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Wanderung verpasst: Pinguin verbringt Sommer in Südfrankreich

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Wanderung verpasst: Pinguin verbringt Sommer in Südfrankreich

Wanderung verpasst: Pinguin verbringt Sommer in Südfrankreich
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Gérard Picotin
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Seit einigen Wochen badete ein Pinguin zwischen den Urlaubern in der Nähe der Strände von Sète in Südfrankreich. Am vergangenen Freitag wurde er von der Tierschutzvereinigung Ligue pour la Protection des Oiseaux (LPO) de l'Hérault gerettet.

Es ist nicht ungewöhnlich, Tordalke im Winter und Frühling in den Gewässern vor dem Hérault, einem warmen und sonnigen Departement in Südfrankreich, zu sehen. In der französischen Sprache zählt man die an Land aufrecht gehenden Vögel zu den Pinguinen.

Allerdings halten sich die Tiere selten in dieser Sommerperiode in Südfrankreich auf und noch seltener in unmittelbarer Nähe zum Menschen.

Dies war jedoch das Spektakel im Étang de Thau, einer Küstenlagune südlich von Marseille. Mehrere Gruppen von Urlaubern sichteten das Tier und alarmierten den Naturschutzverband.

Der einsame Tordalk im Etang de Thau

Wie eine Vertreterin der Organisation gegenüber Euronews sagte, ist es für sie unüblich in diesen Fällen einzugreifen. Nur wenn das Tier sich in Schwierigkeiten befindet, fange man es, so Julie Pierru vom LPO Hérault: "Sein Gefieder wurde immer durchlässiger für Wasser".

Das Gefieder hilft ihm dabei, seine Körpertemperatur zu regulieren", erklärte ein Mitarbeiterin des Gesundheitszentrums in Villeveyrac, dessen Aufgabe es ist, wilde Tiere zu heilen und in die Natur zu entlassen. "Wenn der Vogel geschwächt ist, könnten Leukopoeia-Möwen ihr gefährlich werden", erklärte LPO auf seiner Webseite.

Der schwarz-weiße Vogel, den Wissenschaftler auf ein bis zwei Jahre alt schätzen, wurde deshalb am Freitag in Balaruc-les-Bains gefangen und in ein Naturschutzzentrum gebracht. Ein heikler Vorgang, "weil es ein Tier ist, das sehr gut taucht und nur zum Zeitpunkt der Fortpflanzung an Land lebt", erklärt Julie Pierru.

LPO Hérault
Die Fangaktion in Balaruc-les-BainsLPO Hérault

Um seinen wilden Charakter zu unterstreichen, wurde das Tier von der Organisation nicht auf einen Namen getauft. Er sei überhitzt und dehydriert gewesen. Er stehe unter Beobachtung und könne sich mitterweile in seiner Box selbst ernähren.

Wanderung verpasst

Die Kolonie des Vogels ist nach Angaben der Tierschützer wie jedes Frühjahr nach Nordeuropa gezogen, der Tordalk aber habe ihnen wohl nicht folgen können.

Die Gründe können vielfältig sein: "Wir denken, dass seine Mauser unterbrochen wurde: So hatte er Mühe, seine Federn zu erneuern - oder eine kleine Krankheit kann ihn geschwächt haben", so Julie Pierru.

Eine weitere mögliche Erklärung ist die Zeit: "Nicht alle Pinguine in der Kolonie ziehen zur gleichen Zeit los. In diesem Jahr gab es schwere Unwetter, der Tordalk könnte von einem Sturm eingeschlossen worden sein", so die Expertin.

LPO Hérault
De kleine Tordalk wird in der Auffangstation "aufgepäppelt"LPO Hérault

Jetzt muss das Tier den Stress in dem Auffangzentrum nur gut meistern, hoffen die Retter. Tordalke sind von Natur aus sehr ängstlich und können an zu viel Panik sterben.

Ende September sollte der Pinguin, wenn er wieder zu Kräften gekommen ist, wieder zu seiner Kolonie stoßen. Denn die Tiere treten jedes Jahr die gleiche Reise an.