Russische Angriffe beschädigen Lettlands Honorarkonsulat im Osten der Ukraine, töten sechs Zivilisten und verletzen Dutzende; EU- und baltische Staats- und Regierungschefs sprechen von einem gezielten Angriff auf Zivilisten und diplomische Infrastruktur.
Die lettische Außenministerin Baiba Braze hat am Freitag „mit Empörung“ bestätigt, dass ein russischer Angriff das lettische Honorarkonsulat in der ukrainischen Stadt Slowjansk beschädigt hat. Mindestens sechs ukrainische Zivilistinnen und Zivilisten kamen dabei ums Leben, Dutzende weitere wurden verletzt.
„Ich habe die EU- und NATO-Minister sowie internationale Organisationen informiert“, erklärte Braze in einer Online-Stellungnahme. „Russland kann Gebäude zerstören, nicht den Willen der Ukraine und die Unterstützung Lettlands.“
Der lettische öffentliche Sender LTV Zinu dienests berichtete, dass Lettlands Honorarkonsul Oleksandr Pavenko bei dem Angriff unverletzt blieb. Der Angriff ereignete sich in der Region Donbass.
Der lettische Präsident Edgars Rinkevics bezeichnete den Angriff auf das Konsulat als „Kriegsverbrechen“. „Lettland steht an der Seite der Ukraine. Wir werden die Arbeit unseres Honorarkonsuls Oleksandr Pavenko und all jener weiter unterstützen, die an der Front bleiben und ihrem Volk helfen“, sagte er.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte, dass gelenkte Flugbomben am Freitag ein halbes Dutzend Zivilistinnen und Zivilisten töteten und weitere verletzten. In einer Online-Mitteilung erklärte er, der Angriff habe gewöhnliche Wohnhäuser, das Konsulatsgebäude und Fahrzeuge beschädigt.
„Es ist wichtig, dass unsere Partner vollständig verstehen, dass der Schutz von Menschenleben auch von ihnen abhängt. Abfangraketen für Patriot-Systeme haben oberste Priorität“, sagte Selenskyj.
„Dies ist ein weiteres Beispiel für Russlands ‚offenkundige Verletzung des Völkerrechts‘ und seine Missachtung des Schutzes von zivilen und konsularischen Einrichtungen“, erklärte der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha.
Er rief zu „entschlossenen internationalen Reaktionen“ auf den Vorfall auf.
Angriff auf lettisches Konsulat: Empörung in EU und Baltikum
Auch ranghohe EU-Vertreter stellen sich hinter die Ukraine und Lettland.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen übernimmt die Spitze der Reaktionen. Sie spricht den von dem tödlichen Angriff betroffenen Familien ihr Beileid aus. Der Schlag gegen Lettlands diplomatische Vertretung zeige Russlands ‚völlige Missachtung der Diplomatie‘.
„Russland verliert den Krieg, den es begonnen hat, und greift immer öfter Zivilisten an, in dem verzweifelten Versuch, den Kampfgeist der Ukraine zu brechen. Doch dieser Geist ist unerschütterlich. Und genauso der Wille Europas, die Verteidigung der Ukraine zu unterstützen“, sagte sie.
EU-Ratspräsident António Costa schloss sich diesen Worten an. Er nannte Russlands Angriff auf das Konsulat und die Stadt Slowjansk einen „schwerwiegenden und inakzeptablen Akt“.
„Ich verurteile diesen Angriff aufs Schärfste. Er hat Menschen das Leben gekostet und viele verletzt“, sagte er.
Der litauische Außenminister Kęstutis Budrys verurteilte Russlands Vorgehen gegen ukrainische Zivilisten und die politische Infrastruktur Lettlands. Er betonte, diese Angriffe würden den Mut, die Widerstandskraft und die Entschlossenheit des ukrainischen Volkes ebenso wenig brechen wie den Willen derjenigen, die an der Seite der Ukraine stehen.
Der estnische Außenminister Margus Tsahkna sprach von einem „gezielten Angriff“ auf Ukrainerinnen und Ukrainer sowie auf europäische diplomatische Vertretungen.
„Diese Angriffe werden nicht unbeantwortet bleiben. Der Druck wird zunehmen, und die Unterstützung für die Ukraine wird nicht nachlassen“, fügte er hinzu.
Bereits im vergangenen August haben russische Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kyjiw die EU-Vertretung „schwer beschädigt“. Damals erklärte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, sie sei „empört“ über den Angriff, bei dem mindestens 17 ukrainische Zivilistinnen und Zivilisten ums Leben kamen.