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EU: Fisch-Beifang essen, nicht ins Meer kippen

EU: Fisch-Beifang essen, nicht ins Meer kippen
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Die EU hat den Fischern vor fünf Jahren verboten, sogenannten "Beifang" einfach über Bord zu werfen, doch viele Fischer halten sich offenbar nicht daran. Wenn zum Beispiel Plattfische im Dorschnetz landen, müssen sie künftig an Land gebracht und verkauft werden. Forscher fordern auch bessere Kontrollen, wie Überwachungskameras an Bord.

Denis Loctier

Denis Loctier, Euronews

„Diesen Fisch will hier keiner - das Boot ist im Skagerrak unterwegs, um Garnelen zu fangen. Diesen Beifang kann man vom 1. Januar an nicht mehr zurück ins Wasser werfen. “

Das Verbot soll die Fischerei nachhaltiger machen. Die ungewollten und aussortierten Fische überleben die Prozedur meist nicht. So endet geschätzt ein Viertel der weltweiten Fänge – rund 30 Millionen Tonnen Fisch pro Jahr – als Fischmüll. In Europa haben Fischer häufig Fänge ins Meer geworfen, bei denen Quoten für eine bestimmte Art überschritten wurden.

Johan Grahn

Johan Grahn, Fischer:

„Wer noch irgendwie bei Trost ist, würde doch nie gutes Essen wegkippen - das ist einfach dumm. Und nach einer guten Weile hat man jetzt rausgekriegt, wie man das managen kann. Den Anfang nennt man Anlandeverpflichtung.“

Fischfangschiffe sind verpflichtet, alle kontrollierten Arten, die in ihren Netzen hängen bleiben, zu melden und an Land mitzubringen. Auch unbeabsichtigte Fänge werden auf die Quoten angerechnet, was laut Kritikern die Schiffe zwingen kann, alle Operationen einzustellen, wenn die Grenzwerte für Arten erreicht sind, nach denen gar nicht gefischt wurde. Um dieses Risiko zu verringern, verwenden viele inzwischen angepasste Ausrüstungen, die den Fischfang selektiver machen.

Johan Grahn, Fischer:

"Der ganze Beifang, wie Fische und anderes Zeug, das man nicht haben will, kommt an das Gestänge, steigt auf und schwimmt weiter."

Fischerei-Experten melden erste Erfolge

Malin Skog

Die von den EU-Mitgliedstaaten in den letzten Jahren schrittweise eingeführte Anlandeverpflichtung soll die europäische Fischerei nachhaltiger machen. Laut einigen Fachleuten konnten sich viele überfischte nordeuropäische Fischbestände schon jetzt erholen.

Malin Skog, Nachhaltigkeitsmanagerin der Produzentenorganisation der schwedischen Fischer (SFPO):

„Ich meine, der Zuwachs bei den Fischbeständen in den letzten Jahren hat etwas mit den gemeinsamen Anstrengungen in der EU zu tun – mit der Gemeinsamen Fischereipolitik, der Anlandeverpflichtung und anderen Maßnahmen. Man sieht schon, dass viele Bestände heute viel besser dran sind als noch vor vielleicht 20 Jahren.“

Daten des Internationalen Rates für Meeresforschung (Ices) in Kopenhagen legten allerdings nahe, dass das Rückwurfverbot oft nicht greife und versehentlich mitgefangene Fische weiter in hoher Zahl im Meer landen würden, sagt Christopher Zimmermann, Direktor des Thünen-Instituts für Ostseefischerei in Rostock.

Logbucheinträge und Inspektoren an Bord als Kontrollinstrumente seien dem Fischerei-Experten "bislang ein zahnloser Papiertiger“.

Bis Mitte 2019 sollen technische Mindestanforderungen für eine Fernüberwachung durch Kameras und Sensoren erarbeitet werden.

Die Gemeinsame Fischereipolitik der EU zielt darauf ab, die Überfischung zu beenden und alle Fischbestände in EU-Gewässern auf ein nachhaltiges Niveau zu bringen. Bis 2020 soll es so weit sein.

su