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Portugal gewinnt 725 Ultrareiche in fünf Jahren: wer sie sind und warum sie kommen

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Cascais Copyright  Jeroen den Otter na Unsplash
Copyright Jeroen den Otter na Unsplash
Von Ana Filipa Palma
Zuerst veröffentlicht am
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Portugal verzeichnet in den vergangenen Jahren deutlich mehr Ultrareiche. Immobilieninvestitionen, mobile Finanzströme und der Reiz des Lebensstils treiben den Trend.

In Portugal leben heute 725 Ultrareiche mehr als noch vor fünf Jahren. Wer sind diese Menschen? Woher stammt ihr Vermögen? Und warum wählen sie Portugal weiterhin als Wohn- und Investitionsort?

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Der im April dieses Jahres veröffentlichte Prime International Residential Index (PIRI) des britischen Unternehmens Knight Frank zeigt: Die Zahl der Ultrareichen, also Menschen mit einem Nettovermögen von mehr als rund 25 Millionen Euro (ultra high net worth individuals, abgekürzt auf Englisch: UHNWI), ist in Portugal in den vergangenen fünf Jahren um fast 50% gestiegen. Im Jahr 2021 zählte Portugal 1.462 Ultrareiche. Für 2026 schätzt das Unternehmen die Zahl auf 2.187.

Allgemein gilt: Ein bedeutender Teil dieser Ultrareichen sind Ausländer, die Portugal aus unterschiedlichen Gründen als Wohnort oder Investitionsziel gewählt haben.

Neben Lebensqualität, Klima, Sicherheit und Lebensstil spielte zunächst auch die Steuerpolitik eine große Rolle. Portugal wurde durch Steueranreize wie die Gold-Visa und das Regime des nicht-gewöhnlichen Steuerresidenten (RNH) besonders attraktiv.

Das RNH, 2009 eingeführt, gewährte über zehn Jahre steuerliche Vorteile, um qualifizierte Fachkräfte und ausländische Rentner nach Portugal zu holen. Inzwischen gilt es nur noch für bestimmte wissenschaftliche und hochqualifizierte Tätigkeiten.

Bei den Gold-Visa ist der Immobilienkauf inzwischen nicht mehr als Weg zu einer Aufenthaltsgenehmigung zugelassen.

Nach Einschätzung von Knight Frank dämpfen diese Änderungen zwar die internationale Nachfrage, bremsen sie aber nicht aus.

Ultrareiche sind nicht nur Ausländer

Unter den Menschen mit einem Vermögen von mehr als 25 Millionen Euro (im Originalbericht 30 Millionen Dollar) finden sich auch viele Portugiesen, vor allem Unternehmer.

„Menschen mit einem solchen Vermögen kümmern sich vor allem um Vermögensschutz, Steuern und Nachfolge“, sagt im Gespräch mit Euronews Helena Seruca, koordinierende Direktorin für Private Banking bei der Banco Carregosa.

Die Banco Carregosa ist ein portugiesisches Finanzinstitut, das sich auf Vermögensverwaltung (wealth management) für wohlhabende Kunden spezialisiert hat. Typisch ist der portugiesische Unternehmer aus dem Norden oder Zentrum des Landes, oft aus Industriezweigen wie Schuh-, Textil-, Glas-, Kunststoff- oder Holzindustrie, aber auch aus neuen Technologien und Dienstleistungen.

Der Anstieg der UHNWI in den vergangenen fünf Jahren überrascht Helena Seruca nicht. Sie nennt die Zeit nach der Pandemie als entscheidende Phase für neue Vermögensbildung. „Vor allem seit der Zeit nach Covid haben wir gesehen, dass viele dieser Kunden durch den Verkauf von Unternehmen deutlich reicher geworden sind“, erklärt sie.

Im Interview mit Euronews schildert die Direktorin, dass der massive Einstieg von Risikokapitalfonds in Unternehmen viele Geschäftsleute plötzlich über sehr große Geldsummen verfügen ließ.

„Plötzlich hatte dieser Unternehmer 100 Millionen Euro“

Private-Equity-Fonds, die in nicht börsennotierte Unternehmen investieren, um deren Wert mittel- bis langfristig zu steigern, haben in Portugal in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Sie tragen wesentlich dazu bei, dass es im Land mehr Ultrareiche gibt.

Viele Firmeninhaber verkaufen Beteiligungen, um ihr Geschäft auszubauen oder in neue Märkte einzutreten, ohne eigenes Kapital einsetzen zu müssen.

„Bei einem Private-Equity-Geschäft geht es im Kern darum, über einen Risikokapitalfonds eine Beteiligung an einem Unternehmen zu erwerben. Der Fonds kann in die Geschäftsführung eingreifen oder auch nicht. Das hängt von der Beteiligungshöhe und von den Zielen des Investors ab“, erklärt Bruno Minoya Perez, Direktor für Private Banking bei der gleichen Bank.

Auch das steigende Alter vieler Eigentümer treibt solche Transaktionen voran, bis hin zum kompletten Verkauf von Unternehmen. „Es gibt Menschen Mitte fünfzig oder sechzig, die das Unternehmen nicht weiterführen möchten oder sehr attraktive Angebote bekommen und sich deshalb für den Verkauf entscheiden. In den vergangenen fünf Jahren gab es viele solcher Deals“, sagt er.

Als Beispiel nennt Bruno Perez eine Bäckerei aus dem Zentrum des Landes, die ein großer französischer Konzern übernommen hat, um seine Präsenz in Portugal zu verstärken. „Dieser Unternehmer hatte von einem Tag auf den anderen 100 Millionen Euro auf dem Konto“, sagt er – ein Beispiel dafür, wie ein einziger Deal ausreicht, um jemanden in die Liste der Ultrareichen zu katapultieren.

Bruno Perez beobachtet ähnliche Entwicklungen in Branchen wie Bestattungsunternehmen und Anwaltskanzleien, in denen größere Gruppen kleinere Anbieter aufkaufen, um ihren Marktanteil zu erhöhen.

Helena Seruca verweist außerdem auf die zunehmende Mobilität von Fachkräften, die sogenannten „digitalen Nomaden“, deren Zahl mit der Zunahme von Heimarbeit während der Pandemie gewachsen ist.

„Viele Ausländer kamen nach Portugal, um von dort aus im Homeoffice zu arbeiten. Weil ihnen das Land gefiel, sind sie geblieben. Auch sie verfügen über finanzielle Mittel und Unternehmergeist und bauen hier neue Firmen auf“, erzählt sie.

Neben den digitalen Nomaden hebt Helena Seruca den wachsenden Anteil ausländischer Investitionen in strategischen Bereichen hervor. „Wir sehen viele Ausländer, die in Portugal große Summen investieren, vor allem in Immobilien und Tourismus“, sagt sie.

Der Private-Banking-Direktor der Banco Carregosa räumt ein, dass der klassische portugiesische Unternehmer mit Wohnsitz und Vermögensbasis im Land nicht der typische Kunde ausländischer Investoren ist. Dennoch betreut er verstärkt Menschen, die in Immobilien investieren. „Israelische und türkische Kunden, die in Portugal investieren, sind meist bereits in der Immobilienbranche ihrer Heimatländer aktiv. Sie kommen nach Portugal, weil sie hier gute Gelegenheiten finden, Gebäude zu kaufen und zu sanieren, vor allem in Städten wie Lissabon und Porto“, erklärt er.

Einige dieser Ultrareichen leben ganz oder teilweise in Portugal, andere beschränken sich auf Investments.

Bruno betont zudem, dass Portugal wegen seines Lebensstils ein interessanter Immobilienmarkt ist – inklusive Freizeitangeboten wie Golf. „Sehr wohlhabende Menschen kommen nach Portugal, oft nur für ein Wochenende, insbesondere zum Golfspielen in Regionen wie Cascais, Comporta und der Algarve. Manche landen mit dem Privatjet, bleiben ein paar Tage, genießen die Erfahrung und kaufen schließlich eine Immobilie“, berichtet er.

Ein Beispiel dafür ist das Projekt „Terras da Comporta“ (The Dunas Course). Es begann mit einem Golfplatz – dem ersten von David McLay-Kidd auf dem europäischen Festland – der im Juni 2023 eröffnet wurde und unter anderem als „Bester neuer Golfplatz der Welt“ und „Bester neuer Golfplatz Europas“ ausgezeichnet wurde.

Das Projekt entwickelte sich anschließend zu einem Motor für steigende Immobilienpreise und zog internationale Käufer von Baugrund und Luxuswohnungen an.

Luxusimmobilien in Portugal: Investitionen wachsen

Auch die jüngste weltweite Studie von Christie’s International Real Estate, einem der größten Netzwerke für Luxusimmobilien mit Präsenz in fast 50 Ländern, zeigt: Portugal spielt im internationalen Markt für Premium-Immobilien eine wichtige Rolle.

João Cília, CEO von Porta da Frente Christie’s in Portugal, erklärte gegenüber Euronews, dass der Luxusmarkt hohe Vermögen anzieht, die Hauptwohnsitz, Zweitwohnsitz oder eine breitere Streuung ihres Vermögens suchen. Je nach Segment unterscheidet sich die Nachfrage deutlich.

Im Immobilienbereich lässt sich zwischen oberem Segment und Ultraluxus unterscheiden: Eine Einstiegswohnung im oberen Segment kostet etwa 6.494 Euro pro m². Im eigentlichen Luxussegment, das nur 2% des Marktes ausmacht, liegen die Preise bei rund 11.000 Euro pro m².

Ultraluxus zeichnet sich zudem durch Toplagen aus – etwa Cascais, das Zentrum von Lissabon, Comporta oder das sogenannte „goldene Dreieck der Algarve“ (Vilamoura, Vale do Lobo und Quinta do Lago).

T8-Villa mit Pool, Estrela, Lissabon, 1.250 m² Bruttowohnfläche
T8-Villa mit Pool, Estrela, Lissabon, 1.250 m² Bruttowohnfläche Porta da Frente Christie’s International Real Estate

Im oberen Segment gibt es deutlich mehr Angebot. Dazu gehören moderne Wohnungen mit kompakteren Flächen, die nicht zwingend von Ultrareichen gekauft werden.

„Neue Anlagen mit Fitnessstudio und Pool in den Randgebieten von Lissabon, etwa Miraflores, Alta de Lisboa oder Belas Clube de Campo, oder am Südufer des Tejo, zum Beispiel in Alcochete und Aroeira, kauft in der Regel ein portugiesisches Publikum.

„Bei Einstiegsobjekten im gehobenen Segment haben wir derzeit 95% portugiesische Käufer. Im eigentlichen Luxus- und Ultraluxus-Segment liegt der Anteil der Ausländer aber bei etwa 65%“, so Cília. Die meisten von ihnen sind US-Amerikaner und Brasilianer.

Im Markt für ultraluxuriöse Immobilien ist der portugiesische Anteil geringer, rund 35%. Es handelt sich vor allem um Unternehmer mit mittelgroßen Unternehmen, die seit zehn bis fünfzehn Jahren bestehen und relevante Gewinne erwirtschaften. João verweist zudem darauf, dass auch die „Fußballer-Community“ zu dieser Gruppe gehört.

Laut João Cília sehen viele ausländische Käufer Portugal nicht mehr nur als Wohnort, sondern auch als Investitionsstandort. „Diese Menschen verankern sich zunehmend in Portugal und investieren über ihre eigene Wohnung hinaus. Das ist sehr wichtig, denn so bauen sie hier beträchtliches Vermögen auf und ihre Bindung an Portugal wächst“, sagt er.

Nach seinen Worten hat das Ende des RNH-Regimes nicht den erwarteten Einbruch ausgelöst. „Auch wenn Portugal steuerlich nicht mehr so wettbewerbsfähig ist wie früher, können wir im Vergleich zu anderen europäischen Ländern immer noch viele Menschen anziehen“, so Cília.

Portugal europäischer Spitzenreiter bei „branded residences“

Ein weiteres wachsendes Segment in Portugal sind die sogenannten „branded residences“, also Wohnprojekte, die mit internationalen Hotelmarken verbunden sind, erklärt er.

Dem Bericht zufolge ist Portugal in Europa führend in diesem Bereich, mit rund 1.200 Einheiten, die zwischen 30% und 50% des Luxussegments ausmachen.

João Cília erklärt, dass dieses Produkt vor allem ausländische Kunden anzieht, die viel Zeit im Ausland verbringen. „Sie können anreisen und genießen alle Hoteldienstleistungen in ihrem Apartment. Wenn sie abreisen, geben sie die Wohnung in die Hotelvermietung, ohne Aufwand und mit der Möglichkeit, Einnahmen zu erzielen“, sagt er.

Lissabon und Cascais im europäischen Vergleich vorne

Luxusimmobilien ziehen UHNWI-Käufer an, und Lissabon sowie Cascais haben heute eine Marktspitze, die mit anderen europäischen Metropolen konkurriert.

Aktuelle Daten des Christie’s-Netzwerks zeigen, dass Lissabon und Cascais mehr als 26% des untersuchten Angebots in Europa stellen. Cascais ist derzeit der zweitstärkste Markt des Netzwerks in Europa – noch vor London und Madrid.

Freistehende Villa in der Quinta da Marinha, einer der etabliertesten und wertvollsten Wohnlagen in Cascais
Freistehende Villa in der Quinta da Marinha, einer der etabliertesten und wertvollsten Wohnlagen in Cascais Porta da Frente Christie’s International Real Estate

Ein Beispiel: Diese Villa mit neun Schlafzimmern in Guia (Cascais) mit 1.198 m² Bruttowohnfläche steht für 20,4 Millionen Euro zum Verkauf – und liegt damit über dem Preislimit in Madrid.

Konflikt im Nahen Osten zieht Investoren nach Portugal

Als dynamischsten neuen Markt nennt João Cília den Nahen Osten, vor allem Katar. Seit dem Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran gilt Portugal dort als potenzielles Ziel für Investitionen.

„Sie suchen derzeit sicherere Anlagemöglichkeiten. Je mehr Unsicherheit es weltweit gibt, desto wichtiger wird dieser Markt, denn Portugal ist ein Euromarkt, politisch stabil, Teil der Europäischen Union und eine sehr interessante Alternative zu instabileren Ländern“, erklärt er.

Trotz des erwarteten Wachstums und der Aussicht auf weitere Ultrareiche in Portugal in den kommenden Jahren sorgt den CEO die knappe Angebotslage in diesem eng gefassten Markt. „Diese Klientel erwartet eine sehr besondere Bauqualität in extrem privilegierten Lagen. Portugal ist allerdings kein riesiges Land“, sagt er.

Blick in die Zukunft

Der Prime International Residential Index 2025 rechnet damit, dass die Zahl der UHNWI weiter steigt und Portugal im Jahr 2031 auf 2.452 Ultrareiche kommt.

Der Bericht beschreibt, dass der ständige Ortswechsel dieser Ultrareichen – sie leben in mehreren Ländern ohne festen Wohnsitz, ein sogenannter „dip-in, dip-out lifestyle“ – diesen Trend zusätzlich verstärkt.

Hinzu kommt aus Sicht der Banco-Carregosa-Verantwortlichen: Investitionen sind heute viel leichter zugänglich als früher. Produkte wie Private Equity oder Aktien, die früher fast nur sehr reichen oder professionellen Anlegern offenstanden, lassen sich inzwischen per Smartphone kaufen.

„Früher brauchte man für Aktiengeschäfte einen Makler. Heute reicht ein Smartphone. Jeder kann eine Aktie von Apple, Meta oder Nvidia kaufen oder einen ETF, der einen Aktienindex abbildet“, sagt Bruno Perez, Direktor für Private Banking.

Der Anstieg der Zahl der Ultrareichen in Portugal ist das Ergebnis eines Zusammenspiels von inneren und äußeren Faktoren – von Lebensqualität und Stabilität des Landes bis zur wachsenden internationalen Mobilität von Vermögen. Auch wenn steuerliche Anreize an Gewicht verloren haben, bleibt Portugal ein wichtiger Standort auf der globalen Landkarte für Investments und Luxusimmobilien.

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