Die mittelalterliche Stadt Budva, ihre Strände, das lebhafte Nachtleben und Orte wie Sveti Stefan machen Montenegros Küste zu einem neuen Adriatik-Hotspot. Doch der Boom legt auch Probleme offen, die das Land noch lösen muss.
Etwas wirkt irritierend und zugleich faszinierend an der Fahrt mit dem Auto nach Budva im Hochsommer. Zur einen Seite liegt der Adriatische, überraschend ruhig, leuchtend blau und klar. Zur anderen Seite steigen fast direkt hinter der Küste die Berge Montenegros auf. Dazwischen schlängelt sich eine Küstenstraße, die im Juli und August die Menge an Autos, Bussen und reisenden Urlaubern kaum bewältigt. Sie steuern eines der Ziele an, das in dieser Ecke Europas gerade besonders schnell an Aufmerksamkeit gewinnt.
Budva steht exemplarisch für diesen Wandel. Die Stadt verbindet eine mittelalterliche, von Mauern umgebene Altstadt mit Stränden, Hotels, Restaurants, Terrassen und einem intensiven Nachtleben. In den Sommermonaten füllen Touristinnen und Touristen die Straßen. Sobald die Sonne untergeht, verändert ein großer Teil der Uferpromenade spürbar seinen Charakter.
Musik, Bars, volle Terrassen und Gruppen junger Leute, die bis tief in die Nacht durch die Stadt ziehen, schaffen eine Atmosphäre, die manchen spanischen Reisenden einer bestimmten Generation verblüffend vertraut vorkommt.
Hier fühlt sich jeder Tag wie Urlaub an: Musik dringt aus den Lokalen, die Terrassen sind überfüllt, Restaurants und Diskotheken sind gut besucht, Familien spazieren am Meer entlang und junge Menschen wollen die Nacht möglichst lange ausdehnen.
Es ist die andere Seite Montenegros, im Kontrast zu den ruhigen Bildern seiner Berge, Buchten und kleinen Küstenorte.
Und doch reicht ein kurzer Spaziergang, um in eine völlig andere Welt zu wechseln. Das Herz Budvas bleibt der Stari Grad, die Altstadt. Hinter den Mauern öffnet sich ein Netz enger Steingassen, kleiner Plätze, Kirchen, Restaurants und Geschäfte – ein Hinweis auf die lange Geschichte eines Ortes, der zu den ältesten Siedlungen am Adriatischen zählt.
Ein Rundgang in der Abenddämmerung macht diese Doppelrolle sichtbar, die viel vom touristischen Erfolg Budvas erklärt: Vormittags am Strand liegen, nachmittags eine mittelalterliche Stadt erkunden und den Tag bei einem Abendessen oder einem Drink in einer Ferienstadt ausklingen lassen, die im Sommer kaum zur Ruhe kommt.
Große Hotelketten setzen auf Budva
Der Aufschwung Budvas und der montenegrinischen Küste ist auch den großen internationalen Hotelketten nicht entgangen. Unter ihnen die spanische Gruppe Iberostar, die ihr Engagement in einem Land ausbaut, das sich als neuer Adriatiktourismus-Hotspot etablieren möchte.
Der Konzern betreibt derzeit vier Hotels in Montenegro, zwei davon in Budva. Das ist eine beachtliche Präsenz in einem Markt, der im Vergleich zu anderen großen Mittelmeerzielen noch klein wirkt, aber für internationale Gäste zunehmend attraktiv wird.
Ein Beispiel für diese Strategie ist das Iberostar Waves Slavija 5*, rund eineinhalb Kilometer von der Altstadt Budvas entfernt. Auf der Dachterrasse mit Infinity-Pool und Rooftop-Bar eröffnet sich ein weiter Blick über die Stadt, den Adriatischen und die Bergkette, die diesen Küstenabschnitt rahmt.
Die Rolle von Iberostar geht aber über ein einzelnes Haus hinaus. Dass eine spanische Kette gleich vier Hotels im Land betreibt, steht auch für den Wandel, den Montenegro als aufstrebendes europäisches Reiseziel gerade durchläuft.
Die Küste entwickelt sich rasant hin zu einem stärker internationalen Hotelangebot, vor allem rund um Budva. Zugleich versucht die Region, genau das zu bewahren, was sie von anderen Mittelmeerzielen abhebt: die außergewöhnliche Nähe von Adriatischem, historischen Städten und einem Gebirge, das praktisch dort beginnt, wo das Meer endet.
Sveti Stefan: Vom Fischerdorf zur Tourismusikone
Nur wenige Kilometer von Budva entfernt liegt eines der bekanntesten Bilder Montenegros.
Sveti Stefan ist ein kleiner historischer Ortskern auf einem Inselchen, das über einen schmalen Isthmus mit dem Festland verbunden ist. Die Steinhäuser mit ihren roten Dächern, umspült vom Adriatischen, gelten inzwischen als eine der großen Postkartenansichten des Landes.
Aus einer über Jahrhunderte kleinen, vom Fischfang geprägten Gemeinschaft entwickelte sich der Ort ab der Mitte des 20. Jahrhunderts grundlegend und wurde zu einem exklusiven Ferienziel – zu einem der internationalen Symbole Montenegros. Von der Küste und mehreren Aussichtspunkten eröffnet sich eines der spektakulärsten Panoramen des Adriatischen.
Auch hier zeigt sich der Kontrast, der Reisende auf weiten Strecken Montenegros begleitet: fast unbewegtes Meer trifft auf eine extrem zerklüftete, steile Küste.
Ferienparadies im Sommerstau
Wer die Küste entlangfährt, spürt auch die Kehrseite des rasanten touristischen Wachstums in Montenegro. Im Sommer können Fahrten auf der Straße zur Geduldsprobe werden.
Die Küstenstraße trägt ein enormes Verkehrsaufkommen, Staus gehören zum Alltag. Strecken, die auf der Karte kurz wirken, dauern im Juli und August deutlich länger als erwartet.
Für Flugreisende hat Budva einen wichtigen Vorteil: Der Flughafen Tivat liegt nur einen Steinwurf entfernt. Er bietet eine komfortable Eintrittspforte für alle, die ihre Ferien an diesem Abschnitt der montenegrinischen Küste verbringen möchten.
Ein weiteres Problemfeld im Zuge des starken Tourismuswachstums ist die Einreise über die Grenze zu Kroatien. Im Schnitt brauchen Reisende, die im Hochsommer mit dem Auto einreisen, rund zwei Stunden für die Grenzpassage.
Für ein Land, das sich enger an Europa anbinden will und einen großen Teil seiner Gäste über die Straßen aus den Nachbarstaaten erhält, ist das keine ideale Visitenkarte.
Montenegro zählt zu den am weitesten fortgeschrittenen Beitrittskandidaten für die Europäische Union. Ein künftiger EU-Beitritt könnte die Erfahrung derjenigen verändern, die mit dem Auto durch diesen Teil des Balkans reisen.
Für ein relativ kleines Territorium, das immer stärker vom Tourismus abhängt, wird es entscheidend sein, Grenzengpässe abzubauen und die Infrastruktur zu verbessern. Nur so kann das Land wachsende Besucherzahlen aufnehmen, ohne die Reiseerlebnisse spürbar zu verschlechtern.
Vieles deutet darauf hin, dass die Besucher weiter kommen werden. Montenegro bietet viele Zutaten, die andere Mittelmeerregionen zu Tourismushochburgen gemacht haben: Strände, Klima, Kulturerbe, Gastronomie und eine spektakuläre Küstenlandschaft auf vergleichsweise wenigen Kilometern. Hinzu kommt ein Bild, das sich anderswo am Mittelmeer kaum findet: Meer und Hochgebirge scheinen ständig um denselben Raum zu ringen.
Budva steht vermutlich für die intensivste Ausprägung dieses Mix. In den zentralen Sommerwochen wirkt die Stadt laut, überfüllt und chaotisch. Der Verkehr strapaziert die Nerven, das Nachtleben hat wenig mit dem Bild einer stillen Rückzugsregion gemein, das manche Reisende mit Montenegro verbinden.
Doch genau darin liegt ein Teil ihres Charakters. Budva ist eine mittelalterliche Stadt am Adriatischen, die sich im Sommer in einen großen Ferienort verwandelt. Ein Hauch von Balkan-Riviera, und stellenweise erinnert vieles an jenes spanische Mittelmeer der neunziger Jahre, in dem die Nächte kein Ende zu nehmen schienen.
Heute zeigen internationale Hotelgruppen wie Iberostar, wie deutlich Montenegro in eine neue touristische Phase eintritt. Zwischen Meer und Bergen, zwischen mittelalterlichen Mauern und Musikbars sucht Montenegro seinen Platz unter Europas großen Ferienzielen. Und Budva drängt klar in die erste Reihe.