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Butteri in der Maremma Latium: Riarto-Fest in Canale Monterano

Butteri fangen Kalb beim "Riarto" 2026 in Canale Monterano
Canale Monterano: Butteri fangen Kalb beim „Riarto“ 2026 Copyright  Fanuel Morelli
Copyright Fanuel Morelli
Von Ilaria Cicinelli & Fanuel Morelli
Zuerst veröffentlicht am
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Seit Jahrhunderten prägen Butteri die Viehzucht und das Landleben in der Maremma zwischen Latium und Toskana. Heute halten nur noch wenige berittene Hirten diese Tradition und die Identität der Region lebendig.

Auf den ersten Blick wirkt es wie eine Szene aus einem Western. Ein Mann zu Pferd reitet über die Weiden, um das Vieh zu bewachen. Doch wir sind nicht in Texas, sondern in Canale Monterano. Hier steht die Figur des Buttero für Geschichte und Identität der lazischen Maremma.

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Das Pferd ist hier kein nostalgisches Symbol. Es ist Arbeitsgerät und direkte Verbindung zu einer jahrhundertealten Tradition. Sie prägt die Region bis heute. Das Wissen geht von Generation zu Generation weiter und die Vereinigung Butteri di Canale Monterano schützt es besonders.

Im Unterschied zu den historisch jüngeren US-Cowboys hat der Buttero sehr alte Wurzeln. Viele sehen in ihm ein Erbe der etruskischen Kultur. Man glaubt, dass sein Wissen fast unverändert bis in unsere Zeit überliefert ist.

Die Butteri des Vereins Butteri di Canale Monterano beim „Riarto“ 2026
Die Butteri des Vereins Butteri di Canale Monterano beim „Riarto“ 2026 Associazione Butteri di Canale Monterano

Moderne Butteri zwischen Tolfa und Canale Monterano

Der Begriff Buttero kommt vom griechischen βουτόρος, „Viehantreiber“. Über Jahrhunderte war der Buttero unverzichtbar für die Haltung von freilaufenden Rindern und für das Leben der ländlichen Gemeinden. Auch heute leben die Maremma-Rinder ausschließlich auf offenen Weiden. Um sie zu sammeln, setzen die Hirten ihre Reitkunst ein. Das Reiten ist ein Kernstück des Berufs. Die Butteri gelten als Spezialisten der sogenannten „Arbeitsreitweise“.

Mit dem technischen Fortschritt verschwand der Beruf fast. Die Leidenschaft der Menschen, die an diesem Leben hängen, hat ihn jedoch am Leben gehalten.

„Ich hatte Onkel, die Butteri waren, die Cousins meiner Mutter. Um die Erinnerung und die Tradition lebendig zu halten, haben wir damit nie aufgehört, auch in unserem kleinen Rahmen“, erzählt Rinaldo Camilletti, Buttero und Inhaber eines Viehbetriebs mit Rindern und Schafen in Canale Monterano. Er arbeitet zusammen mit seinem Sohn Cesare.

Für die Tierärztin Marta Papa, 27 Jahre alt und eine junge Buttera, besteht diese Rolle weniger im Treiben als im Begleiten des Viehs. „Unsere Pferde und unsere Kühe sind hier geboren und aufgewachsen. Ich kann sie nur begleiten und führen.“

Auch für sie und ihren 21-jährigen Bruder Alessandro spielte die Verwurzelung der Familie im Gebiet eine große Rolle bei der Entscheidung, Butteri zu werden. Marta betont zudem: „Hier in diesem Umfeld zu leben, gefällt mir unheimlich gut. Für mich ist das wie ein großer Atemzug frischer Luft.“

Die Butteri des Vereins Butteri di Canale Monterano beim „Riarto“ 2026
Die Butteri des Vereins Butteri di Canale Monterano beim „Riarto“ 2026 Fanuel Morelli

Rolle der Butteri im Landleben: Alltag und Aufgaben

Früher „musste der Buttero nicht nur die Rinderherden führen. Er musste auch die rimessaggi erledigen (das Einsperren in die Gehege, Anm. d. Red.) und die Kälber absetzen“. Mit den trainierten Pferden, auf denen er den Großteil des Tages verbrachte, „musste der Hirte die Herden zusammentreiben, die Kälber entwöhnen und sie in die Gehege aus Kastanienpfählen bringen, die wir hier rimessini nennen“, erklärt Camilletti.

Für diese Arbeit nutzten die Butteri auch ausgebildete Hunde. Sie brachten die Tiere zurück auf den richtigen Weg, „denn unser Gebiet ist hügelig und in manchen Teilen ziemlich schwierig“, erzählt Camilletti. In den Gehegen versorgten die Butteri die Rinder und brannten ihnen ein Brandzeichen auf, damit die Herde erkennbar blieb. In dieser Gegend lebten damals über 70 Prozent der Menschen von Landwirtschaft und Viehzucht. Mikrochip oder Ohrmarken gab es noch nicht.

Das Brandzeichen – merca genannt und genutzt, um die Tiere schon aus der Ferne zu erkennen – war ein zentrales Ereignis im Landleben. Es war ein Fest für den Besitzer, den Betrieb, alle Butteri und die Gruppen, die an den Arbeiten beteiligt waren.

Riarto in Canale Monterano: Traditionen werden neu belebt

Heute sehen die Traditionen anders aus. „Früher waren Führung, Betreuung und auch das Wiedererkennen des Viehs anders. Jeder Buttero, jede Gruppe von Butteri konnte ihre Tiere erkennen, wusste, wo sie weideten, wie sie sich bewegten. Und hier bei uns gab es zum Beispiel die Tradition der merca“, sagt Marta. Sie weist darauf hin, dass das Brandzeichen seit längerem gesetzlich verboten ist.

Auch die Fortbewegungsmittel haben sich verändert. „Der Buttero nutzt nicht mehr nur das Pferd, sondern auch Traktoren und landwirtschaftliche Maschinen. Die Betriebe arbeiten in vieler Hinsicht effizienter. Es gab viele Veränderungen, die die Arbeit etwas erleichtern“, so Marta.

Aus Sicht der jungen Buttera haben diese Veränderungen viele Vorteile, aber auch Nachteile – für Butteri und Vieh. „Viele Menschen üben diesen Beruf nicht mehr aus oder er ist nicht mehr ihre wichtigste Einkommensquelle. Oft ist es eine eher Randtätigkeit, sowohl zahlenmäßig als auch in der praktischen Bedeutung.“ Gleichzeitig für das Vieh: „Kleine tägliche Aufmerksamkeiten, die der Buttero vor 50 oder 70 Jahren hatte, sind verloren gegangen. Die Arbeit mit den Tieren läuft heute anders ab als noch vor einigen Jahrzehnten.“

Um die Erinnerung an die Vergangenheit wachzuhalten, organisiert der Verein Butteri di Canale Monterano jedes Jahr im Mai das Fest Riarto. Es erinnert an den Moment vor Beginn der Transhumanz, die zweimal im Jahr stattfand. Damals trafen sich die Butteri, tauschten Waren und traten in Geschicklichkeitswettbewerben gegeneinander an. Die außergewöhnlichste Disziplin ist die Kälberjagd, eine Neuinterpretation der früheren merca. Teams aus drei Reitern müssen das Kalb mit der „lacciara“ fangen, einem nicht starren Seil – anders als bei US-Rodeos. Das macht die Aufgabe deutlich schwerer. Sobald das Kalb gefangen ist, markieren die Butteri es symbolisch mit Kreide.

Die Abrichtung von Pferden und Rindern

Ein weiterer wichtiger Moment im Leben eines Buttero war die Abrichtung des Pferdes. Es gab verschiedene Methoden. Camilletti erklärt: „Es musste eine besondere Abrichtung mit einer Trense sein, die wir ‚a mazzetto‘ nennen. Die Butteri mussten die Zügel mit nur einer Hand halten und die andere Hand frei haben, um mit den Tieren zu arbeiten.“

Das war eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Die Pferde waren weniger an Menschen gewöhnt als heute. „Sie kamen von den Bergweiden, waren im Charakter eher schwierig“, erzählt der Züchter. Der Buttero konnte sie für sich selbst oder für andere abrichten. Diese Arbeit war zentral, „denn damals gab es keine mechanischen Fahrzeuge“.

Auch die Rinder mussten abgerichtet werden. „Es gab riesige hölzerne Wagen, die von Maremma-Ochsen gezogen wurden. Diese Tiere sind vom Charakter her ebenfalls nicht einfach.“

Wenn der Buttero nicht im Sattel saß, lebte er monatelang fern von zu Hause bei seinem Vieh und ruhte sich in Hütten auf den Weiden aus. Diese Hütten bestanden aus Ästen und Bewuchs und hatten eine Feuerstelle im Inneren. Ein typisches Gericht im Alltag des Buttero war die acquacotta, eine Suppe aus wilden saisonalen Gemüsen, erzählt Camilletti. Die Dorfwirtschaft diente als Treffpunkt und Ort des sozialen Lebens. Dort verbrachten die Hirten oft ihre freien Nachmittage.

Cutter • Fanuel Morelli

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