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Argentinien: Boykottaufrufe und Kritik an Rosalía und Patti Smith nach WM-Finale

Rosalía bei einem Spiel Spaniens bei der WM.
Rosalía bei einem Spiel Spaniens bei der WM. Copyright  @rosalia.vt/Instagram
Copyright @rosalia.vt/Instagram
Von Lucia Blasco
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Unterstützungsbotschaften von Rosalía und Patti Smith für Spanien haben nach dem WM-Finale in Argentinien scharfe Reaktionen, Boykottaufrufe und die Absage eines Tributkonzerts ausgelöst.

Die Nachwirkungen des WM-Finals zwischen Spanien und Argentinien reichen bis in die Musikwelt. Innerhalb weniger Tage hat die Sängerin Rosalía erlebt, dass in Argentinien ein Konzert zu Ehren ihres Werks abgesagt wurde und die Rufe nach einem Boykott ihrer nächsten Auftritte in Buenos Aires lauter wurden. Die US-Künstlerin Patti Smith musste ebenfalls einen Beitrag über das Spiel zurücknehmen, nachdem sie eine Welle von Kritik erhalten hatte.

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Die Kontroverse spielte sich vor dem Hintergrund einer großen Anspannung nach dem WM-Finale ab. Das Spiel und die Tage danach waren geprägt von Auseinandersetzungen zwischen Fans in sozialen Netzwerken, gegenseitigen Beschimpfungen, Hetzkampagnen gegen bekannte Persönlichkeiten und mehreren Debatten über das Verhalten einzelner argentinischer Spieler und Anhänger, die auch außerhalb des Landes für Diskussionen sorgten.

Beide Künstlerinnen entschuldigten sich schließlich, nachdem einige argentinische Fans ihre Botschaften als Spott über die Nationalmannschaft verstanden hatten. Doch was haben sie genau veröffentlicht – und warum sorgt das für so viel Streit?

„Mala mía“: Was teilte Rosalía und warum entschuldigt sie sich?

Die Kontroverse begann kurz nach dem WM-Finale, als Rosalía bei TikTok ein Video der Influencerin Mia Khalifa teilte, das den Sieg Spaniens feierte. In dem Clip war „La Perla“, ein Song ihres Albums „LUX“, zu hören; dazu erschien der Satz: „Cómo suena la vida ahora que las perlas fueron derrotadas“ („Wie das Leben klingt, jetzt, da die Perlen besiegt wurden“).

Viele Nutzerinnen und Nutzer in Argentinien deuteten den Ausdruck „las perlas“ als Anspielung auf die Nationalelf in Himmelblau und Weiß und sahen darin Spott über die Niederlage. Das Video verbreitete sich rasant in den Netzwerken, bevor die Sängerin es wieder löschte.

Angesichts der Flut an Kritik veröffentlichte Rosalía eine Entschuldigung in ihren Instagram-Stories. „Ich habe geteilt, weil ‚La Perla‘ lief, und habe gar nicht gelesen, was da stand, mala mía. Perdón“, schrieb sie und setzte eine argentinische Flagge dazu. In einem weiteren Beitrag fügte sie hinzu: „Ich habe nur Liebe für Argentinien“ und betonte, sie habe das Land nicht verletzen wollen.

Von Rosalía auf Instagram veröffentlichte Botschaften.
Von Rosalía auf Instagram veröffentlichte Botschaften. @rosalia.vt/Instagram

Welche Folgen hat die Affäre für die Sängerin?

Die Auseinandersetzung blieb nicht auf das Netz beschränkt. Einige argentinische Fans riefen dazu auf, Tickets für die vier Konzerte zu verkaufen oder zurückzugeben, die Rosalía Anfang August in Buenos Aires geplant hat. Andere forderten, aus Protest Plätze leer zu lassen.

Die unmittelbarste Folge zeigte sich jedoch in Córdoba. Ein sinfonisches Konzert zu Ehren von Rosalía, organisiert von einer unabhängigen Produktionsfirma ohne direkte Verbindung zur Künstlerin, wurde abgesagt, nachdem die Organisatoren nach eigenen Angaben „zahlreiche Botschaften voller Hass und Wut“ erhalten hatten.

Die Verantwortlichen betonten, sie hätten monatelang an dem Projekt gearbeitet und künstlerische Ziele in den Mittelpunkt gestellt. In einer auf sozialen Medien verbreiteten Erklärung zeigten sie Verständnis für die Emotionen nach dem Finale, denn „Fußball ist nicht nur ein Sport, er ist Teil unserer Identität, unserer Geschichte und unserer Kultur“. Zugleich bedauerten sie, dass die angespannte Lage sie schließlich dazu zwang, das Konzert abzusagen, um die beteiligten Musikerinnen und Musiker zu schützen.

Bislang bleiben die vier offiziellen Konzerte von Rosalía in Buenos Aires wie vom Veranstalter angekündigt im Programm.

Was geschah bei Patti Smith?

Die Sängerin und Dichterin Patti Smith geriet ebenfalls wegen eines Posts nach dem Finale in die Kritik. Darin feierte sie den Sieg Spaniens und bezeichnete Spanien als „die Guten“ – viele argentinische Nutzerinnen und Nutzer verstanden dies so, als stelle sie das gegnerische Team auf die andere Seite.

Die kritischen Reaktionen nahmen in wenigen Stunden deutlich zu, und die Künstlerin löschte den Beitrag schließlich. Anschließend teilte sie ein Bild von Lionel Messi und veröffentlichte einen neuen Text, in dem sie versicherte, sie habe Argentinien und seine Nationalmannschaft niemals herabsetzen wollen.

Smith erinnerte zudem an ihre seit Jahren bestehende Verbindung zu dem südamerikanischen Land, brachte ihre Bewunderung für Messi zum Ausdruck und erklärte, sie bedauere zutiefst, dass ihre Worte als Respektlosigkeit gegenüber dem argentinischen Volk verstanden worden seien.

Fußballfinale löst Kulturstreit aus: Woran liegt das?

Die Posts von Rosalía und Patti Smith waren zwar unterschiedlich, doch beide wurden Teil eines größeren Phänomens, das die Debatte nach dem WM-Finale prägt. Die Niederlage Argentiniens löste eine enorme Aktivität in sozialen Netzwerken aus. Dort mischten sich Jubel, Spott, nationalistische Botschaften und Boykottkampagnen gegen verschiedene Persönlichkeiten, die offen ihre Unterstützung für Spanien äußerten.

In diesem Umfeld erhielten Beiträge, die sonst wohl kaum aufgefallen wären, plötzlich eine deutlich größere politische und emotionale Bedeutung. Screenshots und Videos verbreiteten sich rasant und erreichten ein Publikum weit über die üblichen Fankreise der beiden Künstlerinnen hinaus.

Rosalía und Patti Smith entschieden sich, ihre Posts zu löschen und ihre Sicht zu erklären. Ihre Entschuldigungen beenden den Streit jedoch nicht: Noch Tage nach dem Schlusspfiff sammeln die Beiträge weiterhin sowohl Kritik als auch Unterstützung.

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