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EU-Jugendgarantie: mit mehr Bildung und Ausbildung gegen Arbeitslosigkeit

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EU-Jugendgarantie: mit mehr Bildung und Ausbildung gegen Arbeitslosigkeit
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Junge Menschen finden heutzutage immer schwerer einen festen und beständigen Arbeitsplatz. Mit der "Jugendgarantie" will die EU sicherstellen, dass junge Menschen unter 25 Jahren innerhalb von vier Monaten, nachdem sie die Schule verlassen haben oder arbeitslos wurden, ein Angebot für eine Weiterbildung, ein Praktikum oder eine Ausbildungsstelle erhalten. Aber reicht das aus? Thema in dieser Folge von Real Economy gleich auf euronews.

Zahlen & Fakten

In Europa gibt es 5,5 Millionen junge Menschen, die weder eine Arbeit haben noch ein Praktikum oder eine Ausbildung absolvieren. Sie sind die sogenannten NEETS.

Junge Menschen stehen beim Übergang von der Schule in den Beruf vor besonderen Herausforderungen. Da sie neu auf dem Arbeitsmarkt sind, finden sie seltener eine Arbeit oder werden oft mit befristeten und Teilzeitverträgen beschäftigt.

Für alle EU28-Länder lag die Jugendarbeitslosigkeits-Quote im August 2019 im Schnitt bei 14,2 Prozent. Innerhalb der EU variiert die Quote.

Im Süden Europas ist die Jugendarbeitslosigkeit am drängendsten. In Griechenland liegt sie bei 33 Prozent, in Spanien bei 32,2 Prozent und in Italien bei 27,1 Prozent.

Am anderen Ende der Tabelle liegen die Tschechische Republik mit 5,1 Prozent, Deutschland mit 5,7 Prozent und die Niederlande mit 6,9 Prozent, wobei alle drei Länder bessere Berufsaussichten für junge Menschen zu bieten scheinen.

In Rom hat sich euronews-Reporterin Efi Koutsokosta angeschaut, wie man junge Menschen in Arbeit bringen kann. Ein Weg ist die Jugendgarantie - eine EU-Initiative, die jungen Menschen unter 25 Jahren innerhalb von vier Monaten nachdem sie die Schule verlassen haben oder arbeitslos wurden, ein Beschäftigungs-, Weiterbildungs- oder Praktikumsangebot machen soll. 14 Millionen Menschen haben bereits davon profitiert. Aber die Jugendarbeitslosigkeit ist immer noch bedenklich hoch, vor allem in südeuropäischen Ländern.

Euronews-Reporterin Efi Koutsokosta:
"Bei mir hier in Rom ist die italienische Arbeitsministerin Nunzia Catalfo. Frau Ministerin, laut Experten werden vielen der jungen Menschen, die am Jugendgarantie-Programm teilnehmen, hauptsächlich Praktika und keine Vollzeitbeschäftigung vermittelt. Reicht diese Initiative aus, vor dem Hintergrund, dass die Jugendarbeitslosigkeit in Italien sehr hoch ist?"

Nunzia Catalfo, italienische Arbeitsministerin:
"Die Jugendgarantie hat sich als ein nützliches Instrument erwiesen. Aber natürlich könnte es auf nationaler Ebene verbessert werden - durch zusätzliche Maßnahmen, die sich auf eine bessere Ausbildung und eine reibungslose Einführung in den Arbeitsmarkt durch Praktikumsprogramme und dergleichen konzentrieren. Das wird begleitet durch eine Stärkung der sozialen Dienste, die sich um diese jungen Menschen kümmern, sie in puncto Ausbildung und Praktika unterstützen. Denn keine Ausbildung bedeutet, vom Arbeitsmarkt abgehängt zu werden. Und das führt letztendlich dazu, dass die Menschen inaktiv oder arbeitslos werden."

Euronews:
"Ich komme auf Sie zurück. Aber sehen wir zuerst die Reportage von Fanny Gauret, die junge Italiener getroffen hat, die am Jugendgarantie-Programm teilgenommen haben."

Jugendgarantie-Programme in Italien

In den südlichen Regionen Italiens ist fast die Hälfte der jungen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren arbeitslos: In Lamezia in Kalabrien trifft euronews-Reporterin Fanny Gauret Pierdomenico Sesto. Er hat gerade seinen eigenen Laden eröffnet dank des Programms "Yes I Start Up", das von der Jugendgarantie unterstützt wird:

"Ich habe mich selbstständig gemacht, weil ich in den vergangenen Jahren viel gearbeitet habe und dabei unterbezahlt und ausgebeutet wurde", erzählt Pierdomenico Sesto. "Also habe ich beschlossen, mein eigenes Unternehmen zu gründen. Von 'Yes I Start Up' habe ich gehört, als ich die Hoffnung fast verloren hatte. Ich hatte bereits bei vielen Banken vergeblich versucht, einen Kredit zu bekommen."

Pierdomenico Sesto begeistert sich für Comics. Er absolvierte eine Ausbildung in Unternehmertum und beantragte eine Finanzierung in Höhe von 35.000 Euro. So konnte er seinen eigenen Laden aufmachen:

_ "Die Mittel habe ich von der Mikrokreditagentur Invitalia und von der Region Kalabrien erhalten. Das Projekt 'Yes I Start Up' hat mir zwar nicht das Leben gerettet, aber es hat es ein wenig verändert"_, so der junge Italiener.

Von den 300 Jugendlichen, die sich mit einem Projekt in Kalabrien beworben hatten, haben 60 Prozent einen Kredit erhalten. Nur 20 Prozent der arbeitslosen und keine Ausbildung absolvierenden Jugendlichen in Italien haben sich für die Jugendgarantie angemeldet.

Annarita Lazzarini, Jugendgarantie-Managerin für die Region Kalabrien sagt: "Nicht immer sind die Arbeitsämter in der Lage, jungen Menschen die notwendigen Informationen für das Programm anzubieten. Aus diesem Grund hat Kalabrien - wie viele andere italienischen Regionen - beschlossen, die Hilfe von privaten Organisationen in Anspruch zu nehmen. Sie sind von der Region zertifiziert und dazu autorisiert, die verschiedenen Maßnahmen zu fördern."

Dank EU-Programm: Festanstellung in Rom

Ein anderes Beispiel: In Rom erhielt Cristina Nicosia nur kurzfristige Verträge. Vor drei Jahren stieg sie in das Programm "Growing in Digital" ein. Es wird von Google in Partnerschaft mit der italienischen Handelskammer organisiert.

"Ich hatte die Gelegenheit, einen kostenlosen Web-Marketing-Kurs zu besuchen", erzählt Cristina Nicosia. "Dann hatte ich das Glück, die erworbenen Fähigkeiten während eines sechsmonatigen Praktikums in einem Unternehmen anzuwenden. Ich konnte eine Branche kennenlernen, von der ich keine Ahnung hatte, nämlich die Sparte Schmuck Made in Italy. Ich übernahm Verantwortung und das Praktikum lief so gut, dass ich am Ende einen unbefristeten Vertrag erhielt. Das Projekt "Growing in Digital' war für mich entscheidend, weil es mir geholfen hat, mein Berufsleben und meine Karriere zu starten."

Etwa die Hälfte der jungen Italiener, die ein von der Jugendgarantie finanziertes Programm absolviert haben, haben eine Arbeit gefunden. Aber es gibt noch viel zu tun, deshalb die Frage von Pierdomenico Sesto an die Arbeitsministerin: "Könnte man nicht verschiedene Kanäle nutzen, um Jugendliche über Arbeitsmöglichkeiten zu informieren?"

Euronews:"Was ist Ihre Antwort auf diese Frage?"

Nunzia Catalfo, italienische Arbeitsministerin:
"Wir haben mit 8.000 Mitarbeitern begonnen, aber unsere Planung sieht vor, dass es bis 2021 etwa 20.000 Mitarbeiter geben wird - wir werden die Anzahl mit zusätzlichen 11.600 Beratern mehr als verdoppeln. Das sind hochqualifizierte Mitarbeiter, deren Aufgabe es ist, den gesamten Arbeitsfindungsprozess zu unterstützen - für wen auch immer, der sich auf der Suche nach einer Arbeitsstelle an sie wendet. Natürlich planen wir auch, den Informationszugang zu erleichtern. Wir wollen digitale Plattformen einrichten, damit der Prozess der Arbeitssuche schneller und unmittelbarer abläuft, nicht nur für junge Menschen, sondern für alle Arbeitslosen."

Euronews:
"Ein anderer Punkt ist, dass die Zahl der kurzfristigen Verträge in Italien zugenommen hat. Ist das Ihrer Meinung nach die einzige Antwort, die Sie in diesem Zusammenhang jungen Menschen geben können, die gerade die Schule oder Ausbildung abgeschlossen haben?"

Nunzia Catalfo:
"Laut dem Nationalen Institut für Statistik sind die Beschäftigungszahlen in Italien gestiegen. 70.000 langfristige Verträge sind dazugekommen - dank einer Maßnahme, die wir im vergangenen Jahr unter dem Namen "Decreto dignità" eingeführt haben. Sie zielte genau darauf ab, nämlich die Anzahl stabiler und langfristiger Verträge im Gegensatz zu kurzfristigen Verträgen zu erhöhen. Dank dieser Maßnahme konnten wir den Arbeitsmarkt stärken und diese Daten beweisen, dass uns das gelungen ist."

Um die Jugendarbeitslosigkeit zu senken, muss man also mehr in Bildung, in Ausbildung und die Entwicklung neuer Fähigkeiten investieren.

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