Vor dem Gerichtsgebäude in Çağlayan versammelten sich Demonstrierende und forderten lautstark die Freilassung von Personen, die bei jüngsten Razzien festgenommen worden waren. Die Polizei umstellte die Gruppe und warnte, die Kundgebung sei nicht genehmigt. Kurz darauf griff sie ein und brachte die Demonstrierenden mit Polizeibussen weg. Unter den Festgenommenen waren zwei Journalisten.
Der Protest folgte auf landesweite Polizeieinsätze in der Türkei am 12. und 13. September unter dem Titel „My Family Is Safe“. Nach Angaben der feministischen Aktivistin Feride Eralp wurden landesweit 162 Menschen in Gewahrsam genommen; mehr als 20 kamen in Untersuchungshaft, mehr als 30 allein in Istanbul. Zudem berichtete sie, die Polizei habe sechs LGBTQ-Vereine in der Stadt durchsucht.
Die Regierung ordnet die Einsätze der Initiative „Decade of the Family and Population“ von Präsident Recep Tayyip Erdoğan zu. Gleichgeschlechtliche Beziehungen sind in der Türkei nicht verboten. Dennoch geraten LGBTQ-Menschen seit einigen Jahren zunehmend unter Druck der Behörden.
Die Europäische Union zeigte sich am Montag besorgt über die Festnahmen und rief Ankara dazu auf, die Menschenrechte zu achten.