Nach einem Besucherrückgang im Jahr 2025 setzt die Tourismusbranche der Stadt in Nevada auf Profiligen, Kultattraktionen und neue günstige Angebote, um den Trend zu drehen.
Seit Jahrzehnten steht Las Vegas für einen einfachen Slogan: „What happens here, stays here“. Der Spruch bringt das Lebensgefühl einer Stadt auf den Punkt, die als Spielwiese für lange Nächte und hohe Einsätze gilt.
Der neonhell erleuchtete Strip hält dieses Versprechen zwar weiterhin, doch das Selbstbild der Stadt wandelt sich. Las Vegas entwickelt sein touristisches Angebot über Casinos und Partyimage hinaus und profilierte sich zunehmend als globaler Hotspot für Profisport, Live-Musik und Großevents.
Dieser Kurswechsel kommt in einer entscheidenden Phase für „Sin City“. Die Stadt reagiert auf veränderte Reisegewohnheiten und wachsenden wirtschaftlichen Druck.
Das vergangene Jahr sei geprägt gewesen von „veränderten Reisedynamiken, wirtschaftlicher Unsicherheit und sich wandelnden politischen Rahmenbedingungen“, so die Las Vegas Convention and Visitors Authority (LVCVA). 2025 verzeichnete Las Vegas einen Rückgang der Besucherzahlen um 7,5 Prozent. Es sei eines der „komplexesten Marktumfelder“ gewesen, mit denen das Reiseziel außerhalb der Pandemie zu tun gehabt habe.
Angesichts sinkender Besucherzahlen und eines „anspruchsvollen Umfelds“, das den Tourismus in den USA belastet, setzt Las Vegas nun verstärkt auf Vielfalt. NFL, Formel eins, Eishockey und große Live-Konzerte sollen vor allem erlebnisorientierte Reisende anlocken und gehören inzwischen fest in den Jahreskalender.
„Las Vegas galt immer als Hochzeitshauptstadt der Welt und als Entertainment-Hauptstadt der Welt“, sagt Fletch Brunelle, Marketing-Vizepräsident der LVCVA, im Gespräch mit Euronews Travel.
„Jetzt, da Sport eine sehr große Rolle spielt, entwickeln wir uns zur Sporthauptstadt der Welt.“
Das Allegiant Stadium wurde im Juli 2020 offiziell eröffnet Das Allegiant Stadium wurde im Juli 2020 offiziell eröffnet
Las Vegas wird zur Sportmetropole der großen Ligen
Im Zentrum dieses Wandels steht ein stetig wachsendes Portfolio an Teams und globalen Sportereignissen. Bis 2017 hatte die Stadt nicht einmal ein einziges Profi-Team der großen Ligen. Das änderte sich mit den Vegas Golden Knights im Eishockey.
Mit dem Umzug der Las Vegas Raiders aus der NFL im Jahr 2020 und der Eröffnung des Allegiant Stadiums mit Platz für 65 000 Zuschauer folgte der nächste Meilenstein. Seither verfügt die Stadt über eine Arena, in der NFL-Spiele, internationale Fußballfreundschaftsspiele und Mega-Konzerte stattfinden.
Eishockey ist bereits eine Erfolgsgeschichte: Die Golden Knights gewannen 2023 in ihrer erst sechsten Saison den Stanley Cup der NHL.
Als nächstes folgt die Major League Baseball. Die Oakland A’s wollen nach Las Vegas umziehen, ein neues Stadion mit rund 32 000 Plätzen soll 2028 eröffnen. Neben den 81 Heimspielen in der regulären Saison werde die Arena auch für weitere Sport- und Entertainment-Events genutzt, sagt Brunelle.
Parallel dazu bringt sich Las Vegas für eine mögliche Expansion der NBA in Stellung. Die Stadt gilt als Favorit für ein künftiges Basketball-Franchise.
Von der Formel eins bis zum Super Bowl
Deutlich werden die Ambitionen vor allem im prall gefüllten Veranstaltungskalender. Der Grand Prix von Las Vegas in der Formel eins hat sich in kurzer Zeit zu einem der prestigeträchtigsten Rennen entwickelt und verbindet Sport und Show entlang des ikonischen Strips.
In dieser Woche wurde zudem bestätigt, dass Las Vegas 2029 den Super Bowl LXIII im Allegiant Stadium ausrichten wird. Als das NFL-Finale 2024 erstmals in der Stadt stattfand, kamen mehr als 330 000 Gäste und der wirtschaftliche Effekt lag bei über einer Milliarde Dollar.
Für Brunelle liegt der Reiz der NFL in Las Vegas nicht nur in den Spielen selbst, sondern in der besonderen Stimmung. „Wo sonst würden Sie Ihr Team spielen sehen wollen?“, sagt er. „Oft ist es ein Verhältnis von fünfzig zu fünfzig zwischen Heim- und Auswärtsfans – und aus touristischer Sicht ist das fantastisch.“
Diese Strategie beeinflusst bereits das Reiseverhalten. Las Vegas profitiert von seiner Nähe zu großen Sportereignissen im Westen der USA, darunter die Spiele der Fußball-WM 2026 in Städten wie Los Angeles, San Francisco und Seattle.
Nach Angaben Brunelles melden Hotels und Reiseveranstalter rund um wichtige Spieltage bereits einen spürbaren Buchungsanstieg. Die Stadt punktet zudem weiterhin als klassischer Ort zum Mitfiebern: Fans treffen sich in Sportbars, Casinos oder Fan-Zonen, um die Spiele gemeinsam zu verfolgen – ein zentraler Teil der Anziehungskraft von Las Vegas.
„Sportfans wollen kommen und Teil des Geschehens sein“, sagt er. „Und wer kein Ticket hat, kann trotzdem anreisen und eine richtig gute Zeit haben.“
Die Sphere gilt als „globales Phänomen“ Die Sphere gilt als „globales Phänomen“
Unterhaltung bleibt das große Zugpferd
Auch wenn Sport inzwischen stark im Mittelpunkt steht, verabschiedet sich Las Vegas nicht von seinen Entertainment-Wurzeln. Seit Langem geben sich hier einige der bekanntesten Acts der Welt in Dauerengagements die Klinke in die Hand, das ganze Jahr über laufen Konzerte und Shows.
2026 stehen unter anderem Ed Sheeran, die Foo Fighters und Bruno Mars im Veranstaltungskalender. Außerdem kehren die K-Pop-Superstars BTS mit mehreren Stadionkonzerten im Allegiant Stadium im Mai zurück.
Sin City verfügt zudem über eine ganze Reihe hochmoderner Veranstaltungsorte. Das meistdiskutierte Highlight der vergangenen Jahre ist die Sphere, die im September 2023 ihre Türen öffnete.
Von der spektakulären Auftakt-Residency von U2 bis zu den anstehenden Auftritten globaler Acts wie Metallica: Die Arena sorgt weltweit für Schlagzeilen. Medien berichten bereits, dass Nachbauten in Städten wie Abu Dhabi und Tokio entstehen könnten.
„An der Sphere kommt man nicht vorbei“, sagt Brunelle. „Sie ist zu einem globalen Phänomen geworden – durch die ikonische Architektur und die Art, wie die Außenhülle bespielt wird. Für das Reiseziel ist das ein enormer Gewinn.“
Zu den Sphere-Residenzen 2026 zählen die Eagles, die noch bis zum elften April auftreten, No Doubt vom sechsten Mai bis zum dreizehnten Juni und die Backstreet Boys vom sechzehnten Juli bis zum zweiundzwanzigsten August.
Eine weitere Attraktion in der Sphere ist „Der Zauberer von Oz“, ein 4D-Erlebnis, das die riesige Innenleinwand nutzt, um den Filmklassiker von 1939 völlig neu in Szene zu setzen.
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Neues Preis-Leistungs-Konzept am Strip
Um den Rückgang internationaler Gäste zu stoppen, denkt Las Vegas sein Wertversprechen neu.
In einem bemerkenswerten Schritt hat MGM Resorts International ein All-inclusive-Paket am Strip eingeführt. Es bündelt Unterkunft, Verpflegung, Unterhaltung, Parken und Resortgebühren zu einem Gesamtpreis ab 330 Dollar (rund 286 Euro) zuzüglich Steuern für zwei Übernachtungen für zwei Gäste im Luxor Hotel & Casino oder im Excalibur Hotel & Casino.
Das Angebot lässt sich ohne Sperrdaten das ganze Jahr über buchen. Die Initiative steht für den breiteren Versuch, Las Vegas angesichts steigender Reisekosten leichter zugänglich zu machen.
Brunelle sieht darin einen möglichen Trend, bei dem Bezahlbarkeit zu einem entscheidenden Kriterium für Reiseentscheidungen wird. Er sagt: „Reiseziele müssen einen besonderen Mehrwert schaffen, damit Menschen trotz höherer Kosten einen Weg finden, in den Urlaub zu fahren und ihn zu genießen.“