In Ruanda ist der Zugang streng reguliert, die Zahl der Genehmigungen begrenzt und das Wachstum bewusst gebremst, um die Art zu schützen.
Im April lief auf Netflix David Attenboroughs Dokumentarfilm „A Gorilla Story“.
Die Doku erzählt die Geschichte von Pablo, einem Berggorilla, den Attenborough bereits 1978 filmte. Sie begleitet den Silberrücken und die Generationen nach ihm, die heute im Volcanoes-Nationalpark in Ruanda leben.
Solche Formate haben schon öfter den sogenannten „Attenborough-Effekt“ ausgelöst – so brachte etwa Blue Planet II im Jahr 2017 weltweit ein Umdenken bei Plastikverschmutzung in Gang und ließ die Nachfrage nach naturschutzorientierten Reisen steigen.
Ruandas Modell für Gorillatourismus funktioniert jedoch anders. Der Zugang ist begrenzt, die Anzahl der Genehmigungen limitiert und das Wachstum bewusst ausgebremst, um die Art zu schützen.
Trotzdem verzeichnet das Land bereits deutlich mehr Interesse. So wirkt sich das vor Ort aus.
„Genehmigungssystem wächst nicht einfach mit der Nachfrage“
Im Gegensatz zu manch anderem Wildreiseziel begrenzt Ruanda den Zugang bewusst. Pro Tag gibt es höchstens 100 Gorilla-Permits. Sie kosten 1.500 Dollar (1.300 Euro) und unterliegen strengen Auflagen, um die Tiere und ihren Lebensraum zu schützen.
Statt eines sprunghaften Anstiegs der Besucherzahlen beobachtet das Land daher vor allem verändertes Reiseverhalten: Die Menschen buchen früher, planen zielstrebiger und das Publikum wird vielfältiger.
Lydia Eva Mpanga hat Nkuringo Safaris (Quelle auf Englisch) gegründet, einen in Uganda und Ruanda aktiven Veranstalter mit mehr als 18 Jahren Erfahrung im Gorillatourismus vor Ort.
„Wenn das weltweite Interesse steigt, wächst das Genehmigungssystem nicht einfach mit“, sagte sie Euronews Travel.
„Gorilla-Trekking bleibt streng geregelt. In Ruanda muss man die Genehmigungen im Voraus nach dem Prinzip ‚Wer zuerst kommt, mahlt zuerst‘ buchen, die Besuche sind auf eine Stunde begrenzt und pro Gorillafamilie sind nur acht Besucher zugelassen.“
Doch Mpanga beobachtet veränderte Reisegewohnheiten.
„Unsere Reiseberater stellen inzwischen fest, dass etwa fünf von zehn Gästen, die Gorilla-Safaris buchen, zweimal trekken und länger bleiben – früher waren es nur zwei bis drei von zehn“, fügte sie hinzu. „Das zeigt uns: Die Menschen befassen sich intensiver mit dem Erlebnis und räumen ihm im Safariprogramm mehr Zeit ein.“
Gorilla-Trekking: teuer und körperlich anstrengend
Neben der zahlenmäßigen Begrenzung gibt es weitere Gründe, warum das starke Interesse an Gorilla-Trekking in Ruanda nicht automatisch zu deutlich mehr Nachfrage vor Ort führt.
„Die Gebühr von 1.500 Dollar sorgt dafür, dass das Erlebnis exklusiv, ernsthaft und gut geplant bleibt“, sagt Mpanga.
„Wir sehen, dass dieser Preis vor allem Reisende anzieht, die sich genau überlegt haben, warum und auf welche Weise sie die Tour machen wollen.“
Ruanda verknüpft den hohen Permitpreis mit Naturschutz, Besuchermanagement und Einnahmen für die Gemeinden rund um den Park.
Zudem handelt es sich bei den von Naturdokumentationen inspirierten Menschen oft um Reisende, denen Wildtiere, Wälder und Naturschutz ohnehin am Herzen liegen und die eine solche Reise meistens schon länger in Erwägung ziehen, ergänzt Mpanga.
„Man darf nicht vergessen: Gorilla-Trekking fordert einen“, sagt sie. „Es ist teuer, körperlich anstrengend, durch Genehmigungen begrenzt und von Regeln geprägt, die das Wohl der Gorillas an erste Stelle setzen.“
Die Gorillas auf dem Bildschirm zu sehen, ist das eine. Die tatsächliche Reise verlangt jedoch sorgfältige Planung: Genehmigungen, Reisezeit, Safariroute und verfügbare Lodges müssen zusammenpassen.
„Die emotionale Entscheidung fällt vielleicht an einem Abend nach dem Film“, sagt Mpanga. „Die praktische Umsetzung dauert in der Regel deutlich länger. Ruandas Buchungssystem für Gorillas ist auf vorausschauende Planung ausgelegt, nicht auf spontane Besuche.“