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Systemversagen: Neues Ein- und Ausreisesystem sorgt für Chaos an EU-Grenzen

Flugpassagiere müssen an der Grenzkontrolle mit langen Warteschlangen rechnen
Flugreisende müssen sich auf lange Warteschlangen an der Grenzkontrolle einstellen. Copyright  AP Photo/Manu Fernandez
Copyright AP Photo/Manu Fernandez
Von Michael Starling
Zuerst veröffentlicht am
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Luftfahrtverband drängt EU-Kommission, das EES nötigenfalls bis Ende des Sommers ganz oder teilweise auszusetzen.

Das neue Einreise-/Ausreisesystem (Entry/Exit System, EES) der EU hat am Wochenende an Flughafengrenzkontrollen für regelrechtes Reisechaos gesorgt. Warteschlangen dauerten bis zu drei Stunden, zudem meldeten Flughäfen gestrandete Passagiere, die ihre Flüge verpassten.

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Nach mehreren Verschiebungen und einer schrittweisen Vorbereitung ist das biometrische Grenzkontrollsystem am Freitag, dem zehnten April, im gesamten Schengen-Raum offiziell gestartet. Inzwischen ist es in 29 europäischen Ländern in Betrieb.

Es gilt für Reisende aus Nicht-EU-Staaten, die für Kurzaufenthalte von bis zu 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen in einen Schengen-Staat einreisen. Das System ersetzt den handgestempelten Pass durch digitale Einträge zu Einreisen, Ausreisen und verweigerten Einreisen. Zusätzlich erfasst es biometrische Daten wie Gesichtsaufnahmen und Fingerabdrücke sowie die Angaben im Reisepass.

Störungen und Verzögerungen

Reisende sollen mit großzügigem Zeitpuffer am Flughafen erscheinen. Trotzdem war der erste Tag des Vollbetriebs am Freitag laut einer gemeinsamen Erklärung (Quelle auf Englisch) von ACI EUROPE und Airlines for Europe (A4E) von Störungen, Verspätungen und verpassten Flügen geprägt.

Seit Wochen warnen beide Verbände vor den praktischen Problemen bei der Einführung des EES. Die „großen Sorgen“ seien nun Realität, heißt es. Sie fordern die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten auf, bei der Anwendung des neuen Systems „sofort zusätzliche Flexibilität“ zu ermöglichen.

In einer am Montag veröffentlichten separaten Stellungnahme (Quelle auf Englisch) wurde A4E noch deutlicher. Drei Stunden Schlange stehen an der Grenzkontrolle seien keine anfängliche „Kinderkrankheit“ des EES, sondern ein „systemisches Versagen“.

„Die Fluggesellschaften arbeiten unermüdlich daran, Flüge pünktlich ans Ziel zu bringen – das hat für Passagiere und Airlines oberste Priorität“, erklärte A4E. „Doch die Einführung des EES an diesem Wochenende zeigte ein anderes Bild: Störungen und extrem lange Wartezeiten – all das außerhalb des Einflussbereichs der Airlines, mit Verspätungen und verpassten Flügen als Folge.“

Der Verband betonte zudem, dass europäische Fluggesellschaften das grundsätzliche Ziel des EES, die Grenzsicherheit zu stärken, mittragen. „Dies darf aber nicht zu dauerhaften und immer wiederkehrenden Störungen im Reiseverkehr führen.“

A4E fordert daher mehr Flexibilität bei der Einführung, damit der Betrieb reibungslos laufen kann. „Die einzig praktikable Lösung ist, dass die EU-Kommission – wo nötig – eine vollständige oder teilweise Aussetzung des EES bis zum Ende des Sommers erlaubt“, hieß es.

Mailand: Passagiere bleiben zurück

Seit dem vollständigen Start des EES häufen sich Berichte über Reisechaos.

Am Sonntag sollten am Mailänder Flughafen Linate 156 Passagiere einen Easyjet-Flug nach Manchester in Großbritannien antreten. Wegen stundenlanger Schlangen schafften es jedoch nur 34 Menschen an Bord. 122 blieben in Italien zurück und „sahen zu, wie ihr Flugzeug ohne sie abhob“, berichtete der Reisekorrespondent Simon Calder von The Independent (Quelle auf Englisch).

Um nach Hause zu kommen, musste eine Familie mehr als 1.600 Pfund (1.838 Euro) für einen Umsteigeflug über Luxemburg ausgeben. Sie kam dadurch erst 24 Stunden später nach Hause.

Ein Sprecher von Easyjet erklärte der BBC (Quelle auf Englisch), die durch die Einführung des EES verursachten Verzögerungen an der Grenze seien „inakzeptabel“.

„Wir drängen die Grenzbehörden weiterhin nachdrücklich, die zulässigen Spielräume so umfassend und wirksam wie möglich zu nutzen, solange das europäische Einreise-/Ausreisesystem umgesetzt wird. Nur so lassen sich diese unzumutbaren Wartezeiten für unsere Kundinnen und Kunden vermeiden“, hieß es weiter. „Auch wenn das außerhalb unseres Einflussbereichs liegt, bedauern wir die entstandenen Unannehmlichkeiten.“

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