Ukrainische Truppen greifen erneut Lager des „russischen Amazon“ an, diesmal nahe St. Petersburg. Kyjiw wirft Wildberries vor, dort Teile für Kriegsgerät gegen die Ukraine zu lagern.
In der Nacht zum Freitag haben ukrainische Drohnen zwei Lagerhallen nahe St. Petersburg angegriffen, die zum russischen Online-Handelsriesen Wildberries gehören. Die Angriffe lösten große Brände aus, deren Rauch die historische Stadt einhüllte. Das Unternehmen teilte mit, dass es den Betrieb dieser Logistikzentren vorübergehend eingestellt hat.
„Heute Morgen haben militärische Drohnen St. Petersburg angegriffen“, schrieb der Gouverneur von St. Petersburg, Alexander Beglow, in sozialen Netzwerken. „Der Schlag traf Einrichtungen der zivilen Infrastruktur an der Moskauer Chaussee. Derzeit laufen die Aufräumarbeiten.“
Nach Angaben des Gouverneurs des Leningrader Gebiets, Alexander Drosdenko, hat die Luftabwehr bei den Angriffen auf die Region 59 ukrainische Drohnen abgeschossen.
Der Flughafen Pulkowo in St. Petersburg musste den Flugverkehr für einige Stunden einstellen; rund 50 Verbindungen fielen aus oder verspäteten sich. Der Betrieb der Luftverkehrsdrehscheibe lief ab sechs Uhr morgens Ortszeit wieder an.
Kyjiw setzt seit einiger Zeit verstärkt Langstreckendrohnen ein, um russische Energie-, Militär- und Logistikinfrastruktur zu treffen. Der Angriff auf Einrichtungen von Wildberries war bereits der vierte binnen einer Woche.
In der Nacht zum Freitag geriet auch ein weiteres Wildberries-Lager in Simferopol auf der von Russland besetzten Krim unter Beschuss.
Russische Medien haben errechnet, dass die Angriffe insgesamt rund 15 Prozent der Lagerflächen des Unternehmens mit einer Gesamtfläche von etwa eine Million Quadratmetern getroffen haben.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die Lager des Unternehmens dienten zur Aufbewahrung und zum Versand sanktionierter Komponenten für militärische Ausrüstung, unter anderem für die Produktion von Drohnen und Navigationssystemen. Diese Technik werde anschließend in der anhaltenden Aggression gegen die Ukraine eingesetzt.
Kyjiw bezeichnet diese Kampagne als „Langstreckensanktionen“ und betont, die Angriffe seien eine legitime Antwort auf die regelmäßigen nächtlichen Drohnen- und Raketenangriffe Russlands auf ukrainische Städte.
„Wichtig ist, dass auch gegen die russische Logistik eine Operation läuft, die die Armee der Besatzer mit Komponenten für Drohnen, Navigationsausrüstung und Ausrüstung versorgt“, schrieb Selenskyj am Freitag in sozialen Netzwerken (Quelle auf Russisch).
Er berichtete außerdem von einem Angriff auf den russischen Rüstungsbetrieb Avitek in Kirow und auf eine Ölanlage, die fast 1350 Kilometer von der Ukraine entfernt liegt.
„Unsere ukrainischen Verteidigungskräfte haben heute eines der wichtigsten Rüstungsunternehmen im russischen Kirow getroffen“, sagte der ukrainische Präsident. „Es liefert Komponenten für die Luft- und Raketentechnik der Besatzer, die unter anderem bei massiven Angriffen auf unsere Städte und Gemeinden eingesetzt wird.“
„Danke den Kämpfern für ihre Treffsicherheit! Unsere Antwort ist absolut gerechtfertigt“, schloss Selenskyj.
Die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien haben landesweit zu Kraftstoffknappheit geführt und die Finanzmittel des Kremls geschmälert, die für die Kriegsführung vorgesehen sind.