Die Mont-Blanc-Tour gehört zu den beliebtesten Fernwanderwegen Europas. Die Route führt rund 170 Kilometer durch Frankreich, Italien und die Schweiz. Jährlich machen sich rund 80.000 Menschen auf den Weg, um den höchsten Berg der Alpen zu umrunden. Doch das bringt zunehmend Probleme mit sich.
Auf besonders beliebten Abschnitten am Mont Blanc sind die Wandergruppen inzwischen so dicht unterwegs, dass kaum noch Abstand zwischen ihnen bleibt. Gleichzeitig wird die Natur nicht von allen Besuchern respektiert. Einheimische beschweren sich und halten die Situation für unhaltbar.
"Heute geht es im Gänsemarsch voran. Die Leute sehen nur die Hintern der anderen. Das ist doch nicht toll", sagte der Gemeindepräsident von Saint-Gervais-les-Bains, Jean-Marc Peillex, dem SRF. Er plädiert dafür, den Zugang zur Route ab dem kommenden Frühjahr zu begrenzen und dies durch Kontrollen sowie Sanktionen durchzusetzen.
Saint-Gervais-les-Bains liegt auf der französischen Seite des Mont-Blanc-Massivs, im Département Haute-Savoie in den französischen Alpen.
Der Ort ist ein wichtiger Ausgangspunkt für Touren in diesem Gebiet. Auch der französische Zugang zur Mont-Blanc-Tour (TMB) führt durch die Region.
Für die Mont-Blanc-Tour soll demnach künftig eine Reservation in einer Hütte oder einer autorisierten Biwakzone erforderlich sein. Eine Biwakzone ist ein offiziell ausgewiesener Bereich, in dem Wanderer oder Bergsteiger vorübergehend im Freien übernachten bzw. ihr Zelt aufstellen dürfen.
Im Unterschied zu einer Hütte gibt es dort in der Regel keine oder nur sehr einfache Infrastruktur.
"Ist das nicht möglich, verschiebt man sein Vorhaben auf das nächste Jahr", schlägt Peillex vor.
Nur ein kleiner Teil der Mont-Blanc-Tour verläuft über das Gemeindegebiet von Saint-Gervais. Die übrigen Gemeinden entlang des französischen Routenabschnitts arbeiten jedoch gemeinsam an der neuen Regelung, sie wollen durchsetzen, dass sie im kommenden Frühjahr in Kraft tritt.
Schweiz setzt auf Koordination
In der Schweiz sind derzeit keine vergleichbaren Zugangsbeschränkungen geplant. Joachim Rausis, Gemeindepräsident von Orsières im Wallis, sieht zwar ebenfalls Handlungsbedarf, spricht aber nicht von ausgeprägtem Übertourismus. "Es gibt Signale, und wir müssen Dinge regeln. Aber es braucht vor allem Koordination zwischen der Schweiz, Italien und Frankreich", so Rausis.
Fest steht: Auch für Bergführer bringt der grosse Andrang Schwierigkeiten. "Man muss die Hotels und Hütten ein Jahr im Voraus reservieren. Das ist als Selbstständige fast unmöglich", denn als selbstständige Bergführerin habe man schließlich nur selten Kunden, die bereits ein Jahr im Voraus buchen.
Die Diskussion zeigt ein grundlegendes Problem des Bergtourismus: Wie lässt sich die internationale Beliebtheit der Alpen mit dem Schutz der Natur und den Interessen der Einheimischen vereinbaren? Eine Reservationspflicht könnte den Besucherstrom zwar bremsen – zugleich würde sie aber die traditionelle Vorstellung infrage stellen, dass die Berge für alle frei zugänglich sind.
Eine Reservierungspflicht wäre am Mont Blanc übrigens kein völlig neues Konzept. Auf der französischen Normalroute zum Gipfel müssen Übernachtungen in den Hütten Nid d’Aigle, Tête Rousse und Goûter bereits heute über ein spezielles Reservierungssystem gebucht werden. Dabei müssen die Namen aller Teilnehmer angegeben, und die Reservierungsbestätigung muss bei Kontrollen vorgezeigt werden.
Die Hütten Goûter und Tête Rousse waren für 2026 bis vor kurzem geöffnet, sind allerdings seit 11. August 2026 vorübergehend wegen Steinschlaggefahr geschlossen.