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Neue Insel aufgetaucht - das steckt hinter der einzigartigen Entdeckung

Luftaufnahme einer neuen Insel im nördlichen Kaspischen Meer in Kasachstan.
Luftaufnahme einer neu entstandenen Insel im Norden des Kaspischen Meeres in Kasachstan. -  Copyright  Copyright: Daniyar Akimzhanov
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Von Meruyert Zhakiyanova
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
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Seit Jahrzehnten schrumpft das Kaspische Meer, nun taucht vor Ort eine neue Insel auf. Dahinter stecken Klimawandel und Wasserverbrauch.

Das Kaspische Meer ist das größte Binnengewässer der Erde. Doch seit Jahren zieht es sich zurück.

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Die nördlichen und nordöstlichen Abschnitte vor der Küste Kasachstans bilden den seichtesten Teil des Kaspischen Meeres, meist nur drei bis sechs Meter tief. Da der Pegel nach Jahrzehnten des Klimawandels und intensiver Nutzung weiter sinkt, entdecken Umweltschützer nun ganze Gruppen zuvor überfluteter Inseln.

Die jüngste dieser neu auftauchenden Flächen entdeckten sie vor wenigen Tagen nahe der Insel Kulaly bei einem aktuellen Überflug.

Der Freiwillige und Umweltaktivist Daniyar Akimzhanov gehörte zu der Gruppe, die den Fund meldete. Er sagt, die neu aufgetauchte Insel sei relativ klein, aber keineswegs ein Einzelfall.

In den vergangenen vier bis fünf Jahren hat Akimzhanov in diesem Teil des Kaspischen Meeres mehrere neue Inseln dokumentiert.

„Die auf dem Foto, das ich Ihnen geschickt habe, ist die kleinste. Es gibt deutlich größere neue Inseln“, erklärt er.

Geheime Inseln im Kaspischen Meer

Einige dieser Inseln sind rund einen Kilometer lang und 200 bis 300 Meter breit. Wildtiere haben das neu freiliegende Land bereits erobert.

Akimzhanov berichtet, er habe selbst ein Wildschwein auf einer der Inseln gesehen. Wölfe gelangen im Winter über das Eis dorthin. Die neuen Inseln bekommen in der Regel keine Namen, sagt er.

Das Kasachische Forschungsinstitut für das Kaspische Meer, das im September 2025 auf Anweisung von Präsident Kassym-Jomart Tokajew seine Arbeit aufgenommen hat, geht davon aus, dass weitere Landflächen auftauchen werden. Nicht alle werden sich jedoch zu dauerhaften Inseln entwickeln.

„Die Zukunft jeder neu freigelegten Fläche hängt von der Topografie des Meeresbodens, den Wellen, windbedingten Schwankungen des Wasserstands und der weiteren Dynamik des Kaspischen Meeresspiegels ab“, erklärt das Institut.

Das Auftauchen neuer Inseln gehört zu den sichtbarsten Zeichen eines viel umfassenderen Wandels: Das Kaspische Meer zieht sich zurück.

Kaspisches Meer zieht sich zurück

Das Kaspische Meer ist das größte Binnengewässer der Welt ohne Abfluss zum Ozean. Es grenzt an fünf Staaten: Kasachstan, Russland, Aserbaidschan, Iran und Turkmenistan. Mehr als 80 Prozent des Zuflusses stammen aus der russischen Wolga.

Der Hydroklimaforscher Sifan Koriche von der University of Alabama, der mehrere Studien zum Kaspischen Meer veröffentlicht hat, erklärt die Wasserbilanz in einfachen Worten.

„Es ist im Grunde eine einfache Wasserrechnung. Das Wasser kommt über Flüsse und Niederschlag hinein, hinaus geht es nur über Verdunstung“, sagt er.

Messreihen zeigen, dass der Pegel im kasachischen Teil des Kaspischen Meeres von minus 26,82 Metern im Jahr 1996 auf minus 29,27 Meter im Jahr 2025 gefallen ist. Das entspricht einem Rückgang um 2,45 Meter in den vergangenen drei Jahrzehnten, also im Schnitt rund 8 bis 9 Zentimeter pro Jahr.

Der Pegel fällt weiter. Nach Angaben des Kasachischen Forschungsinstituts für das Kaspische Meer lag der mittlere Wasserstand an der Messstation bei der Insel Kulaly im Juli 2026 bei minus 29,42 Metern. Das ist der niedrigste Wert im gesamten Beobachtungszeitraum.

Der nordöstliche Teil des Kaspischen Meeres, einschließlich der Küste der Region Atyrau in Kasachstan, reagiert besonders empfindlich auf sinkende Wasserstände. Die durchschnittliche Tiefe beträgt dort nur etwa sechs Meter, der Meeresboden fällt sehr flach ab. Schon ein kleiner Rückgang des Pegels lässt die Küstenlinie weit zurückweichen.

Das Ausmaß dieses Rückzugs ist bereits deutlich sichtbar. Nach Berechnungen des Kasachischen Forschungsinstituts für das Kaspische Meer hat sich die Wasserfläche im untersuchten Teil des nordöstlichen Kaspischen Meeres zwischen 2000 und 2025 um rund 16.384 Quadratkilometer verringert.

Vom Institut ausgewertete Satellitenbilder zeigen ebenfalls, wie sich die Küstenlinie in den vergangenen Jahren verschoben hat. Zwischen 2021 und 2026 legten die sinkenden Pegel nach und nach neue Flächen des Meeresbodens nahe der Insel Kulaly und des Tyuleniy-Archipels frei.

Satellitenaufnahme des nordöstlichen Kaspischen Meeres im Jahr 2021.
Satellitenaufnahme des nordöstlichen Kaspischen Meeres im Jahr 2021. Copyright: Kazakh Research Institute of the Caspian Sea
Satellitenaufnahme desselben Gebiets im Jahr 2026.
Satellitenaufnahme desselben Gebiets im Jahr 2026. Copyright: Kazakh Research Institute of the Caspian Sea

Historisch gesehen schwankte der Pegel des Kaspischen Meeres immer wieder. Von den 1930er-Jahren bis 1977 sank er um rund drei Meter. In den darauffolgenden zwei Jahrzehnten stieg er wieder um etwa 2,5 Meter, bevor eine weitere Absenkungsphase einsetzte.

Schwankungen des Meeresspiegels sind also nichts Neues. Forschende betonen jedoch, dass der Klimawandel und menschliche Eingriffe die Wasserbilanz inzwischen spürbar verändern.

Frühere Studien führen den Rückgang der vergangenen Jahrzehnte vor allem auf stärkere Verdunstung zurück, weil die regionalen Temperaturen gestiegen sind. Auch weniger Niederschlag spielt eine Rolle, allerdings in geringerem Ausmaß.

Hinzu kommt der direkte Einfluss des Menschen auf die Zuflüsse. Staudämme regulieren die Flüsse in Richtung Meer, gleichzeitig wird im gesamten Einzugsgebiet Wasser für Bewässerung und andere Zwecke entnommen. Auch das Management der Stauseen bestimmt, wie viel Wasser die Flüsse letztlich in das Kaspische Meer bringen.

Warum die Kaspische Robbe verschwindet

Die Kaspische Robbe, die es nur in diesem Meer gibt, hat bereits einen dramatischen Bestandseinbruch erlebt. In den vergangenen hundert Jahren sank ihre Zahl von etwa einer Million Tiere auf rund 100.000.

Kaspische Robben in Kasachstan.
Kaspische Robben in Kasachstan. Copyright: Mirgaliy Baimukanov

Der Rückzug des Meeres setzt die Tiere zusätzlich unter Druck, denn er verändert die abgelegenen Inseln, auf denen sie sich saisonal an Land ausruhen.

Nach Angaben der Robbenforscherin Assel Baimukanowa hat sich die Fläche dieser Ruheplätze auf Inseln seit 1995 um mehr als das Fünfzehnfache verringert.

Im Jahr 2021 hielten sich Baimukanowa und andere Forschende vom Institut für Hydrobiologie und Ökologie auf einer kleinen neu entstandenen Insel auf, die sie New Durnev nannten und auf der sich Tausende Robben versammelten. Als sie 2023 zurückkehrten, war die Insel deutlich größer geworden und zeitweise sogar mit dem Auto erreichbar. Später verband sie sich ganz mit dem Festland.

„Für die Robben ist sie damit unbrauchbar geworden. Keine isolierte Insel bedeutet keine Robben“, sagt Baimukanowa.

Mit dem Rückzug des Meeres werden die Robben zudem nach Westen verdrängt. Der Nordosten des Kaspischen Meeres war lange ein natürlicher Rückzugsraum, weil Menschen dort nur schwer hinkommen. Weiter westlich stoßen die Tiere auf deutlich mehr menschliche Aktivitäten, darunter Fischerei, Schifffahrt, Tourismus sowie Öl- und Gasförderung.

Steigende Temperaturen bringen eine weitere Gefahr: Das stabile Wintereis verschwindet. Kaspische Robben bringen ihre Jungen auf dem Eis zur Welt, doch die milderen Winter lassen die Eisschicht dünner und instabiler werden, erklärt Baimukanowa.

Für neugeborene Jungtiere bedeutet der Verlust einer stabilen Eisdecke, dass ihre Überlebenschancen minimal sind.
Assel Baimukanova
Robbenforscherin

Die Folgen des zurückweichenden Meeres betreffen jedoch nicht nur die Tierwelt. Nach Einschätzung des Kasachischen Forschungsinstituts für das Kaspische Meer wirken sich die schrumpfenden Flachwasserzonen auch auf Feuchtgebiete aus und könnten die Probleme für Fischerei, Häfen, Schifffahrt und andere Küsteninfrastruktur verschärfen.

Wie es weitergeht

Die meisten Klimaszenarien deuten darauf hin, dass der Meeresspiegel des Kaspischen Meeres im einundzwanzigsten Jahrhundert weiter sinkt. Das genaue Ausmaß bleibt aber unsicher.

Koriches Studien ergeben in einem mittleren Klimaszenario einen möglichen Rückgang um bis zu acht Meter bis zum Ende des Jahrhunderts, auch wenn sich die Modelle deutlich unterscheiden.

Um zu verdeutlichen, was schon ein geringerer Rückgang bewirken könnte, nennt Koriche ein Beispiel: Ein Absinken um fünf Meter würde im nördlichen Kaspischen Meer rund 77.000 Quadratkilometer Meeresboden freilegen.

Nach seinen Berechnungen droht dem gesamten Kaspischen Meer kein Szenario wie dem Aralsee, da die zentralen und südlichen Becken wesentlich tiefer sind. Teile des seichten Nordens könnten jedoch stark austrocknen.

„Der nördliche Teil umfasst etwa ein Viertel bis ein Drittel des Gewässers. Es besteht die Möglichkeit, dass dieser Bereich ein ähnliches Schicksal wie der Aralsee erleidet“, sagt er.

Das Ausmaß des künftigen Rückgangs ist jedoch nicht festgelegt. Koriches Berechnungen zeigen, dass zusätzliche Wasserentnahmen durch den Menschen den Pegel in manchen Szenarien um bis zu sieben Meter weiter sinken lassen könnten.

Aus seiner Sicht müssen Maßnahmen sowohl den Rückgang bremsen als auch die Anpassung daran erleichtern. Dazu gehören ein effizienteres Wassermanagement im gesamten Einzugsgebiet des Kaspischen Meeres, insbesondere an der Wolga, sowie bessere Überwachung und ein intensiverer Austausch von Daten zwischen den Anrainerstaaten.

Auch das Kasachische Forschungsinstitut für das Kaspische Meer betont, dass Anpassung immer wichtiger wird. Dazu zählen der Schutz besonders empfindlicher Ökosysteme, die Beobachtung der neu freiliegenden Meeresböden und die Umrüstung von Häfen sowie anderer Küsteninfrastruktur.

Einige regionale Initiativen laufen bereits. Kasachstan hat ein zwischenstaatliches Programm zum Schutz der Wasserressourcen des Kaspischen Meeres vorgeschlagen. Außerdem erarbeiten die fünf Anrainerstaaten im Rahmen der Teheraner Konvention einen Aktionsplan für die Jahre 2026 bis 2036, um die Überwachung zu verbessern, die Folgen des Meeresspiegelrückgangs zu bewerten und Maßnahmen zur Anpassung zu entwickeln.

„Wirksame Lösungen sind nur durch abgestimmtes Handeln aller fünf Anrainerstaaten möglich“, heißt es aus dem Institut.

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