Das Luxusprojekt auf einer verlassenen Insel und einem Küstenabschnitt im Süden Albaniens stößt auf heftigen Widerstand von Umweltschützern und Gegnern von Ministerpräsident Edi Rama.
In Albanien dauern die Proteste gegen ein großes Küstenprojekt an, das mit Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, in Verbindung steht. Am Mittwoch gingen Demonstrierende bereits zum dritten Mal in Folge in Tirana auf die Straße, um gegen das Vorhaben zu protestieren.
Die Regierung bewirbt die Pläne an der Adria als Wendepunkt für den früheren kommunistischen Staat. Albanien wolle in den Markt für Luxustourismus einsteigen und seinen Kurs in Richtung Mitgliedschaft in der Europäischen Union festigen.
Das Vorhaben umfasst eine verlassene Insel und einen benachbarten Küstenstreifen im Süden Albaniens. Es stößt auf Widerstand von Umweltschützern und Kritikern des seit Langem regierenden sozialistischen Ministerpräsidenten Edi Rama.
Das Luxusprojekt besteht aus zwei Teilen: einer Küstenbebauung im Gebiet der Narta-Lagune, einem ausgewiesenen Wildreservat, und einem kleineren Resort auf der unbewohnten Insel Sazan, einer früheren Militärbasis aus kommunistischer Zeit.
Geplant sind Hotels, Apartments, Villen und ein Yachthafen. Das Projekt wird mit Kushner und Trumps Tochter Ivanka Trump in Verbindung gebracht. Eine mit Kushner verbundene Investmentfirma hat von den albanischen Behörden einen Sonderstatus als Investor erhalten.
Strenges Regime, unberührte Strände
Albanien verfügt über 450 Kilometer Küste, die während der jahrzehntelangen kommunistischen Herrschaft weitgehend unerschlossen blieb.
Protestgruppen befürchten, dass Teile dieser bislang unberührten Küste an mächtige Investoren verkauft werden. Die Empörung wuchs, nachdem ein Video zeigte, wie ein Aktivist von einem privaten Sicherheitsmann über das Gelände gezerrt wurde, während er dort demonstrierte.
Das Projektgebiet liegt in einem Naturschutzgebiet und in einer der wertvollsten Biodiversitätszonen Albaniens. Es ist ein wichtiger Zwischenstopp für Zugvögel entlang der Adriaküste.
Bei Kundgebungen in der Hauptstadt Tirana trugen Demonstrierende Pappfiguren in Form rosa Flamingos, einer dort geschützten Zugvogelart.
Seit Ende Mai rollen Bagger und andere schwere Maschinen in das Gebiet. Sie legen Zufahrtswege an, graben im Sand, räumen Flächen zwischen Kiefern frei und errichten Zäune.
Umweltverbände aus Albanien und anderen Teilen Europas verurteilten die Arbeiten. Eine prominente lokale Gruppe wirft den Verantwortlichen vor, seit Langem geschützte Lebensräume würden "irreversibel zerstört".
Ein Milliardengeschäft?
Die staatliche Antikorruptionsbehörde Albaniens hat bestätigt, im Zusammenhang mit dem Projekt Ermittlungen aufgenommen zu haben. Einzelheiten nannte sie nicht.
Die Regierung erklärt, das für das Projekt vorgesehene Land befinde sich in Privatbesitz. Doch konkurrierende Ansprüche stellen die Privatisierung infrage, ein in Albanien häufiges juristisches Problem.
Rama hält an dem Vorhaben fest. Er sagt, es passe zu Albaniens Ziel, zu einem wichtigen Reiseziel im globalen Tourismus zu werden.
"Albanien sollte kein Land sein, das ein außergewöhnliches Projekt wie dieses fürchtet, bei dem sich besondere Partner zusammengefunden haben, um 4 Milliarden Euro zu investieren", sagte Rama.
Er fügte hinzu: "Solange ich hier bin, gibt es keine Chance, dass diese Investition gestoppt wird."
Das Scheitern eines ähnlichen Projekts in Serbien dient jedoch als Warnung. Im November verabschiedete das serbische Parlament ein Sondergesetz, um den Bau eines Luxuskomplexes in der Hauptstadt Belgrad zu ermöglichen, finanziert von einer mit Kushner verbundenen Investmentgesellschaft.
Im darauffolgenden Monat erhob der für organisierte Kriminalität zuständige Staatsanwalt in Serbien Anklage gegen vier Personen, darunter einen Regierungsminister. Sie sollen ihr Amt missbraucht und Dokumente gefälscht haben, um den Weg für das Projekt zu ebnen.
Kushner zog sich später aus der geplanten Millioneninvestition zurück. Sie hätte einen weitläufigen, im Krieg zerstörten Militärkomplex ersetzt, ein denkmalgeschütztes Areal, dessen Schutzstatus von den nun angeklagten früheren Verantwortlichen aufgehoben worden war.