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Ostsee unter Druck: Polen und NATO rüsten sich gegen Sabotage und Spionage

Archiv: Schiffe der polnischen Marine und US-Marines üben bei dem Manöver „Baltops 2018“ auf der Ostsee vor Litauen, vier Juni 2018.
ARCHIV: Kriegsschiffe der polnischen Marine und US-Marines üben bei „Baltops 2018“ in der Ostsee vor Litauen, vierter Juni 2018. Copyright  AP Photo/Mindaugas Kulbis
Copyright AP Photo/Mindaugas Kulbis
Von Weronika Wakulska
Zuerst veröffentlicht am
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Aggressive russische Politik im Ostseeraum setzt EU- und NATO-Staaten unter Druck. Sie müssen sich besser gegen Sabotage und Spionage wappnen. Welche Herausforderungen bringt die russische Eskalation?

Die Häfen an der Ostsee stehen vor einem zentralen Problem: Russland betreibt militärische und wirtschaftliche Spionage und verübt Sabotageakte. Darauf weisen die Autorinnen und Autoren des Berichts „Odporny Bałtyk“ des polnischen Thinktanks Ośrodek Studiów Wschodnich (OSW) hin.

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Betroffen sind die See- und Luftfahrt, die Häfen selbst sowie Energie- und Telekommunikationsinfrastruktur.

Der Bericht registriert vermehrte Fotoaufnahmen von Häfen, wichtigen Terminals und Kaianlagen sowie unerlaubte Drohnenflüge über Häfen und Ölhäfen. Hinzu kommen immer mehr „massierte“, also tägliche Cyberangriffe auf IT-Systeme.

Ein weiteres Problem: Russland stört GPS-Signale und andere GNSS-Systeme (Globales Satellitennavigationssystem), vor allem aus dem Gebiet Kaliningrad und aus Sankt Petersburg.

Der Ostseeraum ist für viele Staaten zentral. Polen, Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland und die baltischen Staaten arbeiten laufend daran, ihn zu sichern.

Die Bedeutung der Ostsee für wirtschaftliche und militärische Sicherheit nimmt seit Jahren zu. Die Ostseehäfen spielen eine Schlüsselrolle für den internationalen Handel und die Versorgung Polens, der baltischen Staaten, Finnlands, Schwedens und Dänemarks mit strategischen Rohstoffen.

Ihre Lage an der nordöstlichen NATO-Flanke macht die Region besonders strategisch wichtig.

Russlands Präsident Wladimir Putin an Bord des Raketenkreuzers „Warjag“ auf der Insel Sachalin in Russland, 13. August 2026.
Russlands Präsident Wladimir Putin an Bord des Raketenkreuzers „Warjag“ auf der Insel Sachalin in Russland, 13. August 2026. Gawriil Grigorow, Sputnik, zdjęcie z puli Kremla za pośrednictwem AP

Polens Häfen sind Teil der europäischen Verkehrskorridore. Sie wickeln mehr als 40 Prozent des Wertes des polnischen Außenhandels ab. Ihr Betrieb ist entscheidend für wirtschaftliche Stabilität, Energiesicherheit und die kontinuierliche Versorgung mit Rohstoffen. Die Hafeninfrastruktur kann in Krisen auch für militärische Operationen wichtig werden.

Für Russland ist die Ostsee wiederum ein zentraler Verkehrs- und Exportknoten, vor allem für Rohstoffe. Mit aggressiver politischer und wirtschaftlicher Spionage und Sabotageaktionen schafft die Russische Föderation ein erhebliches Sicherheitsrisiko.

Vor welchen Hauptproblemen stehen NATO- und EU-Staaten, und welche Maßnahmen können sie ergreifen, um Angriffen vorzubeugen?

Ostseegrund wird zum Friedhof gefährlicher Stoffe

Die Ostsee gehört zu den größten Unterwasserfriedhöfen für Schiffswracks weltweit; nach HELCOM liegen dort rund 8.000 bis 10.000 Wracks.

Dazu zählen vor allem deutsche Chemiewaffen und Sprengstoffe von insgesamt etwa 40 Tonnen. Sie gefährden das Ökosystem und könnten zugleich für Sabotage- und Zerstörungsaktionen genutzt werden.

Wenn solche Stoffe entdeckt werden, kann das den Schiffsverkehr lahmlegen, Angst in der Bevölkerung schüren und starke psychologische Wirkung entfalten.

NATO lässt den Meeresboden regelmäßig räumen. Die bisherige Arbeit reicht nach Einschätzung der Fachleute jedoch nicht aus.

Cyberangriffe: Unsichtbare Front im Ostseeraum

Angriffe auf IT- und Telekommunikationssysteme sowie das Stören und Fälschen von Satellitennavigationssignalen sind ein weiteres Problemfeld. Im Extremfall drohen Zusammenstöße von Gas- und Öltankern beim Einlaufen in Terminals.

Die wachsende Zahl hybrider Vorfälle, Cyberangriffe und GNSS-Störungen treibt die Kosten für Betreiber und Entwickler von Energie- und Telekommunikationsnetzen in die Höhe, warnen die Autorinnen und Autoren des OSW-Berichts.

ARCHIV: Ein estnisches Kriegsschiff patrouilliert in der Ostsee im Rahmen von NATO-Einsätzen nach mutmaßlichem Sabotageakt an Unterseekabeln, 9. Januar 2025.
ARCHIV: Ein estnisches Kriegsschiff patrouilliert in der Ostsee im Rahmen von NATO-Einsätzen nach mutmaßlichem Sabotageakt an Unterseekabeln, 9. Januar 2025. AP Photo/Hendrik Osula

Die Europäische Union reagiert mit der NIS‑2-Richtlinie. Sie soll die Cybersicherheit in 18 kritischen Sektoren in der gesamten EU stärken. Die Richtlinie verpflichtet jeden Mitgliedstaat, eine nationale Cyberstrategie zu beschließen.

Schatten über der Ostsee: Russische Tanker entziehen sich Kontrolle

Die sogenannte „Schattenflotte“ besteht vor allem aus Tankern, die internationale Sanktionen gegen Russland umgehen sollen. Es handelt sich meist um alte Schiffe unter Flaggen von Staaten, in denen sich Vorschriften schwer oder gar nicht durchsetzen lassen und deren Rechtsstatus unklar ist.

Am 23. Januar dieses Jahres haben die EU-Staaten einstimmig das 21. Sanktionspaket beschlossen. Es ermöglicht, Waren auf Schiffen zu beschlagnahmen und zu veräußern, wenn der Verdacht besteht, dass sie zur russischen „Schattenflotte“ gehören. Bereits frühere Pakete enthielten Maßnahmen gegen diese Flotte.

Russland drohte daraufhin durch Präsident Wladimir Putin, westliche Schiffe zu kapern.

Laut Bericht sollen Schiffe der „Schattenflotte“ auch hybride Operationen durchführen. Dazu zählen Angriffe auf kritische Infrastruktur und Spionagetätigkeiten. Es besteht zudem der Verdacht, dass sie Sensoren an Bord nutzen und als Startplattformen für unbemannte Luftfahrzeuge dienen.

ARCHIV: Soldaten stehen auf dem Deck des Tankers „Boracay“, der zur sogenannten ‚russischen Schattenflotte‘ gehören soll, Küste von Saint-Nazaire, 2. Oktober 2025.
ARCHIV: Soldaten stehen auf dem Deck des Tankers „Boracay“, der zur sogenannten ‚russischen Schattenflotte‘ gehören soll, Küste von Saint-Nazaire, 2. Oktober 2025. AP Photo/Mathieu Pattier

Die G7‑Staaten belegen Tanker mit Sanktionen. Rund 700 Schiffe unterliegen inzwischen Beschränkungen der EU, Großbritanniens und der USA. Dennoch sind die Maßnahmen nicht vollständig wirksam. Ihre Wirkung bleibt begrenzt und variiert je nach Instrument und Staat, der es anwendet. Häufig verzichten Regierungen auf abgestimmtes Vorgehen, weil sie russische Vergeltung fürchten.

Zusammenarbeit soll Russlands Aktionen eindämmen

Der Bericht betont: In fast allen Bereichen ist regionale Zusammenarbeit der wichtigste Hebel gegen russische Aktivitäten. Ziel ist vor allem, Gefahren früh zu erkennen, Erfahrungen auszutauschen und Informationen über Vorfälle zeitnah weiterzugeben.

Wichtig ist nach OSW auch eine realistische Einschätzung der personellen und materiellen Fähigkeiten der einzelnen Staaten sowie mehr Geld für Projekte zur Verbesserung der Hafensicherheit. Diese Punkte sollten zu den Prioritäten von NATO- und EU-Ländern gehören.

Ebenso zentral ist eine engere Zusammenarbeit zwischen Seeverwaltungen, Häfen, Rettungsdiensten und Marinen. Dazu gehören präventive Maßnahmen und abgestimmtes Krisenmanagement, etwa bei der Reparatur kritischer Infrastruktur.

Die Europäische Kommission hat im März dieses Jahres die EU‑Hafenstrategie verabschiedet. Sie setzt einen Rahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz, Sicherheit und nachhaltige Entwicklung der europäischen Häfen zu stärken.

Ein Ziel ist, die Hafensicherheit zu erhöhen. Dazu sollen bestehende Leitlinien überprüft und aktualisiert werden, auch mit Blick auf neue Bedrohungen. Außerdem strebt die Kommission vergleichbare Sicherheitsstandards für alle EU‑Häfen an.

NATO schützt seit 2025 die Unterwasser-Infrastruktur in der Region verstärkt mit der Mission Baltic Sentry.

Staaten handeln zudem eigenständig. Polen hat im April 2025 Regelungen eingeführt, die das Fotografieren und Filmen von Anlagen der kritischen Infrastruktur einschränken. Dazu gehören auch die Häfen.

Für die Zukunft bleiben zentrale Fragen offen: Wie lässt sich die Zusammenarbeit im Ostseeraum und zwischen Verbündeten maximal ausbauen? Wie sollen Staaten auf schwer einzuordnende Zwischenfälle reagieren? Und wo verläuft die Grenze zwischen hybriden Angriffen und offener Aggression?

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