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Frankreich: Gleichheit nur auf dem Papier

Frankreich: Gleichheit nur auf dem Papier
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Paris, Hauptstadt des Luxus, im Zentrum leben und tummeln sich die Reichsten des Landes. Aber nur ein paar Kilometer weiter, in den Vororten zeigt sich das Gefälle zwischen Arm und Reich: Dort leben Menschen in der Armutsfalle und leiden unter Ungleichheit, Rassismus und mangelnder Mobilität. Euronews-Reporter Ryan Thompson hat in den "banlieues" nördlich von Paris die sozialen Probleme Frankreichs beobachtet.

In der französischen Hauptstadt sind Reichtum und Privilegien offensichtlich: Paris gilt als eine der teuersten Städte der Welt. Aber nur ein paar Kilometer außerhalb des Zentrums, erreichbar über den Périphérique - die Stadtautobahn, von der man sagt, sie sei eine Grenze zwischen zwei Welten, liegen die "banlieues", Vororte, in denen französische Grundwerte wie Gleichheit nicht zählen.

Einblick in die Pariser Schattenwelt

Sozialarbeiter Fouad Ben Ahmed, der in Bobigny, einem der berüchtigsten Vororte aufgewachsen ist, zeigt euronews-Reporter Ryan Thompson die Schattenwelt der französischen Hauptstadt.

"Man sieht ein gewisses Versagen seitens der Regierung. Diejenigen, die die Macht hätten, den Alltag der hier Lebenden wirklich zu verändern, diese Leute begreifen nicht, mit welcher Realität die Menschen hier konfrontiert sind. Das ist wirklich hart", meint Ben Ahmed.

Der Sozialarbeiter zeigt das "neuf-trois": Das Département 93 im Norden von Paris steht für Armut und Arbeitslosigkeit. Riesige Betonburgen sind zum Symbol für wirtschaftliche Ausgrenzung geworden:

"Die Ausgrenzung beginnt, wenn man keine Arbeit, keinen Zugang zu Transportmitteln hat. Wenn man seine Rechte nicht vollständig ausüben kann", so der Sozialarbeiter. _"Wenn man seinen Lebenslauf an ein Unternehmen schickt, wohl wissend, dass es ein Manko ist, wenn die Adresse aus dem Départment 93 kommt."
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"Es ist ein Land der Gleichheit auf dem Papier. Aber in Wirklichkeit ist es ein Land der Ungleichheit und Ungerechtigkeit."
Michel Kokoreff
Soziologe

Keine Durchlässigkeit der Gesellschaft

2005 wurde die Gemeinde Clichy-sous-Bois weltbekannt: Drei Wochen lang erschütterten gewalttätige soziale Unruhen die Pariser Vororte. Der Sozialarbeiter zeigt einen nicht funktionierenden Aufzug und macht auf eine Frau aufmerksam, die zehn Stockwerke zu Fuß nach oben geht: "Mobilität beginnt vor der Haustür", meint er. Und wenn man keinen Zugang zur eigenen Wohnung hat oder nicht nach draußen gehen kann, sei das katastrophal.

"Die Bewohner der 'cités', mit denen wir gesprochen haben, fühlen sich von der französischen Gesellschaft ausgegrenzt. Sie sind nicht nur ständig mit Wohnungs-, Beschäftigungs- und Mobilitätsproblemen konfrontiert", sagt euronews-Reporter Ryan Thompson. "Sie kämpfen auch gegen Ungleichheiten in ihrem Alltag. Viele misstrauen der Art und Weise, wie sie in französischen Medien dargestellt werden. Zahlreiche Anfragen, uns von ihrem Leben vor der Kamera zu erzählen, wurden abgelehnt. Laut ihnen gibt es keine Durchlässigkeit in der Gesellschaft, sie leben nicht, sie überleben."

Laut einem Soziologen gibt es eine Art Rassenschranke: "Obwohl es das Land der Erklärung der Menschenrechte ist, der Rechtsstaatlichkeit, der Demokratie, ist es immer noch viel komplizierter, einen Job zu finden, wenn ihr Name Boubakar ist und sie malischer Herkunft sind, als wenn ihr Name Bernard ist und Ihre Eltern in der Bretagne geboren wurden", erklärt Michel Kokoreff. "Es ist ein Land der Gleichheit auf dem Papier. Aber in Wirklichkeit ist es ein Land der Ungleichheit und Ungerechtigkeit."

Seit 2005 gab die französische Regierung über 50 Milliarden Euro aus, um die Situation in den Pariser Vororten zu verbessern. Aber nur wenige sind der Meinung, dass sich tatsächlich etwas getan hat.