos und die Iran-Krise könnten die Nachfrage im wichtigen Sommergeschäft ausbremsen.
Günstige Flüge, einfache Hostels und traumhafte Strände haben Südostasien zu einer der widerstandsfähigsten Reiseregionen der Welt gemacht.
Jetzt gerät dieses Image ins Wanken, weil die Folgen des Iran-Konflikts die globalen Energiemärkte erschüttern.
Steigende Ticketpreise und Treibstoffkosten, sinkende Besucherzahlen in tourismusabhängigen Ländern wie Thailand, Vietnam und Kambodscha: Die Region erlebt, wie anfällig der Sommerreiseverkehr für weit entfernte Krisen bleibt.
Ob die bevorstehende Hochsaison im Sommer stabil verläuft, ist unklar. Die Unsicherheit über einen Waffenstillstand führt weiter zu Flugstreichungen und höheren Preisen.
Region im Aufschwung gerät ins Wanken
Der Tourismus in Asien hat sich von der Covid-19-Pandemie noch nicht vollständig erholt. Die Krise traf die Region besonders hart.
Nur wenige Jahre später kämpft Südostasien nun mit den Folgen des andauernden Kriegs für die weltweite Energieversorgung und die Preise.
Der Tourismus ist für viele Entwicklungsländer eine wirtschaftliche Lebensader. In Thailand steuert er fast 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bei, in Vietnam sind es knapp 9 Prozent; in Kambodscha sichert die Branche Millionen Arbeitsplätze.
Doch zuletzt meldete das thailändische Ministerium für Tourismus und Sport einen Rückgang der Besucherzahlen im April um sieben Prozent im Jahresvergleich. Die Zahl der Gäste aus Europa brach sogar um fast 16 Prozent ein, die aus dem Nahen Osten um 57 Prozent.
Im Nachbarland Kambodscha meldet die Tourismusbehörde einen Einbruch in der beliebten Stadt Siem Reap: In den ersten vier Monaten 2026 sank die Zahl der registrierten internationalen und inländischen Gäste im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 37,5 Prozent.
Reisende bringen zudem dringend benötigte Devisen in importabhängige Volkswirtschaften wie die Philippinen und Nepal.
Expertinnen und Experten warnen, der Konflikt entscheide darüber, welche Tourismusbetriebe lange genug durchhalten, um später von einer Rückkehr der Gäste zu profitieren.
„Dass erst die Pandemie und nun, innerhalb von fünf Jahren, der Krieg über den Sektor hereinbrechen, ist verheerend für die Tourismusbranche“, sagte Jitsai Santaputra von der Energieberatungsfirma The Lantau Group der Nachrichtenagentur Associated Press (AP).
Iran-Krieg treibt Reisekosten in die Höhe
Knappheit und hohe Preise für Kerosin zwingen Vietnam Airlines, die in Malaysia ansässige AirAsia-Gruppe, Cathay Pacific aus Hongkong und andere Airlines dazu, Flüge zu streichen oder ihre Flugpläne umzubauen.
Auch europäische Fluggesellschaften, die Reisende oft über den Nahen Osten nach Asien bringen, geraten durch ähnliche Probleme unter Druck.
Zu Beginn des Kriegs führten Luftraumsperrungen über dem Persischen Golf und zeitweise geschlossene Flughäfen dazu, dass wichtige Umsteigeknoten für Asienflüge wegfielen. Viele Maschinen müssen nun längere und damit teurere Routen fliegen.
Gleichzeitig sind die Flugpreise stark gestiegen und bleiben auf hohem Niveau. Airlines wie Air India und Cathay Pacific haben die Treibstoffzuschläge drastisch erhöht, oft auf das Doppelte früherer Sätze.
Das verunsichert viele Kundinnen und Kunden, erklärte Lavinia Lau, Chief Customer and Commercial Officer von Cathay, der AP.
Reisende buchen ihre Tickets inzwischen deutlich kurzfristiger als früher, sagte sie; ein klares Zeichen für große Unsicherheit.
In Südostasien selbst setzen die höheren Spritpreise auch Taxi- und Fahrdienstfahrerinnen und -fahrer in touristischen Regionen unter Druck; viele melden seit Beginn des Kriegs deutlich geringere Gewinne.
Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen warnt, höhere Flugpreise und schwindendes Vertrauen ins Reisen könnten in Ländern, in denen der Tourismus ein zentraler Job- und Devisenmotor ist, rasch auf die Einkommen der Haushalte und die Staatsfinanzen durchschlagen.
Reisen seien oft der erste Posten, an dem Menschen bei einer wirtschaftlichen Flaute sparen, sagt Le Tuyet Lan, die in Vietnams Städten Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt mehrere Bed-and-Breakfasts betreibt.
In Krisenzeiten wechseln Luxusreisende meist in die Mittelklasse, Mittelklasse-Gäste in Budgethotels, und das unterste Preissegment wird am verletzlichsten, erklärt sie.
„Das bringt die gesamte Branche durcheinander“, sagte Le Tuyet Lan der AP.