Finden Sie uns
Werbung

Melania Trump erzielt Waffenruhe im russisch besetzten Oleshky, laut Weißem Haus

Archivbild: Rauch steigt über einem Wohnviertel im von Russland besetzten Oleschky in der südukrainischen Region Cherson auf, 22. September 2026.
ARCHIV: Über einem Wohnviertel in der von Russland besetzten Stadt Oleschky in der südukrainischen Region Cherson steigt Rauch auf. 22. September 2026. -  Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Sasha Vakulina
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Die Vereinbarung, die am 29. Oktober in Kraft treten soll, soll Hilfslieferungen und die Evakuierung von Zivilisten in einer seit Jahren von Russland besetzten, von Hunger und gefährlichen Fluchtversuchen geprägten Stadt ermöglichen.

Die US-First Lady Melania Trump hat nach Angaben des Weißen Hauses eine Vereinbarung zwischen Russland und der Ukraine vermittelt, die die militärischen Operationen in der von Russland besetzten Stadt Oleschky vorübergehend stoppen soll. So sollen Hilfslieferungen die Stadt erreichen und eingeschlossene Zivilistinnen und Zivilisten nahe der Front evakuiert werden.

WERBUNG
WERBUNG

Die lokale Feuerpause soll am 29. Oktober beginnen. Beide Seiten haben demnach zugesagt, die Kampfhandlungen in der südukrainischen Stadt auszusetzen und einen festgelegten sicheren Korridor für Menschen einzurichten, die Oleschky verlassen wollen, so das Weiße Haus.

Oleschky liegt am von Russland besetzten Ostufer des Dnipro, gegenüber der von der Ukraine kontrollierten Stadt Cherson. Vor der russischen Vollinvasion lebten dort rund 24.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Nach Schätzungen des Weißen Hauses sind nur noch 1.700 bis 2.000 Menschen geblieben, darunter etwa fünfzig Kinder.

Die Bekanntgabe erfolgt vor dem Hintergrund einer sich zuspitzenden humanitären Krise in Oleschky. Die Menschen haben kaum noch Zugang zu Lebensmitteln, sauberem Wasser und Medikamenten. Fluchtversuche bringen Zivilistinnen und Zivilisten zudem in Gefahr, weil sie Minenfeldern und Drohnenangriffen ausgesetzt sind.

In einem exklusiven Gespräch mit Euronews am 13. Oktober schilderte Tetiana Hasanenko, Leiterin der städtischen Militärverwaltung von Oleschky, eine Stadt, die nach mehr als vier Jahren russischer Besatzung am Boden liegt.

"Die Stadt ist praktisch zerstört“, sagte sie. "Es gibt kaum ein Gebäude, das nicht beschädigt wurde.“

Hasanenko schätzte, dass noch rund 2.000 Menschen in Oleschky leben, darunter 35 Kinder, die ihrer Aussage nach nicht ausreisen können.

Sie berichtete, viele Bewohnerinnen und Bewohner überlebten mit nur einer Mahlzeit am Tag, manchmal seien es nur wenige Löffel Getreide. Andere hätten begonnen, Unkraut zu essen.

Melania Trumps Rolle bei der Vereinbarung

Nach Angaben des Weißen Hauses arbeiteten die First Lady und ihre Beauftragten direkt mit russischen und ukrainischen Führungspersönlichkeiten zusammen, um die Bedingungen der humanitären Pause auszuhandeln, einschließlich Zeitplan, technischer Abläufe und Umsetzung.

Melania Trump habe die Gespräche mit beiden Seiten angestoßen und sei in der offiziellen Funktion einer „Exklusiven Vermittlerin“ tätig gewesen, hieß es aus Washington.

"Die Lage in Oleschky ist dramatisch. Oleschky ist eine Frontstadt am Rand einer Katastrophe“, sagte sie.

Die First Lady beschrieb die verbleibende Bevölkerung als überwiegend ältere Menschen, die dringend medizinische Hilfe und grundlegende Versorgung benötigen. Strom gebe es nur eingeschränkt, Straßen seien vermint, laufende Angriffe erschwerten den Zugang für Hilfsorganisationen.

Sie betonte, ihr Einsatz sei entscheidend gewesen, um die Vereinbarung zu erreichen und Hilfslieferungen sowie Evakuierungen zu ermöglichen.

Nach den geplanten Regeln sollen zivile Vertreterinnen und Vertreter aus der Ukraine und aus Russland die Menschen zu Hause aufsuchen, ihren Bedarf erfassen und Hilfe koordinieren.

Wer die Stadt verlassen möchte, soll demnach Transport zu einem Wunschziel angeboten bekommen. Melania Trump erklärte, sie gehe davon aus, dass manche in die Ukraine und andere nach Russland weiterreisen wollen.

Die First Lady sagte außerdem, sie habe eine unabhängige US-Medienorganisation gewonnen, die die Aktion begleiten und dokumentieren soll. Das Weiße Haus nannte den Namen der Organisation nicht.

In der Mitteilung blieb offen, wie lange die Feuerpause gelten soll und welche konkreten Sicherheitsgarantien für die Beteiligten der Hilfsaktion vorgesehen sind.

25-Kilometer-Strecke: „Straße des Todes“

Oleschky steht seit den ersten Tagen der russischen Vollinvasion im Februar 2022 unter Besatzung. Im Juni 2023 richteten die Fluten nach der Zerstörung des Kachowka-Staudamms weitere schwere Schäden an. Weite Teile der Umgebung standen unter Wasser, ohnehin marode Infrastruktur wurde zerstört.

In ihrem exklusiven Interview mit Euronews schilderte Hasanenko, dass fliehende Bewohnerinnen und Bewohner gezwungen gewesen seien, rund 25 Kilometer in Richtung des Dorfes Radianske zu Fuß zurückzulegen – über stark vermintes Gelände und ungeschützt vor Drohnenangriffen.

Viele seien bereits durch Hunger geschwächt gewesen, sagte sie. Einige, die entkommen konnten, seien später mit Lebensmitteln zurückgekehrt, um Kinder und ältere Angehörige zu versorgen, die den langen Weg nicht schaffen konnten.

Entlang der Route seien Menschen durch Minenexplosionen getötet worden, berichtete Hasanenko. Einige Leichen hätten nicht geborgen werden können.

"Diese Straße ist tatsächlich eine Straße des Todes“, sagte sie.

Sie warf den russischen Truppen außerdem vor, gezielt Lebensmitteltransporte anzugreifen und Bewohnerinnen und Bewohner zu bestrafen, die verdächtigt werden, Hilfe von ukrainischen Soldaten erhalten zu haben.

Euronews konnte die Schilderungen aus Oleschky nicht unabhängig überprüfen. Die Stadt steht weiterhin unter russischer Besatzung und ist für unabhängige Journalistinnen und Journalisten nicht zugänglich.

Hilfsaktion in besetztem Gebiet

Nach Angaben des Weißen Hauses entstand die Initiative bei einem privaten Gespräch während der Veranstaltung „Fostering the Future Together“ von Melania Trump in New York. Das Treffen fand am Rande der 81. Generalversammlung der Vereinten Nationen statt.

Beide Länder stellten demnach Teams zusammen, die die Details koordinieren sollen, darunter auch die Räumung von Minen.

Die Vereinbarung könnte, falls sie umgesetzt wird, eine seltene Gelegenheit bieten, Menschen zu erreichen, die seit Jahren weitgehend ohne regelmäßige humanitäre Hilfe auskommen müssen.

Da Oleschky jedoch unter russischer militärischer Kontrolle bleibt, ist unklar, wie sicherer Zugang gewährleistet werden soll, wie die Einhaltung der Waffenruhe überwacht wird und ob die Bewohnerinnen und Bewohner wirklich frei an ihr gewünschtes Ziel ausreisen können.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

"Menschen müssen Unkraut essen": Die Hölle von Oleschky unter russischer Besatzung

"Menschen essen Gras": Ukrainische Stadt Oleshky droht Hungersnot

Wegen USA-Einfluss: EU drängt auf Rolle bei Ukraine-Russland-Gesprächen